Christlichsoziales Seeufer

Am 20. März kam es in Arbon zu der Trotzreaktion, die manche vorhergesagt hatten: Die SP schaffte bei den Stadtparlamentswahlen einen Stimmenanteil von 32 Prozent und legte um drei Sitze zu. Das rote Arbon lebt also, sogar putzmunter, entgegen unserer Darstellung, wonach es nur «noch zucke».

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Freies Ufer – auch dank der CSP. (Bild: Michael Freisager)

Freies Ufer – auch dank der CSP. (Bild: Michael Freisager)

Am 20. März kam es in Arbon zu der Trotzreaktion, die manche vorhergesagt hatten: Die SP schaffte bei den Stadtparlamentswahlen einen Stimmenanteil von 32 Prozent und legte um drei Sitze zu. Das rote Arbon lebt also, sogar putzmunter, entgegen unserer Darstellung, wonach es nur «noch zucke». So titelten wir am 9. März und erinnerten im Moment, da die SP erstmals seit Generationen keinen Stadtratssitz mehr hielt, an die erfolgreiche Geschichte der Linken in der Saurerstadt.

Auch CSPler für Seeufer

Ein zwiespältiger Rückblick, der diametral entgegengesetzt gedeutet wurde – hier von Bürgerlichen als «Aufruf» an linke Wähler, dort von SP-Exponenten als «süffisante Negativmacherei». Inhaltlich jedoch gab es nichts auszusetzen, bis auf ein spannendes Detail: Ein betagter Leser wies uns darauf hin, dass die öffentlichen Seeuferanlagen nicht von der SP allein erstritten worden waren.

Zwar habe es Anfang der 1950er-Jahre im linksdominierten Ortsverwaltungsrat (heute Stadtrat) bürgerlichen Widerstand gegeben, aber nur von den drei Freisinnigen. «Die beiden Christlichsozialen (heute CVP) stimmten mit den Sozialdemokraten für die Seeufergestaltung.» Dem Schreiben beigelegt ist ein Artikel des legendären SP-Redaktors Ernst Rodel in der «Arbeiter-Zeitung», in dem das stadträtliche Wirken des späteren Steinacher Gemeindepräsidenten und Kantonsrats Paul Herzog gewürdigt wird: «Bei den schweren Auseinandersetzungen um die Seeufergestaltung hat er als Mitglied der Baukommission die grossen Konzeptionen von Architekt Furrer in sich aufgenommen und ist mit Überzeugung für eine grosszügige Lösung eingestanden.» Herzog habe «gegen Verschleppungstendenzen und ewiges Neinsagen Stellung bezogen» – und «auch in andern Fragen oft die freisinnige Obstruktion gespürt und mitgeholfen, die Weiche doch richtig zu stellen».

Fast wie in Rorschacherberg

Streit ums Seeufer? Weichenstellung? Freisinnige Obstruktion? 60 Jahre später kann man diese Begriffe einige Kilometer ostwärts auf Rorschacherberg münzen. Dort kämpfen CVPler – oder darf man sie in diesem Fall Christlichsoziale nennen? – unbeirrt für einen Uferweg. Zunächst im Alleingang, nun mit wachsender Unterstützung. Auch der Sozialdemokraten. Paul Herzog wird's freuen. Marcel Elsener

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