Das Chaos zum Schluss

Am Samstag hat in der Kellerbühne das neue Stück der St. Galler Bühne Premiere. Es handelt von Schwiegermüttern, von ehelichen Spannungen und perfektem Durcheinander.

Nina Rudnicki
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Die St. Galler Bühne bei den Proben für das neue Stück «Da waren's plötzlich neun». (Bild: Ralph Ribi)

Die St. Galler Bühne bei den Proben für das neue Stück «Da waren's plötzlich neun». (Bild: Ralph Ribi)

Was passiert, wenn ein Ehepaar im idyllischen einsamen Chalet Ruhe und Inspiration sucht? Erst taucht die tyrannische Schwiegermutter mit ihrem leicht senilen Mann auf und treibt alle in den Wahnsinn. Dann wandert zufällig ein ehemaliger Liebhaber am Haus vorbei und steht fortan zwischen Gatte und Gattin. Und auch der Zügelmann bringt statt der Möbel nur Unheil: Er bricht sich den Fuss. Wenn dann Hochwasser das Chalet von der Aussenwelt abschneidet, ist das Chaos perfekt. Am Ende sind es neun Leute, die darin ausharren und sich gehörig auf die Nerven gehen.

Premiere ist am Samstag

Die wichtigsten und zugleich schwierigsten Szenen des Stücks finden sich für Regisseur Alex Adamantidis denn auch im letzten Teil der Komödie «Da waren's plötzlich neun». Es ist Dienstagabend und Spielprobe der St. Galler Bühne. Die Premiere findet am Samstag in der Kellerbühne statt. Bis dahin muss alles sitzen. Adamantidis notiert sich Fehler, gibt Anweisungen und bespricht mit den Schauspielern, an welchen Dialogen noch gefeilt werden muss.

Auf den Leibe geschrieben

«Weniger mit den Blumen rascheln, sonst versteht das Publikum die Schauspieler nicht», sagte Adamantidis. «Bitte nicht <ähm> sagen. Und denkt daran: Laut reden, die Vorhänge verschlucken alles.» Die Regienotizen ziehen sich über drei Seiten. In diesem Jahr ist Adamantidis zwar Regisseur, doch fix gesetzt sind die Aufgaben beim Amateurtheater nicht. Den Verein der St. Galler Bühne gibt es seit bald hundert Jahren. Zur Regel gehört, dass jedes der 40 Mitglieder in jedem Jahr eine andere Funktion auf oder hinter der Bühne übernehmen kann. In der Adventszeit wird jeweils ein Märchen aufgeführt, im April kommt die Frühjahrsproduktion hinzu.

Bisher hat Adamantidis vor allem geschauspielert. Jetzt inszeniert er eben die neuste Komödie. «<Da waren's plötzlich neun> ist der Hammer», sagt er. «Die Rollen habe ich den Schauspielern auf den Leib geschrieben und die Witze <verjüngt>.» Ursprünglich wurde das Stück von Philip King und Anthony Armstrong 1957 mit dem Originaltitel «Here we come gathering» veröffentlicht. Vom Schauplatz in England hat es Adamantidis kurzerhand in die Schweizer Berge verlegt und dem Paar den Namen Vögeli verpasst.

Proben bis zur Verbeugung

Fast zwei Stunden dauert die Probeaufführung am Dienstagabend. Adamantidis hat die Zeit gestoppt. «30 Minuten der erste, 35 Minuten der zweite und 45 Minuten der dritte Akt», sagt er. Eine Schauspielerinnen scherzt daraufhin: «Damit er kürzer wird, sprechen wir im dritten Akt einfach doppelt so schnell.»

Es ist bald 23 Uhr. Das Team wirkt mittlerweile etwas müde, aber immer noch voll motiviert. Ein bisschen hapert es zwar noch am Schluss: Für die Verbeugungen etwa braucht das Ensemble zu lange. «Das müssen wir wiederholen», sagt Adamantidis und klatscht in die Hände. Dreimal rennen alle auf die Bühne bis die Reihenfolge, das Timing und das Verneigen klappt. Der Vorhang schliesst sich.

Während sich die Schaupieler umziehen, geht Adamantidis seine Notizen durch. «Ein paar Details werden wir nochmals proben müssen, aber dann ist es bei der Premiere perfekt.»

«Da waren's plötzlich neun» Premiere: 12.4., 20.00, Kellerbühne. Aufführungen: 15., 16., 17., 19., 23., 24., 25. und 26. April, immer 20.00, Kellerbühne. www.st-galler-buehne.ch

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