Darf der Hund mit ins Altersheim?

ST.GALLEN. Seit Dezember 2013 gibt es im Kanton St. Gallen eine Ombudsstelle für Alter und Behinderung. Die Nachfrage ist gross: Bisher gab es 400 Anfragen, für 30 Fälle wurden Dossiers eröffnet. Bei den Beratungen geht es oft um das Thema Selbstbestimmung.

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Das Leben im Altersheim und die damit verbundenen Regeln, beispielsweise zu Haustieren, sind immer wieder Thema bei der Ombudsstelle. (Bild: Susann Basler/Archiv)

Das Leben im Altersheim und die damit verbundenen Regeln, beispielsweise zu Haustieren, sind immer wieder Thema bei der Ombudsstelle. (Bild: Susann Basler/Archiv)

"Es gibt nun eine Ansprechperson, die von aussen kommt, ohne den Rucksack einer vielleicht jahrelangen Beziehung und die schlicht neutral ist." So beschreibt Susanne Vincenz-Stauffacher die Vorteile eines Angebots, das es im Kanton St.Gallen seit Dezember 2013 gibt und das sie leitet: Die Ombudsstelle für Alter und Behinderung.

Seit dem Start trafen 400 Anfragen ein. Daraus entwickelten sich 30 Fälle, für die jeweils ein Dossier geöffnet wurde und die unter Umstände mehrere Gespräche oder auch Besuche notwendig machten, erklärte die Ombudsfrau der Nachrichtenagentur sda.

Fragen der Selbstbestimmung
Am Telefon melden sich Seniorinnen und Senioren, Behinderte, Angehörige - und ab und zu auch eine Institution. Letztere beispielsweise bei Konflikten mit Angehörigen, bei denen die Leitung froh war, eine neutrale Stelle einbeziehen zu können.

Durch die Beratungen zieht sich wie ein roter Faden die Frage nach der Selbst- oder Mitbestimmung: Was darf man im Altersheim? Wie weit geht die Pflege? Muss man wirklich schon so früh essen gehen, wie es die Abläufe in der Institution verlangen? Oder: Gibt es keine qualifiziertere Arbeit, als sie das Behindertenheim anbietet?

Alltagsprobleme sind allgegenwärtig
Dabei sind immer wieder Fälle, die scheinbar Alltagsprobleme betreffen, die für das Befinden aber entscheidend sind. Susanne Vincenz-Stauffacher nennt als Beispiel dafür die Frage: Darf der Hund mit ins Altersheim oder nicht?

Nach verschiedenen Gesprächen sei in einem Fall ausgehandelt worden, dass der Hund im Heim leben darf. "Aber dann war er nicht stubenrein", schilderte die Ombudsfrau. Also musste eine neue Lösung gefunden werden: Sie sieht nun vor, dass eine aussenstehende Person das Tier täglich im Heim vorbei bringt.

Nicht alle Probleme sind lösbar
Sie habe auch schon erlebt, dass sie mit den Möglichkeiten einer Ombudsstelle an Grenzen gestossen sei. Etwa bei einem Konflikt, bei dem es um die Frage nach Nähe und Distanz zwischen einem erwachsenen Behinderten und dem Heimpersonal ging. Die Institution habe auf einem professionellen Umgang bestanden, den die Angehörigen als lieblos empfunden hätten. Als Konsequenz daraus kam es schliesslich zu einer Umplatzierung in ein anderes Heim.

Der Eindruck, den die Institutionen hinterlassen, sei aber gut, sagte Susanne Vincenz-Stauffacher. Es gebe Bemühungen, den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohnern trotz festgelegter Abläufe entgegenzukommen. Eigentliche Missstände seien bisher keine aufgetaucht.

Rund eineinhalb Jahre nach dem Start scheint sich nun die Zahl der Anfragen auf das erwartete Niveau einzupendeln. Das sei auch eine Folge der vielen Informationsanlässe, an denen sie letztes Jahr teilgenommen habe, erklärte Susanne Vincenz-Stauffacher. Nach dem Start habe es immer wieder Anfragen gegeben, für die die Stelle nicht zuständig war. (sda)