Das Reiten will gelernt sein

Während sich am CSIO in St. Gallen die weltbesten Reiter messen, werden im «Ponyhuus» Untereggen die Kleinsten an den Pferdesport herangeführt. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen kümmert sich Familie Jussel um Reitschüler.

Stephanie Sonderegger
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Neben den Reitstunden auf dem Platz gehören auch kleinere Ausritte zu den Nachmittagen im Ponyhuus. Das Vorbereiten der Ponies ist dabei Sache der Reitschüler. (Bilder: Stephanie Sonderegger)

Neben den Reitstunden auf dem Platz gehören auch kleinere Ausritte zu den Nachmittagen im Ponyhuus. Das Vorbereiten der Ponies ist dabei Sache der Reitschüler. (Bilder: Stephanie Sonderegger)

UNTEREGGEN. «Gut hast du das gemacht», lobt Lotti Jussel Reitschülerin Jemima, während diese Pony Isa nach der Reitstunde absattelt. Jemima reitet seit eineinhalb Jahren im «Ponyhuus» in Untereggen. Sie weiss, wie man die Hufe der Tiere auskratzt und die Mähne kämmt.

Nur ein Bube im Stall

Auch Louis, der an diesem Nachmittag in der zweiten Gruppe reitet, kennt sich im Umgang mit den Tieren aus. Er sei laut Reitlehrerin Sonja Jussel der einzige Bube zurzeit. «Kann ich meinen Reithelm schon anziehen?», fragt er ungeduldig. Zusammen mit zwei Mädchen soll es ins Gelände gehen.

Acht Ponies sind in dem Stall neben dem Schulhaus untergebracht. Stallbesitzerin Lotti Jussel bezeichnet sie als «charakterfest». Die Schaffhauserin wohnt seit vielen Jahren in Untereggen. Mit ihren zwei Töchtern führt sie das «Ponyhuus» und den zweiten Stall im Iltenriet. «Dort bieten wir Reitstunden für Jugendliche und Erwachsene an», sagt Jussel, die früher an zahlreichen Turnieren startete.

Ohne Druck und Angst

Das «Ponyhuus» ist ein kleiner Familienbetrieb: Die erste Tochter, Sonja Jussel, ist diplomierte Reitausbildnerin, die zweite, Angela Jussel, hilft als Teilzeitkraft mit. Zudem arbeitet der Familienbetrieb mit der Stiftung Landwirtschaft und Behinderte zusammen und bildet jeweils zwei Lehrlinge zu Hofmitarbeitern der Fachrichtung Pferdewirtschaft aus. Zurzeit seien sie gerade auf der Suche nach einer Praktikantin oder einem Praktikanten, sagt Lotti Jussel.

Eben diese sind es, die den Reitschülern an diesem Nachmittag zur Seite stehen. Denn die Arbeit mit den Tieren soll ebenso gelernt werden, wie das Reiten auf dem Platz und im Gelände. «Uns ist es wichtig, dass kein Druck und keine Angst entstehen», sagt Lotti Jussel. Sie seien kein Sportstall, dafür sei es ihnen wichtig, die Kinder gut vorzubereiten und mit ihnen die ersten Schritte in den Reitsport zu machen. «Wer später in einen anderen Stall wechseln möchte, soll das tun», fügt sie hinzu. Die Kinder der zweiten Gruppe sind unterdessen bereit für ihren Ausritt. Die Jüngste, Salome, sitzt trotz Kindergartenalter bereits gekonnt auf Shetlandpony Gwenda. «Die Kinder sind im Alter von 5 bis 13 Jahren», sagt Lotti Jussel. 40 bis 50 Kinder seien es wöchentlich. Melanie ist an diesem Nachmittag eine der Älteren. Sie hilft den Jüngeren beim Aufsteigen und führt Fjordpferd Ben, auf dem Louis sitzt. Gerne wäre sie öfters im «Ponyhuus»: «Leider darf ich nur einmal die Woche zur Reitstunde.»