Das grosse Warten in Wittenbach

Am Sonntag wählt Wittenbach. Wer wird neuer Gemeindepräsident? Auch wenn kaum jemand an eine Entscheidung im ersten Wahlgang glaubt, das Thema ist allgegenwärtig und die Stimmbeteiligung wohl hoch. Wir haben uns umgehört.

Rafael Rohner
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Wahlplakate in Wittenbach: Die drei Kandidaten Georges Gladig, Fredi Widmer und Bruno Brovelli lächeln um die Wette. (Bild: Urs Bucher)

Wahlplakate in Wittenbach: Die drei Kandidaten Georges Gladig, Fredi Widmer und Bruno Brovelli lächeln um die Wette. (Bild: Urs Bucher)

An der Migros-Kasse, im Dorfladen, Zu Hause oder in den Beizen: Über die Wahl des neuen Gemeindepräsidenten wird in Wittenbach rege diskutiert. Am Sonntag endlich steht entweder ein Sieger oder, was wahrscheinlicher ist, ein zweiter Wahlgang fest. Ausser, einem der drei Kandidaten Fredi Widmer (CVP), Georges Gladig (FDP) oder Bruno Brovelli (SVP) gelänge eben doch noch die grosse Überraschung.

Wer hat die Nase vorn?

Dass die bevorstehende Wahl viele beschäftigt, zeigt die voraussichtlich hohe Wahlbeteiligung (siehe Kasten) – und ein morgendlicher Rundgang im Wittenbacher Dorfkern: «Bei uns wird häufig politisiert», sagt etwa die Bedienung im Restaurant Adler, das sich nahe beim Gemeindezentrum befindet. «Nur logisch, dass derzeit auch die Wahl des Gemeindepräsidenten ein Thema ist.»

Noch lesen die Gäste an den Tischen in aller Ruhe Zeitung, trinken Kaffee, knabbern an ihrem Gipfeli. Keine Spur von Wahlkampfstimmung. Als man aber hört, dass es an der Theke um die Wahl des Gemeindepräsidenten geht, fragt einer: «Was sagen die Leute, welcher Kandidat liegt vorne?» Nur eines könne sie mit Gewissheit sagen, antwortet ihm die Serviertochter. Die Wahl werde knapp ausgehen und ein zweiter Wahlgang wohl nötig sein. «Da sind sich die meisten unserer Gäste einig.»

Ein Gespräch entsteht. «Wissen Sie», sagt der Gast und zieht dabei wichtig seine Augenbrauen hoch, «eine Prognose zu stellen, ist ganz schwierig. Viele getrauen sich nicht, ihre Meinung offen zu äussern. Die drei Kandidaten sind wohlbekannt im Dorf. Und niemand will es sich mit ihnen verscherzen.»

Ein Blick in die Leserbriefspalten dieser Zeitung zeigt ein anderes Bild. Da wird in höchsten Tönen Partei für den einen oder anderen Kandidaten ergriffen. Kritik? Fehlanzeige. Den Gegner in die Schranken weisen? Nicht in Wittenbach, das derzeit einen regelrechten Schönwetter-Wahlkampf erlebt.

Viele sind hin- und hergerissen

So passt es ins Bild, dass auch Passanten auf der Strasse den Kandidaten vornehmlich gute Noten geben. Und wird dann doch etwas Kritik laut, will man seinen Namen plötzlich nicht mehr in der Zeitung lesen. Auf eine Prognose will sich auch hier selten jemand einlassen. Viele sind hin- und hergerissen. Alle Kandidaten seien gut, so der Tenor immer wieder. Als «Zünglein an der Wage» nennt einer die Wittenbacher Vereine, ein anderer die Wahlempfehlung der SP.

In der Pizzeria Arrabbiata ist die bevorstehende Wahl häufiges Gesprächsthema. Dort haben gar einzelne Wahlveranstaltungen stattgefunden. Festlegen mag sich, wie nicht anders zu erwarten, auch hier niemand von den Gästen, und auch dem Personal ist keine Prognose zu entlocken. In Bont's Dorfladen an der St. Gallerstrasse sagt die Verkäuferin, dass in den letzten Tagen die Skiferien oder das Wetter mehr Thema waren als die bevorstehenden Wahlen. Ähnliches ist im Café Vivendi zu hören. Sie belausche die Gäste nicht bei ihren Gesprächen, sagt eine Angestellte. In ihrem privaten Umfeld sei die Wahl aber ein grosses Thema.

Einen sauberen Wahlkampf führen wollten sie. Das haben die Kandidaten Brovelli, Gladig und Widmer immer wieder betont. In Wittenbach scheint diese Botschaft angekommen zu sein.

Bild: rafael rohner

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