Clique macht Goldach zu «Würth am Berg»

GOLDACH. «Vielseitig und witzig, doch nie verletzend.» Das sind die Merkmale der Dorffasnacht 2013 mit sechs Cliquen und zwei Guggengruppen. Das Publikum macht eifrig mit, und selbst die angetupfte Prominenz lobt das hohe Niveau. Mit dem Duo Grins-Manöver ist eine Gruppe erstmals dabei.

Peter Beerli
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Intermezzo: Die Guggen begleiteten lautstark die träfen Sprüche. (Bild: Urs Bosshard)

Intermezzo: Die Guggen begleiteten lautstark die träfen Sprüche. (Bild: Urs Bosshard)

Woher haben die Leute all ihre Ideen? So fragte sich ein Besucher der Cliquenfasnacht. Er erfuhr es nicht. Nur Fridolin und Sepp deuteten an: «Alls gits bi de Poscht.» Sechs Cliquen fesselten am Samstag mit ihren Gedanken gut dreihundert Personen im «Schäfli», «Ochsen» und «Mühlegut» in Goldach und im «Schäfli» in Untereggen. «Der grosse Aufwand hat sich gelohnt.» So fasste Walter Zahner vom Fasnachtskomitee am Schluss zusammen. Und der an diesem Abend oft betupfte Gemeindepräsident Thomas Würth freute sich über das Niveau, mit welchem das geschah.

Lob und Kritik für neues Duo

Neu war das Duo Grins-Manöver dabei. Mit einem sprachlich und schauspielerisch perfekt aufgeführten Sketch orientierte es über die moderne Ausbildung zum Hauswartamt. Ihr Auftritt wurde unterschiedlich beurteilt: Sie wagten etwas Ungewohntes, zeigten sich die einen begeistert. Andern passte solches Kleintheater nicht zur Cliquenfasnacht. Weder lokale noch nationale Prominenz wurde vom Duo betupft.

Planer ohne Tabus

In dieser Beziehung wagten andere mehr. Keine Tabus kennt der Dorf-Planer – früher als Pater Paul unterwegs –, wenn er Goldach zur modernen Stadt, zu «Würth am Berg», die fusionierte Stadt zu «Würth am See» machen will: Altes abreissen, Neues bauen und überbaute Grünflächen durch schöne Strassennamen ersetzen. Das ist der Weg zum Ziel. Wichtig ist der Langsamverkehr: «De nöchschti Schritt isch jetz, dass d' Barriere ganz dunne blibt und Fuessgänger gar nüme vo de Auto gschtört werded.» Rollator-Fahrer erhalten am Küenzlerpass eine Übungsstrecke, und ihre Parkprobleme werden mit der Vergrösserung der «La vita»-Garage gelöst. Aber schon fuhren die Schnäderiwiiber vor, verteilten Hundekotsäcklein und Süssigkeiten, damit sich alle Goldacher beim Einsammeln von Abfall beteiligen. Das geht schneller, als wenn es die Zuständigen tun. Die schwatzhaften Frauen haben gehört, wie Berufsschullehrerin Jana eine Nacht in Hamburg durchstehen musste: Eines Fehlalarms des Feuermelders wegen im Nachthemd auf dem Hotelgang. Zur Melodie von «Guter Mond» sangen sie von Goldacher Nächten: «In Goldach steht ein Kreisel, der im Advent so leise, wär schön mit tausend Lichtern. Die Gmeind aber will sparen, drum brennen niemals alle, nur eine halbe Herrlichkeit.»

Ueli will die Gri(p)pe

Die drei internationalen Rohrführer warfen Papierflieger in den Saal. Sie machen sich Sorgen um Ueli Maurer, der unbedingt die Grip(p)e bekommen will. Sie denken an den Beinahe-Weltuntergang, ziehen selbst aber den Pirelli-Kalender jenem der Biene Maya vor. Fridolin von den Buure wurde von Andy Borg vom «Silvesterstadl» begleitet. Die neue Nationalhymne wurde angestimmt, Vreni Schneiders «En Kafi am Pischterand». Dann erinnerte sich Andy: «D'Schtadtmusig Rorschach hät jo am <Musikantenstadl> mitgemacht, mit em Fuchtler am Stab, dem Dirigent, em graue Schtar.» Die Bädmän klagten über Schmerzen. Doch der Apotheker hat nur einen Sonderposten «Viagara», der zwar nicht gegen Schmerzen hilft, aber auf andere Gedanken bringt. Burn-outs waren weitere Themen, dazu die Arbeitsbelastung der verschiedenen Nationen: «En Dütsche muess pro Wuche drissg Stündli schaffe. Mier Schwizer rackered vierzg, mier sind doch Affe. D'Grieche chrampfed sogar fünfzig, da isch wohr, allerdings nöd pro Wuche, sondern ime ganze Johr.»

Zwischen den Auftritten dröhnten die Wällägumper und die Postgugge in den verschiedenen Lokalen, wo lange über Mitternacht hinaus getanzt und geschunkelt wurde.