Das Dorf am Leben erhalten

Der Gemeindepräsident Norbert Rüttimann erklärt, weshalb Untereggen keine Schlafgemeinde ist. Trotzdem will er das Dorfleben weiter ankurbeln. Dafür hat er auch schon eine Idee.

Martin Rechsteiner
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Norbert Rüttimann unweit des Gemeindehauses. (Bild: Martin Rechsteiner (Untereggen, 12. September 2016))

Norbert Rüttimann unweit des Gemeindehauses. (Bild: Martin Rechsteiner (Untereggen, 12. September 2016))

Das Jahr startete für den Unteregger Gemeindepräsidenten Norbert Rüttimann mit einer kleinen Enttäuschung: Im Frühling lehnte die Bürgerversammlung einen von der Gemeinde geplanten Dorfladen ab.

«Natürlich finde ich es schade, dass unser Dorfladen-Projekt nicht angekommen ist», sagt er. Womöglich habe man es zu sehr an der Laden-Idee aufgehängt. «Viele haben gesagt, dass so etwas nicht die Aufgabe der Gemeinde sei, sie fürchteten das finanzielle Risiko des Projekts.» Jedoch sei es bei dem geplanten Lädeli primär darum gegangen, einen Treffpunkt im Dorf zu schaffen, sagt Rüttimann. «Das wurde vielleicht etwas zu wenig hervorgehoben.» Er sei aber zufrieden. «Wir haben unsere Arbeit gemacht, haben etwas auf die Beine gestellt, zur Abstimmung gebracht und die Bürger haben entschieden.» Neue, konkrete Vorschläge für einen «Treffpunkt im Dorf» hat die Gemeinde zurzeit nicht parat. «Für einen privaten Anstoss eines solchen Projekts sind wir aber immer offen», sagt Rüttimann.

Eine Art Treffpunkt schafften auch die Vereine. «Davon haben wir zum Glück viele. Sie sind sehr wichtig, sie erhalten das Dorfleben.» Das jährliche Grümpeli, welches die Jugi Untereggen organisiere, ziehe auch immer viele Leute an, die nicht mehr im Dorf wohnen. «Es ist schön, bei solchen Anlässen wieder einige Heimweh-Unteregger zu treffen», sagt Rüttimann und lacht. Für ihn seien die Vereine aber auch wichtig für den Zusammenhalt. «Dieser ist im Dorf zurzeit sehr gut. Trotzdem wollen wir ihn stärken und auch von der Gemeinde aus noch mehr für die Vereine da sein.» Rüttimann denkt dabei an eine Kommission, die Vereine unterstützt und hilft, deren Arbeit zu koordinieren. «Das sind aber Ideen, die vielleicht einmal angegangen werden können, wenn die Einheitsgemeinde da ist», sagt Rüttimann.

Untereggen schläft nicht

Das Lädeli-Projekt sowie die Idee der Kommission zeigen, dass die Gemeinde Untereggen so gut es geht versucht, ins Dorfleben zu investieren und bei dessen Gestaltung mitzuwirken. «Natürlich ist die Befürchtung, einmal eine reine Schlafgemeinde zu werden, manchmal da», sagt Rüttimann. «Bei uns ist es aber zu Glück noch nicht so weit, es gibt nach wie vor ein aktives Alltagsleben und auch Geschäfte hier.» Nebst dem Handwerk seien zum Beispiel immer noch ein Metzger und ein Bäcker im Dorf ansässig.

