Das «Einstein» als Bischofssitz

Ende September 2012 wird die Gallusstadt zur Konferenzstadt der europäischen Bischöfe. Bereits laufen die Vorbereitungen für das Treffen der hohen Kleriker – residieren dürften sie im Hotel Einstein.

Daniel Klingenberg
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Auf sie wartet ein Grossanlass: Duarte da Cunha (links) und Thierry Bonaventura vom CCEE. (Bild: Urs Jaudas)

Auf sie wartet ein Grossanlass: Duarte da Cunha (links) und Thierry Bonaventura vom CCEE. (Bild: Urs Jaudas)

«Sprechen Sie Portugiesisch?» – mit dieser nicht ernst gemeinten, aber charmanten Frage wird man in den Räumen an der Gallusstrasse 24 empfangen. Hier weht internationale Kirchenluft, hier ist der Arbeitsplatz des Portugiesen Duarte da Cunha, seit 2008 Generalsekretär des Rates der Europäischen Bischofskonferenz (CCEE). Dessen Kürzel setzt sich aus den lateinischen Anfangsbuchstaben zusammen und verweist auf Tradition: Einst war Latein Kirchensprache. Das CCEE-Sekretariat in St. Gallen ist Drehscheibe für die jährlich stattfindenden Treffen der Präsidenten der Bischofskonferenzen aus ganz Europa. Und es hat eben einen besonderen Kirchen-Event an Land gezogen: Vom 27. bis 30. September 2012 findet in der Gallusstadt die Europäische Bischofskonferenz statt – zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz (Tagblatt vom 7. Oktober). Anlass für diese ehrenvolle Wahl ist das Gallusjubiläum: «Gallus ist eine Person von europäischer Bedeutung», sagt CCEE-Sprecher Thierry Bonaventura.

Ist ein künftiger Papst dabei?

80 Teilnehmer, nahezu alle Bischöfe, werden erwartet. Unter ihnen sind auch zehn Kardinäle. Ein Kardinal ist ein besonderer Bischof: Sein Titel wird ihm vom Papst verliehen und berechtigt zur Papstwahl. Aus weltweit rund 120 Kardinälen wird jeweils der neue katholische Oberhirte gewählt – möglich also, dass ein künftiger Papst in St. Gallen ist.

Ein internationales Bischofstreffen ist eine aufwendige logistische Übung. Duarte da Cunha ist der Hauptverantwortliche für die Organisation, welche zusammen mit dem Bistum St. Gallen und der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) an die Hand genommen wird. Da ist zum Beispiel die Frage, wo die hochrangigen Kleriker übernachten sollen. «Voraussichtlich wird dies im Hotel Einstein sein», sagt Thierry Bonaventura. Entscheidend für diese Wahl ist die Nähe zum Stiftsbezirk. Und auch, dass von der Hotelgrösse her alle Konferenzteilnehmer am selben Ort wohnen können. «Die Gemeinschaft ist für die Bischöfe wichtig.» Zudem werden Versammlungen im Kongresszentrum Einstein stattfinden können.

Den Bischöfen begegnen

Auch weitere Themen wie etwa die Gewährleistung der Sicherheit – unter den Gästen befindet sich beispielsweise auch der Patriarch von Jerusalem – werden angegangen. Jede Konferenz hat zudem ein Thema. An dem eben abgeschlossenen diesjährigen Treffen hiess dieses «Die Neuevangelisierung in Europa». Das Thema für St. Gallen ist noch nicht bestimmt. Diese Woche geht ein Brief an die Teilnehmer: Darin werden sie um Themenvorschläge gebeten.

Das Bischofstreffen soll nicht einfach eine interne Angelegenheit sein. «Die Begegnung mit Gläubigen und Vertretern von Politik und Gesellschaft ist uns wichtig.» Eine besondere Bedeutung hat dabei der Schlussgottesdienst am Sonntag, den die Bischöfe zelebrieren werden.

Die wilden Anfangszeiten

Der CCEE wurde vor 40 Jahren, in der Aufbruchstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils, gegründet. Bereits zuvor gab es aber Treffen der europäischen Bischöfe. So tagten 1969 über 100 Bischöfe aus 19 Ländern in Chur, wie aus einem Text des früheren Bischofs des Bistums St. Gallen, Ivo Fürer, hervorgeht. Am Rande dieses Anlasses tagten auch Gruppen von Priestern, welche sich für eine Änderung bei der Verpflichtung zum Zölibat einsetzten. Das führte zu Spannungen, so dass es kein offizielles Communiqué gab.

Die CCEE-Gründung ist auch als Reaktion auf solche Schwierigkeiten zu verstehen. Man versuchte, ihnen mit klaren Strukturen zu begegnen. Dass der CCEE-Sekretariatssitz in die Gallusstadt kam, ist Ivo Fürer zu verdanken.

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