COPYRIGHT: Kunstraub im Internet

Gleich zweimal ist ein Bild der Digital-Malerin Katarina Sokolova im Netz gestohlen worden. Ein Dieb hat damit sogar einen Plakatwettbewerb gewonnen. Die 31-Jährige weiss sich gegen solche Plagiate zu wehren.

Roger Berhalter
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Katarina Sokolova am digitalen Zeichenbrett in ihrer St. Galler Wohnung. (Bild: Sabrina Stübi)

Katarina Sokolova am digitalen Zeichenbrett in ihrer St. Galler Wohnung. (Bild: Sabrina Stübi)

Roger Berhalter

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er@tagblatt.ch

Manchmal merkt Katarina Sokolova auf dem Markt, dass sie Opfer eines Kunstraubs geworden ist. So wie vor ein paar Jahren in Moskau, wo die gebürtige Ukrainerin damals lebte. An einem Stand entdeckte sie T-Shirts, die mit einem ihrer Bilder bedruckt waren. Sie hatte das Sujet an ein britisches Magazin verkauft – nun fand sie es an einem russischen Kleiderstand wieder. «Keine ­Ahnung, wie es dorthin gelangt war», sagt die 31-Jährige.

Die Diebe operieren vom Sofa aus

An solche Vorfälle hat sich Sokolova schon fast gewöhnt. Es komme immer wieder vor, dass jemand online versuche, mit ihrer Kunst Geld zu machen. Nicht nur T-Shirts, auch Poster und Karten mit ihren Sujets hat Sokolova schon im Netz entdeckt. Ihre Kunst ist digital: In ihrem St. Galler Atelier zeichnet sie mit dem Stift auf einer berührungsempfindlichen Oberfläche, welche die Bewegungen auf den Computer überträgt. Meist arbeitet sie im Auftrag von Kunden, gestaltet beispielsweise Webseiten oder Banner für Firmen oder demonstriert in Lehrvideos, wie man mit einer Grafiksoftware digital malt.

Es ist eine kreative, aber auch eine aufwendige Arbeit. Bis ein Bild fertig wird, können Wochen vergehen. Viel bequemer ist es hingegen, so ein Bild zu stehlen: Der Dieb muss sich dazu nicht in Sokolovas Wohnung schleichen, sondern kann sich von zu Hause aus per Mausklick bereichern.

Der jüngste digitale Kunstraub klingt besonders dreist: Ein Spanier hat Sokolovas Bild «Beyond Nature» verwendet, um ein Plakat für einen Karneval auf Teneriffa zu gestalten. Er übernahm das Sujet fast unverändert, montierte dazu das Titelbild eines Nintendo-Videospiels sowie ein Auge von einem Filmplakat – und fertig war das Plagiat. Die Jury des Plakatwettbewerbs merkte davon offenbar nichts: Sie kürte den Kunstdieb zum Sieger und zahlte ihm 500 Euro.

Von einem Bekannten hat Sokolova vom Plagiatsfall erfahren, auch spanische Medien haben darüber berichtet. Die vergangenen Tage hat Sokolova vor allem telefoniert und Mails geschrieben. Noch immer weiss sie nicht genau, wer hinter dem Plakatwettbewerb steckt. Immerhin haben die Veranstalter den Wettbewerb inzwischen annulliert und sich öffentlich entschuldigt. «Ich habe gewonnen», sagt Sokolova. Doch wolle sie weiterkämpfen, um vielleicht eine finanzielle Entschädigung zu erwirken. Inzwischen kennt sie sich in Urheberrechtsfragen gut aus und weiss sich zu wehren. «Ich versuche den Überblick zu wahren, wo meine Bilder überall verfügbar sind, aber das ist nicht einfach.»

Mit fremdem geistigem Eigentum nach New York

Im vergangenen Jahr hat die ­Digital-Künstlerin schon einmal erfolgreich Geld erstritten. Ein Australier hatte dasselbe Bild von ihr als sein eigenes ausgegeben. Auch er reichte es für Wettbewerbe ein, auch er bedruckte damit T-Shirts, und er schaffte es sogar auf eine Grossleinwand am New Yorker Times Square. Sofort habe sie sich beim Dieb gemeldet, sagt Sokolova. Ein paar «lange und mühsame Telefongespräche» später konnten sie sich einigen: Der Mann zahlte und löschte das Bild von all seinen Webprofilen. «Er hatte wirklich Angst, nachdem ich mit einem Prozess ­gedroht hatte», sagt Sokolova. «Aber als Digital-Künstlerin muss man manchmal hart sein.»