Das Dorf aus dem Korsett befreien

Leitartikel zur Teilsanierung und Erweiterung des Schulhauses Brühl in Berg SG

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Keine Post, keine Bank, kein Dorfladen. Berg hat in den letzten Jahren viel Infrastruktur eingebüsst. Eine Institution aber konnte das 840-Seelen-Dorf halten: das Primarschulhaus Brühl. Mehr noch, während der Umsatz des Dorfladens unter die Schmerzgrenze sank und auch die Bank nicht mehr rentierte, verzeichnet die Schule steigende Schülerzahlen. Gleichzeitig wächst aber die Platznot im Schulhaus; es stösst an die Kapazitätsgrenze.

Berg wächst und soll weiter wachsen.Überbauungen auf dem Gebiet Mattenhof und auf der Dorfwiese versprechen 230 neue Einwohner, wie eine Studie der Firma Strittmatter Partner AG zeigt. Das Dorf soll also innert weniger Jahre um einen Viertel wachsen. Nicht zuletzt junge Familien sollen auf den Sonnenhügel mit Seesicht ziehen. Nicht alle sind dem Wachstum wohlgesonnen. Aber es ist nötig, damit Berg aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Allein von 2005 bis 2015 ist das Dorf an der Kantonsgrenze um 40 Einwohner geschrumpft. Erst seither zeigt die Wachstumskurve zumindest gering­fügig bergauf.

Vor 40 Jahren stimmten die Berger dem Schulhausbau zu – ein damals zukunftsweisender Entscheid, den es nun zu bestätigen gilt. Denn eine Sanierung ist bitter nötig, sie allein reicht jedoch nicht aus. Die Schule, konzipiert für 70 Schulkinder, soll künftig deren 100 beherbergen. Momentan fasst das Schulhaus 84 Schülerinnen und Schüler – und das mehr schlecht denn recht.

Kindergärtler in der ehemaligen Käserei, Schulklassen im Mehrzweckraum, Bibliotheksbücher im Durchgang. Das Schulhaus Brühl ist momentan vor allem eines: ein Provisorium. Dies soll sich mit der geplanten Erweiterung ändern. Bewegungsfreiheit und moderne Unterrichtsräume haben allerdings ihren Preis.

6,4 Millionen Franken soll das Projekt kosten – viel Geld für die 840-Einwohner-Gemeinde. Zu viel? Bereits 2014 verwarfen die Bürger einen Kredit in derselben Höhe. Er galt im Grunde demselben Projekt, über das sie nun erneut abstimmen. Die Zukunft der Schule Brühl kommt am 21. Mai nämlich innert vier Jahren zum dritten Mal vors Volk.

Ja, nein, vielleicht. Die Berger zeigten sich in der Vergangenheit unentschlossen: 2013 stimmten sie einem Kredit zur Sanierung der Schule in Höhe von 4,5 Millionen Franken zu. Schnell aber zeigte sich: Das Projekt war dem erwarteten Bevölkerungsschub nicht gewachsen. Bereits ein Jahr darauf stimmten die Berger über einen Kredit von nunmehr 6,4 Millionen Franken ab – und verwarfen ihn, überrumpelt von der Kostenexplosion. In einer Umfrage warfen sie der Gemeinde überdies eine spärliche Informationspolitik vor.

Nun, im dritten Anlauf, haben die Behörden ihre Hausaufgaben gemacht, die Bürger wurden frühzeitig einbezogen und Informationen offengelegt. Nun müssen die Bürger ihrerseits offenlegen, ob sie dem Wachstum aufgeschlossen gegenüberstehen, ob sie ihr Dorf aus dem Korsett befreien wollen. Denn während andere Dörfer gegen Überalterung kämpfen, müssen die Berger lediglich eine Verjüngung zulassen.

Zugegeben, 6,4 Millionen Franken sind viel Geld und ohne Steuererhöhung für Berg nicht finanzierbar. Um acht Prozentpunkte dürfte der Steuerfuss ansteigen. Dennoch, das vorgeschlagene Projekt ist die kostengünstigste Lösung; 811000 Franken davon können aus vergangenen Investitionen wiederverwertet werden.

Eine moderne Primarschule ist aber mehr als ein Kostenfaktor – sie ist ein Standortvorteil. Und sie ist dringend nötig, damit junge Familien tatsächlich in Berg Fuss fassen. Das Dorf nämlich lebt nicht nur dank neuer, willkommener Steuerzahler auf, sondern vor allem dank ihrer Kinder. Berg muss nun Platz schaffen für die nächste Generation.

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