Das Herz soll entscheiden

Wer singt sie nicht gerne, die romantischen Zigeunerlieder. Am liebsten am Lagerfeuer mit Gitarrenbegleitung. Wie automatisch erwacht dabei die Phantasie und malt die Silhouette einiger Zigeunerwagen am Waldesrand vor unser geistiges Auge.

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Wer singt sie nicht gerne, die romantischen Zigeunerlieder. Am liebsten am Lagerfeuer mit Gitarrenbegleitung. Wie automatisch erwacht dabei die Phantasie und malt die Silhouette einiger Zigeunerwagen am Waldesrand vor unser geistiges Auge. Im Flackerschein lodernder Flammen tanzt wie wild eine junge Zigeunerin. – So weit die Phantasie. Was hat sie mit der Wirklichkeit zu tun? Ziemlich viel! Sie zeigt uns den Reichtum einer anderen Kultur, die wir selber nicht leben können, die unser Herz aber seit Generationen bereichert. Und genau dort im Herzen müssen wir uns fragen: Verdienen es die Fahrenden nicht, dass wir ihre Lebensweise anerkennen, ihnen das Gefühl von Akzeptanz, Daseinsberechtigung und Wertschätzung geben? Oder servieren wir sie eiskalt ab? Lassen wir sie weitersuchen und stellen dafür eine öde Industriehalle an die Wehrstrasse? – Wohl kaum! Bei dieser Abstimmung soll das Herz entscheiden und ein solches haben bekanntlich alle Gossauerinnen und Gossauer.

Patrick Huber

Hofeggstrasse 20, 9200 Gossau

Sachliche Argumente beim Initiativkomitee

Wer über der Grenze einkaufen geht, zwingt damit das Gewerbe zu mehr Effizienz und sichert so langfristig dessen Existenz. Fahren die Leute dorthin mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ist das lobenswert. Das Autogewerbe hat aber mehr davon, wenn wir den Individualverkehr fördern. Tanken wir unbedingt im Ausland, dann verhindern wir, dass die Steuern auf dem Treibstoff für anderes als für den Autobahnbau verwendet werden. Damit handeln wir ganz im Sinne der Milchkuh-Initianten.

Am 5. Juni können sich die Gossauer und Arneggerinnen auch für die Fahrenden einsetzen. Mit einem Nein zum Durchgangsplatz ermöglichen sie dieser Minderheit, an einem schöneren Ort einen Platz zu finden. Für alle, die nicht Sympathisant der SVP sind, ist ein Nein doppelt angesagt. Sie verhindern so, dass diese Partei den Erfolg für sich allein buchen kann. Die Neinsager gehören dann auch zu den Gewinnern und dürfen mit triumphieren. Vollkommen überzeugen wird die Neinsager die Tatsache, dass sich nur linke Kreise für den Durchgangsplatz einsetzen. Das ist bekanntlich auch eine Minderheit, der es nur darum geht, dass wir mehr Steuern zahlen müssen. So weit meine persönliche Stellungnahme zum «Offenen Brief» der Gegner des Durchgangsplatzes an das Stimmvolk. Sachliche und faire Argumente für den Platz erhalten die Stimmbürger vom Initiativkomitee.

Norbert Hälg

Ex-Stadtparlamentarier FDP

Im Park 11, 9200 Gossau

Wo bitte ist der richtige Platz?

Vergangenen Freitag sind alle Haushalte von Gossau und Arnegg mit dem Flyer der Durchgangsplatz-Gegner bedient worden. Die aufgeführten Argumente für ein Nein zum Durchgangsplatz sind irreführend und weitgehend willkürliche Behauptungen. Die Verfasser schreiben, der Durchgangsplatz sei die falsche Lösung am falschen Platz. Wo bitte ist denn der richtige Platz am richtigen Ort? Das einheimische Gewerbe wolle genau dort wachsen. Da würde ich gerne wissen, welcher Gewerbebetrieb genau diesen Platz zwingend braucht?

Richtig ist, dass die Fahrenden pro Wohnwagen und Nacht eine Benützungsgebühr von zwölf Franken bezahlen müssen. Weiter wird in der Platzordnung festgehalten, dass für Nebenkosten wie Strom, Wasser und Abwasser eine Tagesgebühr bezahlt werden muss. Auch für jede Nutzung der Dusche muss ein Geldbetrag entrichtet werden. Bei der Anreise müssen die Fahrenden eine Kaution hinterlegen. Die Gruppe erhält das Geld erst zurück, wenn bei der Abreise alles in Ordnung ist. Wird gegen die Weisungen verstossen, müssen die fehlbaren Gruppen den Platz verlassen.

Dies einige Punkte, die im Reglement notiert sein werden. Ausserdem ist es jederzeit möglich, die Platzordnung zu verschärfen oder auch zu lockern. Der Durchgangsplatz soll für Nutzer und Anstösser langfristig problemlos funktionieren. Mehrere Schweizer Jenische haben den Ort besichtigt und äussern sich zufrieden. In dieser Zustimmung ist die Sache mit der Starkstromleitung eingeschlossen. In Winkeln wohnen übrigens seit Jahren zig Leute nahe der Stromüberleitung, und sie sind freiwillig dort. Darum am 5. Juni ein überzeugtes «Ja zum Durchgangsplatz». Damit setzen wir ein positives Zeichen für eine Minderheit, der endlich ein offizieller Platz zugewiesen werden kann.

Hans Bösch

Neuchlenstrasse 11, 9200 Gossau