Das Schrumpfen der Gemeinden

Das Koordinatensystem der Schweiz ist veraltet. Deshalb wird jetzt auf ein neues System umgestellt. Aufgrund dessen verkleinern sich einige Gemeindeflächen. Nicht in der Realität, aber auf dem Papier.

Perrine Woodtli
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1995 wurde gemessen. Deshalb schrumpfte Gossau 2015 um 196 Quadratmeter. (Bild: Reto Martin)

1995 wurde gemessen. Deshalb schrumpfte Gossau 2015 um 196 Quadratmeter. (Bild: Reto Martin)

REGION. Das Koordinatensystem der Schweiz, das durch die Landesvermessung von 1903 definiert wird, ist veraltet und genügt den Genauigkeitsanforderungen nicht mehr. Aus diesem Grund hat der Bund beschlossen, dass es ein neues, genaueres System braucht (Tagblatt vom 17. August.). Dieses basiert auf der satellitengestützten Landesvermessung von 1995 (LV95). Um nun Messfehler zu beheben, sind Gossau und Andwil unbemerkt von der Bevölkerung geschrumpft. In Waldkirch stehen die Zahlen noch aus.

Gossau wird 196 m2 kleiner

In Gossau sind 259 der total 4443 Grundstücke auf Gossauer Gebiet von den Flächenkorrekturen der LV95 betroffen. Davon weisen neu 202 eine kleinere Fläche und 57 eine grössere Fläche auf, wie Grundbuchverwalter Martin Kuster sagt. Gesamthaft gesehen wird Gossau um 196 Quadratmeter kleiner. Die Korrekturen machen bei knapp 240 Grundstücken nur einen Quadratmeter aus. Die grösste Flächenkorrektur beträgt dreizehn Quadratmeter. «Dabei handelt es sich aber nicht um eine besonders grosse Verzerrung, sondern um ein besonders grosses Grundstück», sagt Kuster.

Die Kosten für den Geometer, der das Gemeindegebiet ausgemessen hat, wurden komplett von Bund und Kanton übernommen. «Was bleibt, ist der Aufwand, den wir bei der Aktualisierung des Grundbuchamts hatten», sagt Kuster und ergänzt: «Dieser hielt sich aber in Grenzen. Der grösste Aufwand war wohl, alle betroffenen Grundeigentümer zu informieren und anzuschreiben.»

Vereinzelte gewinnen Fläche

Die Umstellung auf den Bezugsrahmen LV95 bedingt auch in Andwil eine neue Flächenrechnung. Die Gemeinde schrumpft um 57 Quadratmeter. Dies verändere aber nichts, wie Grundbuchverwalter Hanspeter Tomasi sagt. «Diese Flächenänderung existiert ja bloss auf dem Papier. In der Realität merken wir nichts davon. Die Grenzen sind noch immer dieselben.» Nur wenn es sich bei einem Grundstück um eine Baulandparzelle handle, gingen nun ein paar Franken verloren, ergänzt Tomasi. Für acht Prozent aller Eigentümer der Gemeinde verändern sich die Grundstückflächen. Durch die LV95 ergab sich für 59 von insgesamt 64 betroffenen Grundstücken eine Flächenänderung von etwa einem Quadratmeter. «Der Grossteil der Grundstücke wurde kleiner. Nur ein paar vereinzelte gewannen Fläche», sagt Tomasi.

Betroffene werden informiert

Mit der Umstellung zur LV95 werden auch in Waldkirch allenfalls vorhandene Verzerrungen behoben. Bei Flächenänderungen erhalten die betroffenen Grundeigentümer voraussichtlich in einer Woche eine Anzeige, wie es im Mitteilungsblatt hiess.