Das Lieblingsstück erhalten

Modedesignerin Iris Betschart hat sich in einem Markthäuschen eingerichtet: Mit der «Flickeria» fordert sie die St. Galler auf, ihre «abgefickten Lieblingsstücke» zu bringen – und aufgewertet wieder abzuholen.

Sarah Schmalz
Merken
Drucken
Teilen
Modedesignerin Iris Betschart in ihrem Markthäuschen. (Bild: Sarah Schmalz)

Modedesignerin Iris Betschart in ihrem Markthäuschen. (Bild: Sarah Schmalz)

Als «Second Life» bezeichnet Modedesignerin Iris Betschart ihren Stil. In ihrem Atelier «Graue Zone» stellt sie aufwendig und intuitiv hergestellte Einzelstücke her, aus Materialien, die sie vor allem im Brockenhaus, auf dem Flohmarkt und im Zeughaus zusammensucht.

Ihre Kollektionen versteht sie als Statement gegen die Massen- und Billigproduktion. Altem ein zweites Leben schenken: Dieses Prinzip steckt auch hinter Betscharts Projekt «Flickeria».

Die Hemmschwelle senken

Ab Montag wird die 35-Jährige für zwei Wochen in einem der alten grünen Markthäuschen am Marktplatz ihre Dienste anbieten. Statt ihr «abgeficktes Lieblingsstück» zu entsorgen, können es die St. Galler während dieser Zeit in der «Flickeria» vorbeibringen und wiefeln, flicken oder ausbessern lassen. Das Markthäuschen ist von Montag bis Samstag, von 9 bis 13 Uhr, am Donnerstag zusätzlich von 16.30 bis 20.30 Uhr geöffnet. Wer keine Zeit findet, sein aufpoliertes Stück wieder abzuholen, kann sich dieses nach Hause schicken lassen.

Die Idee für ein solches Projekt sei ihr schon vor Jahren gekommen, sagt Betschart. In ihrem Atelier widme sie sich in erster Linie der Kreation neuer Teile: Fürs Flicken und Aufbessern bleibe einerseits wenig Zeit, andererseits bestehe bei den Leuten auch eine gewisse Hemmschwelle, dort vorbeizuschauen. Mit der «Flickeria» will die Designerin diese senken. «Hier kann ich auf die Leute zugehen und sie auf meine Arbeit aufmerksam machen.»

«Die ideale Grösse»

Dass ihre Idee ankommt, hat Betscharts letztes Pilotprojekt gezeigt. Mit zwei Kolleginnen veranstaltete sie im Restaurant Stickerei den Flick-Event «Abgeficktes Lieblingsstück». Sie hätten an diesem Nachmittag ununterbrochen zu tun gehabt, sagt Betschart.

Die leeren Häuschen sind Betschart beim Vorbeigehen immer wieder aufgefallen. «Sie haben die optimale Grösse für mein Projekt.» Iris Betschart kontaktierte das Amt für Kultur und stiess auf offene Ohren. «Man hat mich sofort unterstützt.»