Das Ganze wieder von vorn

Die Debatte um die Nutzung und Sanierung des Waaghauses geht in eine nächste Runde. Als erste Frage ist jetzt zu klären, ob das Stadtparlament in den Kantonsratssaal zügeln soll.

Reto Voneschen
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Das Waaghaus am Bohl mit seinen Arkaden im Erdgeschoss und dem typischen Dachaufbau gehört heute zu den Wahrzeichen der Stadt St. Gallen. (Bild: Urs Jaudas)

Das Waaghaus am Bohl mit seinen Arkaden im Erdgeschoss und dem typischen Dachaufbau gehört heute zu den Wahrzeichen der Stadt St. Gallen. (Bild: Urs Jaudas)

Seit 1999 wird in St. Gallen über die Nutzung und die eigentlich überfällige Sanierung des Waaghauses diskutiert. Mitverantwortlich dafür, dass bisher keine greifbaren Resultate auf dem Tisch liegen, ist auch, dass bezüglich Nutzung immer über Teilaspekte, nie aber über ein umfassendes Nutzungskonzept geredet wurde. Ob der neue Anlauf konkretere und beständigere Resultate bringt als frühere, muss sich weisen.

Markt, Restaurant, Kultur

Klar ist: Das Stadtparlament wird sich an einer der ersten Sitzungen 2016 mit Postulaten zum Waaghaus auseinandersetzen. Das erste von Roger Dornier (FDP), Daniel Stauffacher (CVP), Karin Winter (SVP) und Sonja Lüthi (Grünliberale) verlangt, dass das Waaghaus und das Taubenloch «fürs Volk» sein sollen. Im Erdgeschoss soll der ständige Markt, im Obergeschoss möglichst privat organisierte Gastronomie, Kultur oder sonstige Nutzung untergebracht werden. Das Taubenloch unter dem Blumenmarkt wiederum soll Anlässe aufnehmen, die aus dem Waaghaus vertrieben würden. Der Stadtrat ist bereit, dieses Postulat entgegenzunehmen. Beantworten will es es in der dritten Vorlage für die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt. Allerdings: Bevor man sich an diese Antwort machen kann, muss entschieden sein, ob das Parlament das Waaghaus verlässt oder nicht.

Stadtparlament in die Pfalz?

Zu dieser Frage liegt ein zweites Postulat beim Stadtparlament: Darin verlangen wiederum Roger Dornier (FDP), Daniel Stauffacher (CVP), Karin Winter (SVP) und Sonja Lüthi (Grünliberale), dass das Stadtparlament in die Pfalz, in den Kantonsratssaal am Klosterplatz, umziehen soll. Das Präsidium des Stadtparlaments ist bereit, diesen Vorstoss entgegenzunehmen und über einen Umzug «in zeitlicher, finanzieller und historischer Hinsicht» zu berichten und allenfalls auch einen Antrag zu stellen.

Technisch und kostenmässig scheint die Unterbringung des Stadtparlaments im Kantonsratssaal nicht wirklich ein Problem zu sein. Wie Abklärungen des Stadtrates ergeben haben, müsste die Stadt dem Kanton dafür keine Miete bezahlen. Fällig würden nur die tatsächlich auflaufenden Kosten (etwa für Zutrittskontrolle, technischen Support oder Saalreinigung). Zudem hätten der Kantonsrat sowie die Legislativen des katholischen Konfessionsteils und der evangelischen Landeskirche Vorrang bei der Terminfestsetzung. Was es kosten würde, das Waaghaus für ständigen Markt, für ein Restaurant oder für kulturelle Zwecke herzurichten, ist unbekannt.

Thema weckt Emotionen

Das parlamentarische Zügelprojekt dürfte eine scharfe Debatte auslösen – im Parlament wie in der Öffentlichkeit. Dies, weil die Frage Emotionen wecken wird. Bereits gab's erste kritische Wortmeldungen von links. Allerdings dürfte Opposition gegen den parlamentarischen Auszug aus dem Waaghaus nicht nur von dort kommen. So werden auch bürgerliche Wählerinnen und Wähler der älteren Generation nicht nur begeistert sein, dass die Stadt in der Raumfrage fürs Parlament «ihre Autonomie aufgibt» und sich dem nicht immer geliebten Kanton anhängt.

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