«Das gab's lange nicht mehr»

Seit zwei Jahren zeigt der Cineclub St. Gallen seine Filme nicht mehr im Kino, sondern in der Grabenhalle. Von der Kooperation profitieren beide Seiten. Die Bar könnte aber besser laufen.

Roger Berhalter
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Vom Kinosaal ins Kulturlokal: Seit November 2013 zeigt der Cineclub St. Gallen pro Saison ein Dutzend Filme in der Grabenhalle. (Archivbild: Ralph Ribi)

Vom Kinosaal ins Kulturlokal: Seit November 2013 zeigt der Cineclub St. Gallen pro Saison ein Dutzend Filme in der Grabenhalle. (Archivbild: Ralph Ribi)

Vor dem Umzug hatte der Vorstand des Cineclub St. Gallen noch Bedenken. Lange war der Filmverein in traditionellen Kinosälen zu Hause gewesen, zuletzt im Kino Rex. Doch dann, im November 2013, zog der Cineclub in die Grabenhalle um, wo normalerweise Bands auf der Bühne stehen und wo nicht selten bis spät in die Nacht gefeiert wird. An diese neue Umgebung mussten sich die rund 150 Kinofreunde zuerst gewöhnen – ebenso an die Holzstühle, welche die Plüschsessel von früher ersetzt hatten.

Neues Publikum gewinnen

Doch jetzt, zwei Jahre später, sind sich beide Seiten einig. «Die Zusammenarbeit mit der Grabenhalle funktioniert reibungslos», sagt Cineclub-Präsident Kay Kröger. «Die Zusammenarbeit ist sehr angenehm», sagt auch Sascha Vujcin vom Grabenhallen-Team. Im Idealfall gewinne man so neues Publikum; Vujcin erzählt von einem Cineclub-Gast, den er später an einer Grabenhallen-Veranstaltung wieder getroffen habe.

Man könnte auch von einer Symbiose sprechen, denn beide Seiten profitieren. Der Cineclub hat nach dem Auszug aus dem Kino Rex vor zwei Jahren wieder eine Heimat gefunden – und erst noch eine mit Barbetrieb.

Jeden zweiten Montag

Die Grabenhalle wiederum hat dank des Cineclubs wieder vermehrt Filme im Programm. Von November bis April zeigt der Filmclub jeweils elf neue Spielfilme und Reprisen. «Das gab's bei uns lange nicht mehr, schon gar nicht regelmässig», sagt Sascha Vujcin. In den Anfangszeiten des Kulturlokals seien noch öfter Filme gelaufen, doch in den letzten Jahren habe es nur noch vereinzelte Filmabende gegeben. Mittlerweile aber bauen die Hauswarte die Halle während der Saison fast jeden zweiten Montag zum Kino um.

Bis zu zwölf Termine reserviert der Cineclub jeweils. Das ist ungewöhnlich und widerspricht dem Konzept der «Halle für alle»: Die Grabenhalle möchte für möglichst viele Anlässe offenstehen und nicht ein Dutzend Daten aufs Mal vergeben – schon gar nicht an denselben Veranstalter. «Der Cineclub suchte eine neue Heimat, und wir konnten helfen, deshalb machten wir in diesem Fall eine Ausnahme», sagt Sascha Vujcin. Dass die Filme an einem Montag laufen, mache die Sache einfacher, denn dieser Tag sei weniger begehrt als die Wochenenden.

Kultureller Einstieg in die Woche

Aus Sicht des Cineclubs hat der Montag Vorteile. «Viele haben dann Zeit und können sich den Abend freihalten», sagt Kay Kröger. Antoinette Maurer vom Vorstand ergänzt: «Unsere Filmabende sind ein guter kultureller Einstieg in die Woche – ohne dass man sich allzu sehr anstrengen muss.» Danach sei man auch frühzeitig wieder zu Hause, was viele Mitglieder schätzten. Etwas könnte aber noch besser laufen. Die Bar – vom Grabenhallen-Team während der Filmabende bedient – ist noch nicht der Treffpunkt, der sie sein könnte. «Wir würden uns wünschen, dass die Leute nach dem Film noch etwas länger verweilen würden», sagt Kay Kröger. Die meisten würden allerdings nach den Vorstellungen gleich nach Hause gehen.

Die Scheu verloren

Auch Sascha Vujcin bestätigt, dass der Barumsatz jeweils «nicht sehr gross» sei, was aber für die Grabenhalle auch keine Priorität habe. Immerhin: In der Pause zwischen den zwei Vorstellungen um 18 und 20.30 Uhr versammeln sich zunehmend mehr Cineclub-Mitglieder an der Bar. Kay Kröger augenzwinkernd: «Die Leute sind nicht mehr so scheu wie am Anfang.»