Das Bauprojekt kommt erst am Schluss

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Prozess Beim dritten Anlauf soll Vieles anders werden. Und besser, glaubt man den Verantwortlichen. Im bevorstehenden Prozess hin zur Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt ist eine grundlegende Änderung vorgesehen. Im Gegensatz zu den gescheiterten Vorhaben 2011 und 2015 soll nun nicht mehr ein fertiges Bauprojekt zur Abstimmung kommen, sondern lediglich das Resultat eines anonymen Ideenwettbewerbs. Mit diesem Vorgehen wolle man sicher stellen, dass die Planung nicht ins Leere laufe, sagte Baudirektorin Maria Pappa am Donnerstag vor den Medien.

285000 Franken für den Ideenwettbewerb

Bevor es aber überhaupt so weit ist, hat der Stadtrat nun einen Kredit in der Höhe von 285000 Franken für die Durchführung des Ideenwettbewerbs gesprochen. Die Summe liegt gerademal 15000 Franken unter der Schwelle, ab der das Parlament über die Gelder entscheidet. «Wir haben den Kredit aber nicht absichtlich so veranschlagt», sagt Pappa. Angst vor fehlendem Rückhalt im Parlament habe sie nicht. «Wir haben die Ratsmitglieder immer frühzeitig abgeholt.»

Bis Ende nächstes Jahr steht fest, wie die Vision des neuen Marktplatzes genau aussehen soll. Bereits zu diesem Zeitpunkt wird ein Rahmenkredit beantragt, über den dann das Parlament – und gegebenenfalls auch das Stimmvolk entscheidet. Wie hoch dieser Rahmenkredit ausfallen wird, steht noch in den Sternen. «Das wissen wir erst, wenn wir die Resultate des Ideenwettbewerbs ausgewertet haben», sagt Stadtplaner Florian Kessler. Man könne aber auch mit wenig Geld planerisch viel bewirken. «Die teuerste Lösung ist nicht unbedingt auch die beste.» Bleibt die Frage, wie der Rahmenkredit für Projektierungs- und Ausführungskosten bemessen werden soll, wenn zur Zeit der Vorlage noch kein Bauprojekt vorliegt. «Die Kostengenauigkeit nimmt bei diesem Vorgehen natürlich ab. Dafür ist es weniger risikobehaftet.»

2019 fällt Entscheid zum Rahmenkredit

2019 entscheidet das Stadtparlament über den Rahmenkredit. Ist dieser höher als 15 Millionen Franken oder wird wie bei der zweiten Marktplatz-Abstimmung im Frühjahr 2015 das fakultative Referendum ergriffen, hat die Stadtsanktgaller Stimmbevölkerung das letzte Wort. Es wäre das dritte Mal innert acht Jahren, dass eine Volksabstimmung zum Marktplatz stattfindet. Erst danach wird mit der Projektierung begonnen, die voraussichtlich bis Ende 2020 dauern dürfte. Geht alles schlank durch, wäre der Start der ersten Bauetappe auf Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt bereits 2021 möglich. «Das ist das bestmögliche Szenario und bedingt, dass alle vorhergehenden Schritte reibungslos über die Bühne gehen», sagt Kessler.

Der gestrigen Präsentation der Pläne für Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt ist ein partizipativer Prozess unter dem Titel «Forum Marktplatz» vorausgegangen. Nach einer Infoveranstaltung im Dezember 2016 trafen sich im Januar und April diesen Jahres Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Anspruchsgruppen an zwei Foren. Die diversen Bedürfnisse – vom Gewerbe über Verkehrsverbände bis hin zu Grundeigentümern und politischen Parteien – wurden dann zusammengetragen und dienen nun als Basis für das weitere Vorgehen an St. Gallens Hauptplatz.

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

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