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Das Consulting für die Zukunft

ST. GALLEN. Studenten der Universität St. Gallen, die sich für sozial und ökologisch verträgliche Unternehmen einsetzen? Das gibt es bereits drei Jahre. «Student Impact» ist eine unübliche Consultingfirma.
Sina Bühler
Gian-Luca Menn und Julia Hunziker setzen sich mit «Student Impact» für sozial und ökologisch verträgliche Unternehmen ein. (Bild: Ralph Ribi)

Gian-Luca Menn und Julia Hunziker setzen sich mit «Student Impact» für sozial und ökologisch verträgliche Unternehmen ein. (Bild: Ralph Ribi)

Wenn sich oben am Rosenberg gerade die Grossen und Mächtigen der Wirtschaft treffen, um am St. Gallen Symposium über eine liberale Wirtschaft zu diskutieren, kommt einem der unternehmerische Ansatz von «Student Impact» ein bisschen verdreht vor. Die Organisation bringt nämlich zwei sehr gegensätzliche Dinge zusammen – Studierende der Universität St. Gallen, Kaderschmiede für eben diese Grossen und Mächtigen, und junge Start-Ups, die sozial und ökologisch verträglich wirtschaften wollen.

HSG fördert ethisches Denken

Natürlich könnte man der HSG auch mit weniger Vorurteilen begegnen. Und so korrigieren Julia Hunziker und Gian-Luca Menn, beides Studenten der Internationalen Beziehungen, auch sogleich: «Nachhaltigkeit und Ethik werden heute an mehreren Instituten der Universität gefördert. Die HSG hat sogar eine Vorreiterrolle in diesem Bereich.»

So ist es nicht erstaunlich, dass am Rosenberg vor drei Jahren eine studentische Beratungsfirma gegründet wurde, die ausschliesslich Firmen berät, die sich der nachhaltigen Zukunft verschreiben. Zu Beginn hiess das Projekt «oikos consulting» – seit letztem September ist «Student Impact» als eigenständiger Verein bei der HSG akkreditiert.

Der Nachhaltigkeit verpflichtet

Sein Betätigungsfeld nennt sich auf HSG-Englisch das «Consulting for Sustainable Ideas» – übersetzt: eine Unternehmensberatung für nachhaltige Ideen. «Unsere Kunden können oder wollen sich kein klassisches Consulting leisten. Deshalb passen wir oft auch besser zu ihnen als etablierte Berater, die standardmässig vorgehen», sagt die 22jährige Julia Hunziker, die für Kommunikation verantwortlich ist. Die Mitarbeit im Verein wird auch Teil der universitären Ausbildung, erklärt der gleichaltrige Vizepräsident Gian-Luca Menn. «Wir können dabei Erfahrungen sammeln und die trockenen Theorien der Vorlesungen praktisch anwenden.» Jene Beraterinnen und Berater, die schon länger dabei sind, unterstützen die Neulinge, alle studieren noch.

Rund 50 Leute arbeiten mit, parallel sind immer neun Teams à fünf Studenten im Einsatz. Das begrenzt auch die Zahl der möglichen Aufträge: «Wir haben uns entschieden, nicht grösser zu werden», sagt Julia Hunziker. Töne, die man sich aus der Wirtschaft wenig gewohnt ist. Ungewohnt ist auch das folgende Prinzip: Es ist die Consulting-Firma, die sich die Kunden aussucht, und nicht umgekehrt. «Wir nehmen nur Aufträge von Start-Ups oder KMU an, die unsere Kriterien an die Nachhaltigkeit erfüllen», sagt Gian-Luca Menn. Die Studenten leisten sich den Luxus, Anfragen abzulehnen. Weil die Beraterinnen und Berater ehrenamtlich arbeiten und die Einnahmen ausschliesslich in den Verein fliessen, geht das auch.

Bruchteil der üblichen Tarife

«Unsere Beratungen kosten einen Bruchteil der üblichen Tarife», erklärt Julia Hunziker. Für 1500 Franken bekommt eine Firma ein Semester lang eine umfassende Unterstützung. Die Studierenden durchleuchten Finanzierungsmodelle, Markteinführungsstrategie und Marketingkonzepte. Manchmal sei am Anfang nicht mehr da als eine vage Idee, ohne Vorstellung, wie diese Erfolg haben könne. Beispielsweise beim Projekt jenes Kunden, der sich beruflich umorientieren wollte. «Er wusste nur, dass er ein soziales Unternehmen gründen wollte, das Randständige bei der beruflichen Integration unterstützt», sagt Vizepräsident Gian-Luca Menn. Ein weiterer Kunde möchte mit elektrisch angetriebenen Kehrichtfahrzeugen die weniger ökologischen Diesel-Lastwagen ersetzen. Er braucht Unterstützung für seinen Markteintritt. Gemeinsam spinnen die Berater Ideen und Strategien, wenden an, was sie kurz zuvor im Studium gelernt haben. Woche für Woche präsentieren sie den Kunden das Ergebnis, gleichen es mit seinen Erwartungen und Wünschen ab. Erfahrenere Coaches – Studenten im Masterstudium – sorgen dafür, dass dabei keine Fehler passieren.

Ins Privatleben einbinden

Der Einsatz prägt die Studierenden auch persönlich. «Nachhaltigkeit ist etwas, was man auch selber im Privatleben durchziehen muss», sagt Julia Hunziker. Sie konsumiere kaum Fleisch, achte auf regionale Produkte, nutze den öffentlichen Verkehr. Die Wirtschaft könne nur weiterbestehen, wenn sie umdenke, sagt sie. Was aber nicht heisse, dass man den Fortschritt einfach rückgängig machen könne. Und Gian-Luca Menn kann sich plötzlich vorstellen, seine Karriere nach dem Studium in einem Beratungsunternehmen zu starten – was er vor seinem Einsatz bei «Student Impact» nie gedacht hätte.

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