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COIFFURE X IN ST.GALLEN GESTÜRMT: Der grosse Schock ist vorbei

Ein vermummter Mann hat am Montag den Coiffeurladen X in St.Gallen gestürmt und die Deko-Pappfigur «Chewbacca», bekannt aus dem Film «Star Wars» gestohlen. Lehrtochter Severine Tschirren erlebte den Überfall hautnah mit – und hat am Tag danach zur Sicherheit einen Pfefferspray mitgenommen.
Maria Kobler-Wyer
Lehrtochter Severine Tschirren mit der verbliebenen «Chewbacca»-Figur. (Bild: Hanspeter Schiess)

Lehrtochter Severine Tschirren mit der verbliebenen «Chewbacca»-Figur. (Bild: Hanspeter Schiess)

Montagnachmittag, um 16 Uhr, im Coiffure X an der Poststrasse: Severine Tschirren, Coiffeurlehrling im dritten Lehrjahr, schneidet einem Kunden die Haare. Plötzlich stürmt ein Mann mit Kapuze den Laden und ruft «Achtung, Terroranschlag». «Wir dachten, er wolle an die Kasse, doch er lief zum Schaufenster, riss den Vorhang herunter und schnappte sich die ‘Chewbacca-Pappfiguren’», sagt Tschirren. «Als meine Lehrmeisterin zu ihm lief, flüchtete er nur mit einer Figur.» Beim Herauslaufen warf der Mann noch einen Brief in den Coiffeurladen. Darauf stand: «Hallo...ihr haltet die Schutzrichtlinien nicht ein, daher musste ich ihn befreien, weil er das Stockholmsyndrom hat,...». Unter dem Stockholmsyndrom versteht man das Phänomen, bei dem Geiseln oder Entführungsopfer sich mit der Zeit mit ihrem Entführer solidarisieren.

«Wir standen voll unter Schock und wussten nicht, was wir tun sollten», sagt Severine Tschirren. «Dann riefen wir die Polizei.» Die Polizei hätte ihnen zuerst fast nicht geglaubt. «Das fand ich komisch», sagt die 20-Jährige. «Einen solchen Vorfall erfindet man doch nicht.»

Eine Pappfigur ist weg, die andere steht noch im Schaufenster. (Bild: Daniel Wirth)

Eine Pappfigur ist weg, die andere steht noch im Schaufenster. (Bild: Daniel Wirth)



Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, bestätigt, dass die Polizei in Besitz des Briefes ist. «Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse gehen wir von einer verwirrten Person aus», sagt er. Falls man die Person finden würde, würde man zuerst dafür sorgen, dass ihr die nötige Hilfe zukomme, sagt Schneider. «Und wir würden abklären, ob sie strafmündig ist», sagt der Mediensprecher weiter. Bei der Beurteilung des Falles würden auch die Beweggründe eine Rolle spielen.

Pfefferspray dabei
Severine Tschirren arbeitete nach dem Vorfall weiter. «Es war schon schwierig», sagt sie. «Ich habe immer wieder geschaut, ob er zurückkommt». Dennoch hat sie aber nie daran gedacht, am nächsten Tag frei zu nehmen. Zur Sicherheit hat sie nun aber einen Pfefferspray dabei.

Die junge Frau geht davon aus, dass der Mann den Laden zuvor beobachtet hatte. «Der Brief war handgeschrieben.» Den Täter beschreibt Tschirren als dünn und gross. Er habe einen grossen Pulli getragen, die Kapuze hätte sein Gesicht verdeckt. «An die Farbe des Pullis kann ich mich nicht erinnern. Es ging alles so schnell.»

Ivan Herb, Inhaber von Coiffure X, glaubt, dass es sich um einen Studentenstreich handelt oder der Täter psychisch angeschlagen ist. Besondere Sicherheitsmassnahmen werden nicht getroffen. Anzeige erstattet hat Herb nicht. «Das würde wohl nichts bringen.»

Sprüche als Markenzeichen
Coiffure X ist bekannt für seine speziell dekorierten Schaufenster. «Wir werben mit dem Spruch, dass 'Chewbacca' zum Spitzli-Schneiden kommen sollte», sagt Herb. «Solche Sprüche sind unser Markenzeichen.» Eine Kundin habe im Scherz gesagt, sie habe sich gefragt, ob der Überfall nun zum Eventprogramm von Coiffure X gehöre.

Mit dem Medienecho, das sein Mail ausgelöst hat, hat Ivan Herb nicht gerechnet. «So etwas habe ich ja noch nie erlebt», sagt er. Der Überfall war auch Gesprächsthema bei den Kunden. «Sie waren interessiert, fanden es spannend, zum Teil schmunzelten sie.» Und auch einen Hinweis hat er bereits bekommen: «Eine Frau beobachtete vom gegenüberliegenden Restaurant aus, dass ein junger Mann vor dem Laden Schmiere stand und nervös auf- und abspazierte. Dann sei der andere Mann aus dem Coiffeurgeschäft gerannt und beide Männer hätten sich Richtung Marktplatz entfernt.»

Gutschein als Belohnung
Die Kantonspolizei St.Gallen ist froh um Hinweise zum Vorfall. Ivan Herb hat inzwischen eine Belohnung ausgesetzt: Wer ihm den Papp-«Chewbacca» zurückbringt, erhält einen 100-Franken-Gutschein für Coiffure X. «Das entspricht in etwa dem Kaufpreis», sagt Herb.

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