Das andere Saturday Night Fever

Jugendliche aus dem Westen der Stadt treffen sich jeweils am Samstagabend in der Turnhalle Schönau zu Spiel, Spass und Sport. Midnight Sports heisst der Anlass, der Oberstufen-Schülern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bietet.

Fredi Kurth
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Einer flog über den Hallenboden: Waghalsige Sprünge auf dem Trampolin sind in der Schönau-Turnhalle zu bestaunen. (Bild: Michel Canonica)

Einer flog über den Hallenboden: Waghalsige Sprünge auf dem Trampolin sind in der Schönau-Turnhalle zu bestaunen. (Bild: Michel Canonica)

Was, so viele! Der Blick in die Turnhalle ist frappant. Hinten wird Fussball gespielt. Andere üben sich in Tischtennis oder drehen an den Stangen des Töggelikastens. Eine dritte Gruppe wirft den Ball Richtung Basketballkorb. Wiederum andere machen am Trampolin waghalsig anmutende Sprünge. Mehr als 40 Jugendliche dürften es sein, deren Puls bei Sport und Spiel hoher schlägt. Dazu passt der Rhythmus der Disco-Musik.

Keine Schulstunde

Alles wirkt locker, weit entfernt von militärischem Drill, der vor langer Zeit die Turnstunden beherrschte. «Das muss so sein», sagt Slavko Dulic, der Projektleiter von Midnight Sports St. Gallen West. «Wir wollen auch keine Schulstunde bieten. Die Jugendlichen sind eingeladen, unser Angebot zu nutzen, sie können aber kommen und gehen, wann sie wollen.» Eine einzige Regel gilt an allen Abenden: Respekt. Respekt gegenüber sich selbst, den anderen Teilnehmern, dem Team und dem Material.

Auf den zweiten Blick erkennt man, dass alles seine Ordnung hat. Zwei Senior- und sechs Junior-Coachs im Alter der Teilnehmer haben den Überblick, machen selber mit. «Nicht kicken!», ruft Dulic, als einer die Basketball-Kugel mit den Füssen tritt. Oder er beruhigt die jungen Gemüter, als beim Trampolin Uneinigkeit herrscht. Aber irgendwelche Form von Gewalt habe es an den ersten sieben Abenden nicht gegeben, sagt Dulic, der in der Offenen Jugendarbeit tätig ist und sich Erlebnispädagoge nennt.

Multikulturelle Mischung

Die Teilnehmer, zwei Drittel Knaben, ein Drittel Mädchen, stammen aus dem Westen der Stadt: eine multikulturelle Mischung im Alter von 13 bis 16 Jahren, die am Samstagabend nicht unbedingt schon in den Ausgang drängt und dennoch ein spezielles Saturday Night Fever sucht. Wenn um 20 Uhr die Hallentür öffnet, stürmen auf einen Schlag zwei Dutzend Sportbegeisterte herein.

Der Begriff Midnight Sports ist insofern etwas verfänglich, als der Abend bereits um 23 Uhr endet. Er stammt noch von einem ersten Versuch bis 2008, als man anfänglich erst um 22 Uhr begann, was sich aber nicht als ideal erwies. Jetzt gehen die ersten um diese Zeit bereits wieder nach Hause.

Diesmal leert sich die Halle um die Hälfte, weil einige in der zweiten Turnhalle mehr Platz für Fussball benötigen. Ein paar Mädchen sitzen derweil in der Ecke und drücken auf die Knöpfe ihrer Handys und Smartphones. Einfach verweilen oder eine Pause machen ist auch möglich. An einem Tisch werden Getreideriegel und Mineralwasser mit Geschmack verkauft. Alkohol ist tabu.

«Tschau Slavi.» Drei Teilnehmer verabschieden bei Slavko Dulic mit Händedruck. Das sei nicht nötig, sagt er, aber bezeichnend. Zwei bis sechs Jugendliche würden am Schluss immer freiwillig bleiben, um aufzuräumen.

Zufrieden mit dem Start

Mit dem bisherigen Verlauf von Midnight Sports, zweiter Versuch, sind die Organisatoren zufrieden. Coachs zu finden, fiel ihnen sogar leicht. Insgesamt sind es 15 Junior- und 4 Senior-Coachs. So reicht es, wenn sie jedes zweite Mal erscheinen. Sie erhalten ein Sackgeld und eine Arbeitsbestätigung.

Eine Erfolgsgarantie ist der Start noch nicht. Beim ersten Anlauf kamen zu Beginn bis zu 60 Teilnehmer, ehe nach wenigen Jahren das Interesse auf ein halbes Dutzend pro Abend schrumpfte. Dulic spricht nun weiterhin von einem Versuch, der bis 16. Februar dauert. Die Idee sei schon, das Projekt regelmässig in den Wintermonaten zu plazieren. Dazu können junge Springinsfeld mit regem Besuch beitragen. Auch am 22. Dezember, wenn ein sportlicher Parcours geplant ist.

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