Das Amtshaus wird ein Minispital

Rettungsdienst, Polizei, Stiftung Suchthilfe – zu ihrem Job gehört, auf die Auswüchse eines gigantischen Volksfestes vorbereitet zu sein. Andere propagieren den alkoholfreien Musikgenuss.

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Ausgerechnet in einem Biergarten wird sie stehen, die «Cool Bar» der Kiwanis-Stiftung. Der blauweisse Wagen, aus dem nur alkoholfreie Getränke fliessen, ist eine private Initiative für die Alkoholprävention und wird am Musikfest auf dem Bahnhofplatz beim Hotel Metropol stehen.

Die Stiftung Suchthilfe, offizieller Partner des Musikfest-OK, wird ebenfalls mit einer mobilen, alkoholfreien Bar präsent sein: Nördlich der Tonhalle, an der Achse Zentrum–Spelterini–Olma, gibt es laut Projektleiter Michael Heuberger «feine alkoholfreie Drinks», Spiele, Preise sowie Beratung und Unterstützung in Alkohol- und Drogenfragen. Die Stiftung Suchthilfe war auch an der Schulung der Standbetreiber beteiligt. «Wir haben Ratschläge im Umgang mit dem Jugendschutz und mit alkoholisierten Erwachsenen gegeben», sagt der Projektleiter. Zum Beispiel, wie man einen stark Betrunkenen freundlich, aber bestimmt darauf hinweisen könne, dass man ihm nichts mehr ausschenke.

40 bis 50 Sanitäter am Tag

Der Rettungsdienst des Kantonsspitals, der alle Sanitätsfragen des Musikfests koordiniert, hat sich minutiös auf das Grossereignis vorbereitet. In allen drei Festzonen – Altstadt, Spelterini und Olma – wird es je einen Sanitätsposten geben. «Am besten ausgestattet ist jener im Amtshaus mit Liegestellen für bis zu zehn Patienten – ein Minispital sozusagen», sagt Günter Bildstein, Leiter des Rettungsdienstes. Beim Spelteriniplatz behandeln die Samariter in einem Fahrzeug, und auf dem Olma-Gelände kümmert sich das Militär um medizinische Notfälle.

Eines der wichtigsten Ziele sei, in den Sanitätsposten auf dem Festgelände möglichst alle kleineren Vorkommnisse bewältigen zu können, damit die Notfallstation im Kantonsspital jederzeit genug Kapazitäten habe für schwerere Fälle, sagt Bildstein. Täglich seien während des Musikfests zwischen 40 und 50 Sanitäter im Einsatz. Für den Rettungsdienst sei das Musikfest vom Aufwand her wie «St. Galler Fest plus Olma plus noch ein Anlass». Wobei der Alkohol nicht das Problem Nummer eins werden dürfte, sagt Bildstein. Aufgrund des höheren Durchschnittsalters der Gäste rechnet er – wiederum je nach Temperaturen – mit Krankheitssymptomen von «Menschen, die bereits Medikamente einnehmen». Flüssigkeitsmangel, Stolpern und Stürze sowie Blasen bei den marschierenden Musikanten dürften ebenfalls häufiger vorkommen.

Feriensperre bei der Stadtpolizei

Benjamin Lütolf, Medienbeauftragter der Stadtpolizei, macht sich keine Illusionen: «Da wird getrunken, egal wie das Wetter wird.» Die Stadtpolizei werde zwar Alkoholtestkäufe von Jugendlichen tätigen lassen, sei aber im übrigen primär für «Sicherheit, Ruhe und Ordnung» zuständig. Für den ganzen Juni herrscht deshalb bei der Polizei allgemeine Ferien- und Überzeitsperre. «Wir brauchen jeden einzelnen.» (oh)

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