Das grösste Spielzimmer der Stadt

An der Spielenacht am kommenden Samstag hat man die Qual der Wahl. Spielbegeisterte können zwischen 250 Titeln auswählen. Sie haben dabei auch die Chance, Unbekanntes unter Anleitung zu entdecken.

Ruth Frischknecht
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Spielen, ohne zuerst die Anleitung zu lesen: Dank Spielberaterinnen können die Besucherinnen und Besucher der Spielenacht sofort loslegen. (Bilder: pd)

Spielen, ohne zuerst die Anleitung zu lesen: Dank Spielberaterinnen können die Besucherinnen und Besucher der Spielenacht sofort loslegen. (Bilder: pd)

Am Samstag verwandelt sich der Pfalzkeller bereits zum fünftenmal ins grösste Spielzimmer der Stadt. Von 15 bis 24 Uhr stehen an der Spielenacht rund 250 verschiedene Brett-, Karten oder Würfelspiele zur Auswahl. Manche laden zum Duell, andere zum Finden von besonders ausgeklügelten Strategien, wieder andere verlangen neben Geschick eine Portion Glück. Eines haben sie aber allesamt gemeinsam: Sie alleine zu spielen ist nicht möglich. Es sind Gesellschaftsspiele, die im Pfalzkeller aufliegen.

«Zusammen zu spielen ist etwas Schönes und macht Freude», sagt der Organisator der St. Galler Spielenacht Marco Neuhaus. Er ist offensichtlich nicht der einzige, der so denkt. Im vergangenen Jahr besuchten 800 Spielfreudige die Spielenacht. Der Eintritt in den Pfalzkeller ist für all jene gratis, die im Vorfeld ein Ticket auf der Internetseite ausdrucken. Für Kurzentschlossene gibt es eine Abendkasse, der Eintritt kostet fünf Franken.

Aus einer Diplomarbeit

Entstanden ist die Spielenacht zunächst auf Papier, als Diplomarbeit. Marco Neuhaus vermisste die Spiele- und Modellbaumesse, die von Mitte der 1990er-Jahre bis 2004 in St. Gallen stattgefunden hatte. «Ich plante in dieser Arbeit eine Veranstaltung zum Thema <Spielen>. So entstand das Konzept für die Spielenacht.» Danach verschwand die Diplomarbeit aber in der Schublade. Erst einige Zeit später setzte Neuhaus das Konzept in die Praxis um. 2011 fand die Spielenacht dann zum ersten Mal statt.

Keine Spielanleitungen lesen

«An der Spielenacht geht es darum, die Vielfalt an Spielen zu zeigen und die Leute dazu zu bringen, Neues auszuprobieren.» Von Jahr zu Jahr werden viele neue Spiele veröffentlicht und nur ein kleiner Teil davon schaffe es in die Wohnzimmer. Damit sich die Besucher an Spiele heranwagen können, die ihnen noch völlig unbekannt sind, stehen 30 Beraterinnen der Ludotheken Wittenbach und St. Gallen im Einsatz. Sie präsentieren und betreuen etwa 25 verschiedene Spiele wie «Chef Alfredo», «Camel up» oder «Tortenschlacht». «Dank der Coaches muss sich niemand durch die Spielanleitung kämpfen, sondern jeder kann sich aufs Spielen konzentrieren», sagt Neuhaus. Bei den Besuchern besonders beliebt seien die Spiele des Jahres. 2015 heissen diese «Colt Express», «Spinderella» und «Broom-Service». Weitere 30 Helfer kümmern sich ums leibliche Wohl der Spielfreudigen, sind zuständig für die Eingangskontrolle oder für die Ordnung. «Ohne die vielen Helfer könnte die Spielenacht nicht stattfinden», sagt Neuhaus.

Am Tisch mit Fremden

Nicht nur Anfänger sondern auch versiertere Spieler kommen auf ihre Kosten. Mitglieder des Spieleclubs St. Gallen erklären komplexere Spiele, sogenannte Kennerspiele. «Meistens sind es Spiele, die viel Material benötigen und komplizierte Züge verlangen – und deshalb schnell unübersichtlich werden. Mit der Assistenz ist der Durchblick gewährleistet.» Weil jeder Teilnehmer an einem Tisch Platz nehmen kann, um für eine Runde mitzuspielen, treffen oft Leute zusammen, die sich zuvor noch nie gesehen haben, und trotzdem entsteht ein Miteinander. «Spiele lösen soziale Grenzen auf», ist Neuhaus überzeugt. Im Spielen sieht er einen weiteren Vorteil: «Die Karten werden in kurzer Zeit wieder neu gemischt und eine neue Spielrunde beginnt – niemand bleibt lange Sieger oder Verlierer.»

www.spielenacht.ch

Marco Neuhaus Organisator der Spielenacht

Marco Neuhaus Organisator der Spielenacht