Das Schicksal eines Fotomodells

Das Plakat der Immomesse Ostschweiz zeigt eine Häuserzeile, in die mit Photoshop das Logo der Messe eingefügt wurde. Die Häuserzeile, das ist klar, befindet sich in St. Gallen. Alles mutet so vertraut an, irgendwo hat man alles schon mal gesehen. Der Boden gehört vors Kloster.

Elisabeth Reisp
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Das Plakat der Immomesse Ostschweiz zeigt eine Häuserzeile, in die mit Photoshop das Logo der Messe eingefügt wurde. Die Häuserzeile, das ist klar, befindet sich in St. Gallen. Alles mutet so vertraut an, irgendwo hat man alles schon mal gesehen. Der Boden gehört vors Kloster. Hinten, das Riegelhaus sieht aus wie das Restaurant National. Das Haus links im Bild erinnert an den Sitz der IHK St. Gallen-Appenzell. Aber wo bitte schön soll das aufgenommen worden sein?

«In dieser Form gar nirgends», sagt Petra Eichholzer. Messeleiterin der Immomesse St. Gallen.

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Die Werber haben es sich mit der Auswahl des Standortes nicht leicht gemacht. Mehrere Gassen in verschiedenen Ostschweizer Städten durften für Probeaufnahmen Modell stehen. Aber einzig die Bankgasse in der Gallusstadt sei als Plakathintergrund für «optimal» befunden worden.

Optimal scheint aber nicht gut genug zu sein: Das Bild zeigt die Häuserflucht spiegelverkehrt. Zudem wurde das Haus an der Gallusstrasse 18 mit der markanten Treppenfassade wegradiert. An seiner Stelle befindet sich nun das klassische Gebäude der IHK St. Gallen- Appenzell. Der Grund für die Retuschen: «Das Bild war zu unruhig.» Für einmal scheint St. Gallen also zu wild zu sein.

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«The logo ist the hero», sagt Eichholzer. Die Stadt sollte in den Hintergrund treten. Und weil der Held der Szenerie – ein blau-gelb-weisser Kubus – sehr unaufgeregt daherkommt, musste die Bankgasse noch unscheinbarer als derselbe anmuten.

Dafür wurde etwas vom Alter, viel Charakteristik und fast alles Lebendige wegretuschiert. Nur die Häuser, die nicht durch ihre Fassade auffallen, durften stehen bleiben. Nun hat die Stadt also dasselbe Schicksal ereilt wie alle Fotomodelle dieser Welt. Die sind bekanntlich auch nur so schön, wie der Bildbearbeiter gut ist.