Das Büsi würdig verabschieden

Für viele Haustierbesitzer ist der Gedanke unerträglich, dass ihr Liebling nach dem Tod wie ein Stück Abfall in der Tierkadaversammelstelle entsorgt wird. Kremationen sind daher im Trend, vor allem bei Hunde- und Katzenhaltern.

Corinne Allenspach
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In der Schweiz leben rund 1,4 Millionen Katzen. Viele sind ein Familienmitglied und werden von ihren Haltern als Persönlichkeit wahrgenommen. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

In der Schweiz leben rund 1,4 Millionen Katzen. Viele sind ein Familienmitglied und werden von ihren Haltern als Persönlichkeit wahrgenommen. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

Der Vorschlag der Tierärztin kam gerade richtig. Und etwas überraschend. Zwar wusste die Wittenbacher Familie, dass Haustiere nach dem Einschläfern kremiert werden können. Aber dass man die Asche in einem schönen Gefäss wieder zurückerhält, mit einer Masche liebevoll eingepackt, war neu für sie. «Wir fanden das uh schön», sagt die Mutter. «So richtig würdevoll.» Daheim konnte die Familie in aller Ruhe Abschied nehmen von ihrem Büsi, das viele Jahre den Familienalltag bereichert hatte.

Vor 20 Jahren noch kein Thema

Kremationen von Hunden und Katzen liegen im Trend, wie Tierarzt Roger Fitzi von der Tierarztpraxis Stadt St. Gallen-West in Bruggen sagt. Als er und seine Frau Julika 1994 ihre Praxis eröffneten – damals am Abtwiler Sonnenberg – sei das noch kein Thema gewesen. «Wenn wir vor 20 Jahren eine Kremation vorschlugen, sagten die meisten <nein, was soll denn das>.» Heute wünsche die Mehrheit der Hundehalter, die ihr Tier bei ihnen einschläfern lassen, eine Kremation. «Ich schätze, es sind etwa 70 Prozent», sagt Roger Fitzi. Bei Katzen etwas weniger.

Abschied etwas kosten lassen

Auch Andrea Burkhart, Tierärztin in der Praxis am Tannenberg, stellt fest, dass Tierkremationen seit einigen Jahren immer häufiger werden. Das hat viel mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun. Ein Hund ist heute nicht mehr in erster Linie dazu da, um das Haus zu bewachen, und eine Katze nicht, um Mäuse zu fangen. «Für viele Leute ist das Tier ein Familienmitglied, zum Teil auch ein Kinderersatz», sagt Andrea Burkhart. Da sei man auch gerne bereit, für einen würdevollen Abschied zu bezahlen. «Das Tier ist einem auch im Tod noch etwas wert.»

Eine Beobachtung, die auch Henriette Josseck, Tierärztin in Mörschwil, macht. «Vor allem Familien mit Kindern, die sehr am Tier gehangen haben und eine Erinnerung möchten, wählen die Kremation.» Als kostengünstigere Alternative bietet Henriette Josseck den Tierhaltern an, einige Haare abzuschneiden und diese als Souvenir zu behalten.

Nicht alle haben Verständnis

Nicht alle Leute haben Verständnis, wenn der Tod von Haustieren derart zelebriert wird. Viele verurteilen das. Roger Fitzi räumt ein, dass Kremation vermutlich eine «Luxusdienstleistung» sei. Eine Einzelkremation einer Katze kostet um die 170 Franken. Hinzu kommen die Kosten für Transport und Urne. Die Tierärzte wissen aber auch, dass viele Leute Mühe haben, wenn ihr Tier wie Abfall in der Tierkadaversammelstelle entsorgt wird. «Ich selber könnte das mit meinen eigenen Hunden und Katzen auch nicht», sagt Fitzi.

Jeder Tierarzt arbeitet mit einem Tierkrematorium zusammen. Bei der Tierarztpraxis am Tannenberg beispielsweise ist es das Dicentra in Rüti ZH, das vor fünf Jahren eröffnet wurde und laut Sachbearbeiterin Sibylle Egloff eines von sieben Tierkrematorien der Schweiz ist. Seit der Eröffnung des Dicentra steige die Zahl der Kremationen kontinuierlich. 2014 habe man rund 3500 Tiere kremiert – etwa 70 pro Woche –, vor allem Hunde und Katzen. Sibylle Egloff: «Früher wurde man komisch angeschaut, wenn man sagte, man lasse sein Tier kremieren. Heute ist es eher umgekehrt.» Etwa zwei Drittel der Kremationen seien Einzelkremationen. Denn, so Egloff: «Die Leute wollen die Asche wieder mit nach Hause nehmen.»

Ruhestätte unter Katzenminze

Die Wittenbacher Familie hatte für ihr Büsi liebevoll eine Gedenkstätte eingerichtet. In einem Korb mit Stofftier, Kerze, Karten, Lieblingsmaus und Holztrückli mit der Asche drin. Drei Monate stand der Korb in der Stube. «Die Zeit hat's gebraucht», sagt die Mutter. Seit kurzem ruht das Büsi im Garten, dort, wo es zu Lebzeiten am liebsten gelegen hat. Unter der Katzenminze.

Die Wittenbacher Familie richtete für ihr kremiertes Büsi eine Gedenkstätte ein, bevor das Asche-Trückli im Garten beigesetzt wurde. (Bild: pd)

Die Wittenbacher Familie richtete für ihr kremiertes Büsi eine Gedenkstätte ein, bevor das Asche-Trückli im Garten beigesetzt wurde. (Bild: pd)