«Das Personal steht unter Druck»

Die Schweizer Gefängnisse sind überbelegt. Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt Saxerriet, spricht von einer markanten Steigerung, weshalb das Personal Mehrarbeit bewältigen muss.

René Rödiger
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Anstaltsdirektor Martin Vinzens vor der Strafanstalt Saxerriet. (Archivbild: ky/Arno Balzarini)

Anstaltsdirektor Martin Vinzens vor der Strafanstalt Saxerriet. (Archivbild: ky/Arno Balzarini)

Salez. Die Zahl der inhaftierten Personen in der Schweiz ist 2010 gegenüber dem Vorjahr erneut gestiegen. 6084 Menschen verbrachten 2009 ihr Leben hinter Gitter, 2010 waren es mit 6181 fast 100 Personen mehr. Die Folge: Viele Einrichtungen des Freiheitsentzugs sind überfüllt. Eine Tendenz, die auch in der Ostschweiz festzustellen ist.

«Wir haben 2010 eine markante Steigerung nach oben verzeichnet», sagt Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt Saxerriet. In der Strafanstalt bei Salez wurde zeitweise eine Belegung von über 95 Prozent registriert.

Laut Vinzens sind 2010 gegenüber dem Vorjahr über 7000 Insassentage dazugekommen. Im letzten Jahr waren durchschnittlich 117 Personen in Saxerriet. «Viel Raum nach oben haben wir nicht mehr», sagt Vinzens. Dennoch werden immer wieder Straftäter zur Entlastung der geschlossenen Einrichtungen nach Saxerriet in den offenen Vollzug geschickt. Die Fälle würden zuerst natürlich geprüft und kommen im Zweifelsfall vor eine Fachkommission.

Kein Problem für Häftlinge

«In der Untersuchungshaft und in den geschlossenen Anstalten warten viele Menschen auf einen Umzug in den offenen Vollzug. Es gibt hier eine Art Warteliste», sagt Vinzens.

Für die Häftlinge sei die hohe Belegung kein Problem, meint Vinzens. «Es spielt für den einzelnen keine grosse Rolle, ob er jetzt 100 oder 110 Mitinsassen hat», sagt er. Einen grossen Unterschied mache es jedoch für die Angestellten.

«Im letzten Jahr hatten wir 244 Eintritte in die Strafanstalt Saxerriet. Diese hohe Rate ergibt auch Mehrarbeit für die Mitarbeiter», sagt Vinzens. Die Angestellten würden ihre Aufgaben vermehrt priorisieren. «Natürlich steht an erster Stelle, dass wir Rückfälle vermeiden», sagt der Saxerriet-Direktor.

Spitze könnte erreicht sein

Dramatisieren will Vinzens die Situation nicht. Das Ostschweizer Konkordat habe im offenen Vollzug im Verhältnis zur Bevölkerung genügend Plätze. Und diese sollen auch in Zukunft ausreichen.

«Bei uns könnte die Spitze erreicht sein», meint Vinzens.