Da waren's nur noch zwei

Erst schliesst die «Krone» in Häggenschwil, jetzt auch der «Ochsen» in Lömmenschwil: Für die beiden letzten Dorfbeizen sind keine Nachfolger in Sicht. Bleiben noch zwei Gourmetrestaurants.

Martina Kaiser
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Bis auf weiteres geschlossen: Christian und Ramona Tobler verlassen den «Ochsen» in Lömmenschwil. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bis auf weiteres geschlossen: Christian und Ramona Tobler verlassen den «Ochsen» in Lömmenschwil. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. (Bild: Hanspeter Schiess)

HÄGGENSCHWIL. So haben sie sich das wirklich nicht vorgestellt. Mattrote Wände, niedrige Decken, ein leichter Mief. Am liebsten wären Ramona und Christian Tobler gleich wieder gegangen. Doch sie sind geblieben. Zwei Jahre. Jetzt verlassen die beiden den «Ochsen» Ende August. Nicht wegen der mattroten Wände und der niedrigen Decken. Ganz im Gegenteil: «Diese gut bürgerliche Gemütlichkeit», wie es Christian Tobler ausdrückt, «werden wir echt vermissen.»

Vom «Ochsen» zum «Ochsen»

Vermissen werden sie auch ihre Wohnung über dem Restaurant mit den roten, weiss gepunkteten Vorhängen, überhaupt das Haus im Biedermeierstil, das im 14. Jahrhundert gebaut wurde und das während der vergangenen zwei Jahre ihr Zuhause gewesen ist. Vermissen werden sie auch den Büezer beim Bier, die Wanderer beim Wein oder die Familie beim Festessen. Doch für die beiden 29-Jährigen, die sich im «Ochsen» in Gossau als Koch und Serviceangestellte kennen- und lieben gelernt haben, ist der Zeitpunkt gekommen, dem «Ochsen» in Lömmenschwil Adieu zu sagen. Sie ist schwanger, er will mit ihr und dem Kind in der Nähe seiner Eltern in Roggwil wohnen. Der Zufall will es, dass das Wirtepaar der «Linde» in Roggwil pensioniert wird und das Restaurant verkauft – an Toblers. «Jetzt haben wir etwas Eigenes und wohnen erst noch in der Nähe der Huusbraui meiner Eltern», sagt Christian Tobler.

Das eigene Bier haben sie schon im «Ochsen» ausgeschenkt. «Das war unsere Bedingung, um hier in Lömmenschwil zu wirten», sagt Ramona Tobler. Denn die meisten Restaurants in der Ostschweiz hätten einen Biervertrag mit Schützengarten.

Es sei reiner Zufall gewesen, dass sie auf den «Ochsen» gestossen seien. Geplant war nur ein Ausflug ins Grüne. Dabei sind sie an der Dorfbeiz in Lömmenschwil vorbeigekommen. Und haben das «Geschlossen»-Schild gesehen.

Arbeitsgruppe sucht zwei Wirte

Geschlossen ist der «Ochsen» auch jetzt. Und leer. Die Stühle stehen auf dem Tisch, der Boden ist gebohnert, Kochlöffel und Kochtöpfe sind aus der Küche verschwunden. Nur die Kaffeemaschine funktioniert noch. Wenn auch nur für das Wirtepaar, das seine letzten Sachen aus der Wohnung schleppt und nach Roggwil fährt. Und damit den «Ochsen» endgültig verlässt. Ein Nachfolger ist laut Besitzer Lukas Angehrn nicht in Sicht. Die Suche gestaltet sich schwierig. Insbesondere auch für einen neuen «Kronen»-Wirt in Häggenschwil. Das Restaurant ist seit Anfang Jahr geschlossen. Die Besitzerin, die Rheintal Haus GmbH mit Sitz in St. Margrethen, plant einen Neubau mit Wohnungen neben dem denkmalgeschützten Gebäude. Eine fünfköpfige Arbeitsgruppe um Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring befasst sich derzeit «intensiv mit der Suche um Lösungen für die beiden Restaurants», wie Eisenring betont. Damit es künftig in nächster Nähe mit der «Neuen Blumenau» und dem «Ruggisberg» nicht nur Gourmetrestaurants gibt. «Und damit in Häggenschwil weiter eine Einkehrmöglichkeit im gut bürgerlichen Stil besteht», sagt Hans-Peter Eisenring.

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