Das Problemkind «Kastanienhof»

ST.GALLEN. Vor fast drei Jahren hat der Stadtrat ein neues Betriebskonzept für das Restaurant Kastanienhof ausgewählt. Seither wartet der Bau auf eine millionenschwere Sanierung. Hat die Stadt wieder ein Problem mit einer ihrer Beizen?

Daniel Klingenberg
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Unweit des neuen Bundesverwaltungsgerichts: Der wuchtige Kastanienhof. (Bild: Daniel Klingenberg)

Unweit des neuen Bundesverwaltungsgerichts: Der wuchtige Kastanienhof. (Bild: Daniel Klingenberg)

Juni 2007: Aus einem Ideenwettbewerb für ein «neues, zukunftsgerichtetes» Projekt für den Kastanienhof-Betrieb geht der bisherige Pächter Simon Steingruber als Sieger hervor. Er will die der Stadt gehörende Beiz mit Kreuzbleiche-Anschluss und Garten «gutbürgerlich und mit Charme» führen. Gambrinus-Jazz veranstaltet Konzerte, das Militär belegt zwei Stöcke. Die 1901 erbaute ehemalige Militärkantine muss allerdings für mehrere Millionen saniert werden. Man rechnete mit einem Start im Frühjahr 2009.

«Intensive Diskussionen»

März 2010: Gambrinus-Jazz ist ausgezogen, das Militär ist ausgezogen, eine Sanierung ist nicht in Sicht. Was ist los mit dem «Kastanienhof»? Liegt eine «Fehlplanung» vor, wie dies vor zwei Jahren ein politischer Vorstoss für das Restaurant Schlössli, einen weiteren städtischen Restaurantbetrieb, behauptete (siehe Kasten)?

«Das Sanierungsprojekt ist mehr oder weniger fertig», sagt der städtische Bausekretär Alfred Kömme auf Anfrage. In der Projektgruppe zur Umbauplanung habe – neben dem Hochbauamt, dem Liegenschaftsamt und den Architekten – auch der Pächter Einsitz. Dabei habe es «intensive Diskussionen» gegeben. Die Stadt wolle den neuen Betrieb nicht nur auf das Konzept des jetzigen Wirts ausrichten.

Wenn schon saniert und umgebaut werde, dann auch so, dass für spätere Wirte andere Konzepte möglich und verschiedene Optionen offen seien. Haupt- punkt der Gespräche sei daher gewesen, wie umfangreich die Gastrosanierung gemacht werde.

Mitbedacht wird dabei der Bau des Bundesverwaltungsgerichts. Von den in unmittelbarer Nähe entstehenden 400 Arbeitsplätzen erhofft man sich künftige Gäste.

Auch neuer Pächter denkbar

Das alles klingt, wie wenn die Zusammenarbeit mit dem Sieger aus dem Ideenwettbewerb keine Ehe für die Ewigkeit wäre. In der Tat ist die Stadt derzeit in Verhandlungen mit Steingruber über das weitere Vorgehen. Steingruber ist als Gewinner des Wettbewerbs grundsätzlich am neuen Projekt mitbeteiligt und auch als derzeitiger Pächter bei den Projektierungsarbeiten dabei.

Laut Kömme geht es jetzt um eine einvernehmliche Regelung für den Fall, dass das Projekt mit ihm weiterverfolgt wird, wie auch für den Fall, dass künftig ein anderer Wirt den «Kastanienhof» betreibt.

Steingruber will weitermachen

Pächter Simon Steingruber ist unverändert an der Umsetzung seines Konzeptes interessiert. Mit der Direktion Bau und Planung habe man sich geeinigt, dass der Stadtrat über die Kastanienhof-Zukunft entscheiden werde. Danach muss das Parlament darüber befinden.

Die Differenzen mit der Stadt würden vor allem daher rühren, dass von ihm einerseits Investitionen im sechsstelligen Bereich erwartet worden seien, er aber anderseits wenig Spielraum betreffend Ausbau bekommen habe.

Warum Thema der Chefetage?

Warum ist das Geschäft eigentlich in der Chefetage der Direktion Bau und Planung angesiedelt? Und was ist an Gerüchten dran, dass es in der Projektplanung atmosphärische Störungen zwischen der Chefin des Liegenschaftsamtes und dem Kastanienhof-Betreiber gab?

Weder Kömme noch Steingruber wollen letzteres kommentieren. Hingegen komme es ab und zu vor, dass ein in einem Amt angesiedeltes Geschäft bei ihm lande, sagt der Bausekretär.

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