Clubszene wird nicht älter

Viele Clubs öffnen auch dieses Wochenende wieder ihre Türen. Darunter ist wieder das rundum erneuerte Backstage. Die Altersgrenze wurde nach oben angepasst. Ein Trend zu dieser Praxis sei jedoch nicht zu erkennen, sagen Clubbetreiber.

David Gadze
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Geben im Backstage den Ton an: Daniel Bondt (links) und Patrik Haefele. (Bild: Coralie Wenger)

Geben im Backstage den Ton an: Daniel Bondt (links) und Patrik Haefele. (Bild: Coralie Wenger)

Heute öffnet das Backstage nach mehrmonatigem Umbau wieder seine Tore. Der Club wurde im Innern komplett neu gestaltet – nicht nur optisch, sondern auch konzeptionell. Neu haben Daniel Bondt und Patrik Haefele, die in den vergangenen vier Jahren das Programm im Trischli gestalteten, im Club in der Bahnhofstrasse das Sagen. Zum neuen Konzept gehört auch eine höhere Alterslimite – 20 Jahre für Frauen, 21 für Männer. Stimmt der Eindruck, dass ein Trend zu einer höheren Altersgrenze bei den St. Galler Lokalen zu erkennen ist? «Eher das Gegenteil ist der Fall», sagt Bondt.

Gratwanderung beim Alter

Das habe auch damit zu tun, dass viele Lokale ihre eigene Altersgrenze nicht einhalten, sagt Haefele. Was schlicht daran liege, dass gerade die grösseren Clubs nicht den Mut hätten, die Begrenzung durchzuziehen, weil sie «einen halbvollen Schuppen» und deshalb Umsatzeinbussen befürchten. Andererseits hält oft ein junges Publikum die ältere und zahlungskräftigere Kundschaft fern. Die Toleranz beim Alter sei deshalb eine Gratwanderung. «Auf lange Sicht ist eine konsequente Türpolitik die halbe Miete», ist Haefele überzeugt. Denn je klarer er positioniert sei, desto grösser sei die Chance, sein «Wunschpublikum» zu erreichen.

Auch die «Ü-Parties», die sich gewöhnlich an über 25- oder 30-Jährige richten, würden bloss als Ausnahme zum Regelprogramm funktionieren, sagt Bondt. «Sie sprechen jene Leute an, die sich zwar über den <Kindergarten> in den Clubs beklagen und diese deshalb meiden, aber ohnehin nur einmal pro Monat in den Ausgang gehen.» Auf Dauer könne es sich ein grosser Club deshalb nicht leisten, ausschliesslich auf ein älteres Publikum zu setzen.

Ähnlich sehen es die Betreiber des Paul, ebenfalls in der Bahnhofstrasse. Im vergleichsweise kleinen «Wohnzimmer für Erwachsene», wie sie es nennen, ist Einlass erst ab 23 Jahren. Damit würden sie eine Lücke im Nachtleben schliessen. «Dennoch habe ich nicht den Eindruck, dass die Clubbetreiber zu einer Erhöhung der Altersgrenze tendieren», sagt Mitinhaber Roman Buff. Ein Club müsse nämlich regelmässig voll sein, um seinen Gästen das Gefühl zu geben, «dazuzugehören». So habe sich in der Clubszene zwar der Zutritt ab 20 Jahren etabliert, es würden jedoch des öfteren Ausnahmen gemacht.

Auch die Verantwortlichen der MT Group, zu der unter anderem das Trischli gehört, können eine Verschiebung der Altersgrenze nach oben nicht feststellen. «Wir haben vielmehr mit dem Felix ein Lokal eröffnet, das ein jüngeres Publikum anspricht», sagt der Presseverantwortliche Ramon Joss. Im Trischli hingegen sollen die Über-20-Jährigen unter sich feiern können. «Die Erfahrung zeigt, dass sich die Älteren teils an den Jungen stören.»

Heimat für die Heimatlosen

Daniel Bondt und Patrik Haefele sind sicher, dass ihr neues Konzept funktionieren wird, obwohl das Backstage gerade auch bei Teenagern sehr beliebt war. Das Ausgehverhalten verändere sich nämlich zyklisch, erklärt Bondt. Eine Folge davon sei der musikalische Einheitsbrei, der wegen der «Radio-Generation» und dem in den vergangenen Jahren aufgekommenen «Open-Format», bei dem unterschiedlichste Genres miteinander kombiniert werden, in den Clubs serviert werde. Eine weitere, dass es viele «Heimatlose» gebe, die ihren Platz im Nachtleben suchen. Diese wolle man aufnehmen. «Wir werden ein breites Musikspektrum abdecken, aber nicht die Charts rauf und runter spielen. Wer DJ Antoine hören will, ist bei uns fehl am Platz.» Das Publikum müsse bereit sein, sich zu öffnen und neue Musik zu entdecken.