«Das ist die Konsequenz»

Nach seinem menschenverachtenden E-Mail an die israelische Botschaft ist Maurus Candrian für den Kanton nicht mehr tragbar. Eine Umfrage unter Passanten zeigt: Eine Mehrheit begrüsst die Entlassung.

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Rolf Wirth, 53,

Kaufmann, St. Gallen

Maurus Candrian ist nicht zum ersten Mal durch fragwürdige Äusserungen aufgefallen; irgendwann hat das halt Konsequenzen. Wer eine extreme Meinung vertritt, muss auch mit einer extremen Reaktion rechnen.

Andreas Zanolari, 27,

Lehrer, St. Gallen

Ich bin froh, musste ich diese Entscheidung nicht treffen. Candrian war lange beim Baudepartement, hat offenbar gute Arbeit geleistet. Seine Äusserungen waren aber absolut fehl am Platz. Meiner Meinung nach ist Rassismus in der Schweiz ein Problem. Vielleicht bringt dieser Vorfall ja eine Debatte in Gang.

Sebastian Heizle, 19,

Schüler, St. Gallen

Ich kann Candrians Engagement grundsätzlich nachvollziehen: Auch ich bin kein Fan der israelischen Politik. Wenn es um Menschenleben geht, ist aber Respekt geboten. Da sich Candrian für seine Äusserungen entschuldigt hat, würde ich es bei einer Verwarnung belassen. Eine im Privaten geäusserte Ansicht sollte sowieso keinen grossen Einfluss aufs Arbeitsleben haben. Ich bin für eine starke Meinungsfreiheit.

Julia Forster, 18, Kantischülerin, St. Gallen

Schlau war sein Verhalten sicher nicht, aber es sagt nichts aus über seine Kompetenzen. Nach der öffentlichen Entschuldigung hätte ich ihm vielleicht nochmals eine Chance geben. Wobei: Gesagt ist gesagt. Und seine Meinung wohl immer noch dieselbe.

Linus Ullrich, 23,

Spendensammler, Luzern

Nach einem solchen Fehltritt muss man sein Amt räumen. Keine Frage. Als Deutscher bin ich für dieses Thema natürlich noch sensibilisierter. Herrn Candrian lege ich ein Engagement in einer jüdischen Organisation ans Herz. Taten sagen mehr als leere Worte.

Maria Zünd, 55,

Stadtführerin, Heiden

Als erwachsener Mensch sollte man zu reflektiertem Handeln fähig sein. Lässt man einen solchen Schmarren raus, muss man mit den Konsequenzen leben.

Erna Dizdarevic, 20, Studentin, St. Gallen

Candrian hätte besser überlegen müssen, was er von sich gibt. Er ist schliesslich ein Vertreter des Kantons und hat auch eine Verantwortung gegenüber der jüdischen Gemeinde. Dass er nun die Kündigung erhalten hat, kann ich deshalb absolut nachvollziehen.

Ulrich Schmid, 64, Standbetreiber, Altnau

Ich habe lange für den Kanton Bern gearbeitet. Meine Verantwortung war mir immer bewusst. Was unbedachte Äusserungen für Konsequenzen haben können, wusste auch Maurus Candrian. Er ist 55. Jugendlichen Leichtsinn kann er nicht geltend machen.

Brigitte Rentsch, 58,

Pianistin, St. Gallen

Ob jemand Jude ist, Christ oder Moslem: Ein Tod darf nicht bejubelt werden. Mein Sohn hat kürzlich in einem Aufsatz geschrieben, man könne den Holocaust doch langsam ad acta legen. Es zeigt sich aber einmal mehr, dass solche Verbrechen nie in Vergessenheit geraten dürfen.

Brigitte Meyer, 59, Projektleiterin, St. Gallen

Candrians E-Mail war diskriminierend und antisemitisch. Der Kanton hatte keine andere Wahl, als ihn zu entlassen; das Image hätte sonst gelitten. Ich seh den Entscheid auch als Zeichen dafür, dass der Antirassismus-Artikel ernst genommen wird.

Text: Sarah Schmalz

Bilder: Katja Fässler

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