Das Ausland im Kornhaus

Zwischen chinesischem Gemüse und Arabischem Frühling: Das achte «Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender» im Kornhaus zeigt Kunst, inspiriert aus aller Welt.

Valentin Schneeberger
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Die Künstlerin Anastasia Katsidis vor ihrem Mausoleum, das sie an die Zeit in Kairo erinnert. (Bild: Valentin Schneeberger)

Die Künstlerin Anastasia Katsidis vor ihrem Mausoleum, das sie an die Zeit in Kairo erinnert. (Bild: Valentin Schneeberger)

RORSCHACH. Der Blick aus dem Fenster des Rorschacher Kornhauses eröffnet die Sicht auf das Südchinesische Meer, auf den Hafen von Barcelona und den Atlantik vor New York. Der Bodensee bleibt hinter der Leinwand versteckt, auf welche die Videoaufnahmen projiziert werden.

Ab Samstag steht diese ungewöhnliche Aussicht allen offen. Dann beginnt das achte «Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender» des Vereins Kulturfrühling Rorschach.

Ein eigenes Mausoleum

Unter dem Titel «Im Innenraum ist das Ausland» zeigen die St. Galler Künstlerinnen Anastasia Katsidis und Jiajia Zhang im Kornhaus verschiedene Installationen zum Thema Entwurzelung und Migration. «Es geht um das Leben zwischen verschiedenen Kulturen», sagt Anastasia Katsidis. Die bildende Künstlerin mit griechischen Wurzeln zeigt unter anderem eine dreidimensionale Arbeit mit dem Titel «Mausoleum».

Die Inspiration dafür stammt aus ihren Erinnerungen an Kairo, wo sie gelebt und gearbeitet hat. Während dieser Zeit hat sie den Arabischen Frühling hautnah miterlebt. «Die Hoffnung auf ein besseres Leben war überall spürbar. Das hat mich sehr beeindruckt», sagt sie. Ihr Mausoleum erzähle vom Ausdruck dieser kollektiven Hoffnung.

Kürbis aus der Kindheit

Die Videoinstallation mit den Aufnahmen aus China, Barcelona und New York stammt von Jiajia Zhang. Sie zeigt das Meer, wie sie es auf Reisen in diesem Jahr mit dem Handy aufgenommen hat. Parallel zur Videoinstallation hat sie im Kornhaus eine echte Wassermelone vom Markt und eine Wintermelone aus Styropor aufstellen lassen. Die Wintermelone steht für ihre Kindheitserinnerungen an China, wo das Kürbisgewächs zu den beliebtesten Gemüsearten zählt.

Werkbeitrag vom Kanton

Anastasia Katsidis und Jiajia Zhang arbeiten nicht das erste Mal zusammen. Sie kennen sich bereits aus der Kunstgiesserei St. Gallen, wo Jiajia Zhang seit 2009 als Assistentin von Felix Lehner arbeitet. Die ausgebildete Architektin ist 1981 in China geboren und lebt seit ihrem sechsten Lebensjahr in der Schweiz. Zurzeit weilt sie in New York, wo sie sechs Monate in einem Gemeinschaftsatelier verbringt. Anastasia Katsidis ist 1974 in Widnau geboren, lebt und arbeitet in Luzern, Zürich und Kairo. Beide haben in diesem Jahr vom Kanton St. Gallen einen Werkbeitrag erhalten.

Die Initianten, Elisabeth und Thomas Krucker, freuen sich, dass sie die zwei Künstlerinnen für ihre Ausstellung gewinnen konnten. «Auch die Kunst hat zum Thema Migration einiges zu sagen», sagt Elisabeth Krucker.

Eröffnung: Samstag, 31. August, 11 Uhr; Matinee: Samstag, 7. September, 11 Uhr; Finissage: Sonntag, 15. September, 11 bis 18.30 Uhr