Dank Briefmarken um die Welt

RORSCHACHERBERG. Englands Queen weckte ihr Interesse an Briefmarken. Darauf wagte sich Bernadette Landolt in die Männerdomäne des Briefmarkensammelns und stellte eine bedeutende Japan-Sammlung zusammen. Sie war 39 Jahre im Vorstand des nun aufgelösten Rorschacher Philatelistenvereins.

Corina Tobler
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So kennen sie die Philatelisten: Bernadette Landolt zu Hause, das berühmte «Basler Tüübli» in der Hand. (Bild: Corina Tobler)

So kennen sie die Philatelisten: Bernadette Landolt zu Hause, das berühmte «Basler Tüübli» in der Hand. (Bild: Corina Tobler)

Bernadette Landolt ist Sammlerin aus Leidenschaft. Von Kindesbeinen an. «Als Mädchen schleppte ich tote Vögel und Regenwürmer nach Hause», erzählt die 81-Jährige in breitem Basler Dialekt. Den hat sie, obwohl sie seit 1969 in Rorschacherberg wohnt, bis heute nicht abgelegt. Auch die Freude am Sammeln ist ungebrochen. Weit herum einen Namen gemacht hat sich Bernadette Landolt als Pionierin in der Männerwelt der Philatelisten.

Krönungs-Marken gekauft

Angefangen hat alles anno 1953. «Ich wollte meine Sprachkenntnisse verbessern und arbeitete in Bournemouth in England bei einer Familie als Au-Pair, daneben besuchte ich die Schule. Als im März Queen Elizabeth II. gekrönt wurde, war der Rummel riesig», sagt Landolt. Anlässlich der Krönung wurden neue Briefmarken gedruckt. «Schöne Marken, die ich mir allesamt kaufte.» Während die Queen ihre Arbeit aufnahm, tat es die junge Schweizerin ihr gleich und suchte sich Arbeit als KV-Angestellte. Die Briefmarken legte sie aus Zeitmangel beiseite und arbeitete sich bei der Papierfirma Elco zur Direktionssekretärin hoch.

Dann traf sie ihren Mann Hans Landolt, durch den sie in die Ostschweiz und definitiv zu den Briefmarken kam. «Eines Tages sagte er mir, er gehe nach Deutschland an eine Briefmarken-Auktion. Ich reagierte überrascht und sagte, ich hätte auch Marken und zeigte ihm meine. Er hatte nur ein mitleidiges Lächeln dafür übrig», sagt die aufgeweckte Seniorin und lacht bei der Erinnerung.

In Japan ausgestellt

Ihr Mann führte sie in die Philatelie ein – und Bernadette Landolts Ehrgeiz erwachte. «Eine Pro-Juventute-Sammlung war mir zu bünzlig, ich wollte etwas Besonderes.» An einem Kurs über die japanische Blumenkunst Ikebana zeigte ein Professor japanische Briefmarken mit den zwölf Monatsblumen als Sujets. «Ich war fasziniert, und sagte meinem Mann, ich wolle mich auf Japan spezialisieren. Er reagierte mit einem <Spinnst du?>, die mit uns bekannte Briefmarken-Händlerin Charlotte Hassel hingegen war begeistert. Zwanzig Tage später hielt ich mein erstes Album mit japanischen Marken in der Hand», erzählt Bernadette Landolt. Sie verstand zwar anfangs weder die Abbildungen fremder Dörfer noch die japanischen Schriftzeichen. Aber: «Philatelie ist eben weit mehr als nur farbige Bildli zusammenzutragen. Die Briefmarken waren mein Weg in die Geschichte und Kultur Japans.»

Höchsten Preis gewonnen

So baute sich Bernadette Landolt, finanziell von ihrem Mann unterstützt, über die Jahre eine Sammlung auf, die sie 1972 an einer internationalen Ausstellung in Japan zeigen durfte. Auf diese erste Reise nach Japan folgten weitere, die aber kulturell statt philatelistisch motiviert waren. «Man sagt, jeder Japaner sammle Marken. Das und die Tatsache, dass es sehr schwierig ist, für eine komplette, ausgestellte Sammlung Ergänzungen zu finden, führte dazu, dass ich auf den Reisen nicht die Briefmarken, sondern das Land im Kopf hatte», begründet Landolt.

In Europa machte sie sich nicht nur mit der Japan-Sammlung einen Namen, sondern auch mit der Altschweiz-Sammlung ihres Mannes. Sie besteht aus Erstprägungen alter Schweizer Marken. «Ich hatte ihm die Sammlung für die erste Ausstellung aufbereitet und pflegte sie nach seinem Tod 1974 weiter.» Die Sammlung gewann Preis um Preis; 1982 in Vaduz den Grand Prix der Ehrenklasse, die höchste Auszeichnung überhaupt.

Von den Männern akzeptiert

Probleme, sich als einzige Frau in der Männerwelt zurechtzufinden, hatte Bernadette Landolt nie. «In der Direktionsetage der Elco, an meinem Arbeitsplatz, war ich auch allein unter Männern. Und die Philatelisten haben mich akzeptiert. Es war ganz nett so als einzige Frau», sagt sie und lacht verschmitzt. «Die Männer sagen im Scherz bis heute, die Frau Landolt sammle nicht nur Briefmarken, sondern auch Philatelisten. Es ist ein Ausspruch, den Hermann Forster geprägt hat, der in den Siebzigern Präsident des Rorschacher Philatelistenvereins war und mich 1976 in den dortigen Vorstand holte.» Dort blieb sie bis zur Auflösung des Vereins (siehe Zweittext) aktiv und gestaltete die Vereinszeitung. Dass diese Arbeit nun wegfällt, kommt nicht ungelegen. «Ich bin halt doch kein Teenager mehr. Ab und zu schmerzen auch meine Knie», sagt Bernadette Landolt.

Ausgesammelt hat sie deswegen aber noch lange nicht. Sowohl die Altschweiz- als auch die Japan-Sammlung hat sie zwar verkauft. Ihrer Leidenschaft für Dackel folgend – Haustier Filou ist bereits ihr fünfter – hat sie 80 bis 100 Jahre alte Ansichtskarten mit Dackel-Motiven gesammelt. Natürlich ist auch diese Sammlung bereits ausstellungsreif.