Ein Mangel an Kandidaten

Im Juli stand Untereggen dann vor einem Problem: Für die Gemeinderatswahlen am 25. September fehlte zunächst ein Kandidat. Es ist nicht das erste Mal, dass dies geschieht. Vor zwei Jahren wurde es schon einmal knapp. Erst sehr spät fanden sich genügend Kandidaten für alle Gemeinderatssitze. Schon fast entsteht der Eindruck, als hegten die Unteregger wenig Interesse für die Politik. Rüttimann dementiert: «An den Bürgerversammlung nehmen durchschnittlich 20 Prozent der Stimmberechtigten teil.» Dies sei einer der höchsten Werte im Kanton. Für den Gemeindepräsidenten liegen die Gründe anderswo: «Möglicherweise hat die geplante Einheitsgemeinde für Zurückhaltung bei den Kandidaturen gesorgt.» Für die Gemeinderäte schaffe sie ab 2017 ein neues Arbeitsumfeld mit einigen Veränderungen der jetzigen Situation. «Diese Ungewissheit hat die Hemmschwelle sicherlich angehoben. Zudem haben potenzielle Kandidierende wohl eine Kampfwahl gescheut und deshalb lieber abgewartet.» Das Fehlen von Ortsparteien könnte ebenfalls zu einem Mangel an Kandidaturen beigetragen haben, weil niemand eine Partei im Rücken habe, die zum Kandidieren motiviere und unterstütze. «Und als letzter Punkt, glaube ich, ist die allgemeine berufliche Situation zu nennen», sagt Rüttimann. Der Berufsalltag verlange heutzutage viel von den Leuten ab, ein Sitz im Gemeinderat komme aus diesem Grund für viele nicht in Frage – die Belastung sei einfach zu gross.

Rüttimann muss es wissen. Neben seinem Amt als Gemeindepräsident, das er zu 30 Prozent ausführt, führt er eine eigene Autospenglerei im Dorf. «Mein Amt bei der Gemeinde nimmt mich aber eher zu 50 Prozent in Anspruch», sagt er. Der 51jährige, fünffache Familienvater kann aber auf seine Frau und seinen Bruder zählen, die ihn tatkräftig unterstützen. «Und natürlich wäre das alles nicht machbar ohne das gute Team auf der Gemeindeverwaltung», betont Rüttimann. Dass er viel arbeiten und hie und da auch Arbeit nach Hause nehmen müsse, störe ihn nicht. «Ich wusste vor meiner Kandidatur zum Gemeindepräsidenten, dass ich mehr als nur 30 Prozent arbeiten werde», sagt Rüttimann. «Zudem bietet der Job stets spannende Termine und Treffen mit interessanten Leuten. Das möchte ich nicht missen.»

Die Einheitsgemeinde ist auf Kurs

Ab dem 1. Januar 2017 ist Untereggen eine Einheitsgemeinde – die Schulgemeinde und die Politische Gemeinde sind ab diesem Datum zusammengelegt. «Mit den Vorbereitungen sind wir auf Kurs, die neue Gemeindeordnung ist genehmigt», sagt Rüttimann. Nun werde noch an der neuen Schulordnung gearbeitet. Diese soll aber bald fertig sein. «Verwaltungsintern arbeiten die Gemeinde und die Schulgemeinde schon reibungslos zusammen.» Was aber noch Arbeit geben werde, sei die Zusammenführung der Bauämter. Aber auch da ist Gemeindepräsident Rüttimann zuversichtlich, dass es dieses Jahr noch klappt.

Geändert werden soll nächstens auch das Baureglement. Dafür muss Untereggen aber warten, bis der kantonale Richtplan für die Raumplanung vom Bund genehmigt wird. «Bis jetzt konnten wir in der Gemeinde nichts Bauliches planen, ohne zu wissen, wie es von Kanton und Bund aus weitergeht». Nächstes Jahr sollten die lang ersehnten Dokumente eintreffen. «Dann haben wir endlich wieder mehr Planungssicherheit», sagt Rüttimann. «Ab diesem Zeitpunkt können wir die Ortsplanung für die nächsten 15 bis 20 Jahre in Angriff nehmen.»

Das betrifft auch die ÖV-Anbindung des Dorfes. Untereggen liegt an der Postauto-Line 242 nach St. Gallen und Rorschach. «Es gab Gespräche mit der Postauto AG, in den Stosszeiten einen viertelstündlichen Takt einzurichten», sagt Rüttimann. Aus finanziellen Gründen sei die Idee aber vorerst vom Tisch. «Für beide Seiten hätte das Mehrkosten bedeutet – bei uns fliessen bereits zehn Steuerprozent in den öffentlichen Verkehr.»

Mit dem Thema Steuern ist Rüttimann aber zufrieden. «In den letzten Jahren konnten wir die Steuern um fast 30 Prozent senken», sagt er. Die Gemeinde entwickle sich positiv. «Klar, wir backen kleine Brötchen, aber wir sind zufrieden.» Deshalb wünscht sich der Gemeindepräsident auch, dass die Unteregger weiterhin aktiv mitmachen am Dorfleben. «Ich versuche das, so gut es geht, vorzuleben.»