Das Kantonsspital gestärkt

Viele Kantonsräte aus der Stadt St. Gallen begrüssen den Ausbau des Kantonsspitals und den Neubau des Kinderspitals. Dadurch würden beide Spitäler besser positioniert.

David Gadze
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Nach stundenlanger Debatte stimmte der Kantonsrat am Mittwoch der Spitalvorlage der St. Galler Regierung zu (Ausgabe von gestern). Während über die Spitalpläne im Rheintal heftig debattiert wurde, waren der Ausbau des Kantonsspitals St. Gallen und der Neubau des Ostschweizer Kinderspitals auf dessen Areal unbestritten.

SVP scheitert mit Neubauidee

Einzig die SVP-Fraktion kritisierte das Vorhaben. Karl Güntzel bemängelte «die mangelnde Weitsicht der Regierung und den fehlenden Mut in der vorberatenden Kommission». Ihm wäre ein Neubau an einem anderen Ort lieber gewesen. Es sei zwar unbestritten, dass der heutige Standort gut sei. Die Fraktion sei aber überzeugt, dass ein Neubau «mehr Möglichkeiten» und bessere Betriebsabläufe geboten hätte, was längerfristig zu tieferen Kosten führen würde. Der finanzielle Aufwand für einen Neubau würde nicht höher ausfallen als die etappenweise Sanierung am bisherigen Standort. Gerade beim Haus 04 und in der Frauenklinik bestehe «grosser Sanierungsbedarf».

Güntzel ärgert sich vor allem darüber, dass es die Regierung von Anfang an abgelehnt habe, eine andere Lösung zu prüfen. «Sie hatte eine vorgefasste Meinung und verweigerte die Abklärung von Alternativen.» Nun müsse man sich mit der «zweitbesten Lösung» begnügen, welche die SVP-Fraktion unterstützen werde.

Mehrheitsfähige Lösung finden

Der St. Galler Stadtrat und CVP-Kantonsrat Nino Cozzio spricht von einem «positiven Entscheid». Es sei unbestritten, dass die Stadt St. Gallen ein starkes Zentrumsspital brauche. Durch den Ausbau des Kantonsspitals und den Neubau des Kinderspitals würden beide weiter gestärkt. Ein Neubau «auf der grünen Wiese» hingegen wäre laut Cozzio mit zahlreichen Unklarheiten verbunden gewesen. «Der Beweis, dass diese Lösung billiger wäre, konnte nicht erbracht werden.» Zudem hätte die Suche nach einem neuen Standort das Projekt verzögert. «Und es irritiert mich, wenn der Regierung vorgeworfen wird, bei ihren Entscheiden auf das Stimmvolk zu schauen», sagt Cozzio. «Wir leben in einer Demokratie.» Da gehe es darum, eine mehrheitsfähige Lösung zu präsentieren.

Investitionen wettmachen

Auch FDP-Kantonsrat Walter Locher sagt, es seien «gute Entscheide für die Stadt St. Gallen» gefällt worden. Es sei «sehr wichtig», dass das Zentrumsspital mit den Ausbauvorhaben gestärkt werde. Auch die Integration des Kinderspitals ins Gelände des Kantonsspitals komme beiden zugute. Locher stimmt zwar Karl Güntzels Argument zu, dass die lange Bauzeit gewisse Behinderungen im Betrieb mit sich bringen werde. Durch die Neubauten werde aber den betrieblichen Aspekten mit besseren Abläufen und tieferen Kosten die nötige Bedeutung beigemessen. Das Kantonsspital habe einen jährlichen Umsatz von über einer halben Milliarde Franken. «Die in den Ausbau und die Sanierungen getätigten Investitionen werden durch Kosteneinsparungen im Betrieb innerhalb einiger Jahre wettgemacht.»

Das Spital der Zeit anpassen

Es sei «keine Frage», dass das Kantonsspital der Zeit angepasst werden müsse, sagt Karin Ilg von der GLP/BDP-Fraktion. Diese Tatsache sei in der Fraktion ebenso unbestritten gewesen wie der Standort.

Auch Franziska Wenk von der Fraktion von SP und Grünen begrüsst es, dass sich der Kantonsrat hinter die Pläne der Regierung stellte. Nach dem Moratorium sei es nun notwendig, wieder in die Spitalbauten zu investieren. Dabei handle es sich nicht um Luxusbauten, sondern um «ein im Rahmen der Möglichkeiten gutes Projekt». Die Idee eines Neubaus bezeichnet Franziska Wenk als «nicht ausgereift». «In der Stadt haben wir keine freie Fläche, die sich dafür eignen würde.» Ausserdem sei der heutige Standort zentral und gut erschlossen.

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