Christbäume liefern Fernwärme

Die Feiertage sind vorbei, die Nadeln der Christbäume ausgetrocknet. Höchste Zeit, das Grünzeug aus dem Wohnzimmer zu schaffen – am besten noch heute, denn morgen früh ist kostenlose Christbaumabfuhr.

Christoph Renn
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Ausgedient: An Weihnachten haben sie noch geglänzt, jetzt stehen sie bereit für den Kehrichtwagen. (Bild: Christoph Renn)

Ausgedient: An Weihnachten haben sie noch geglänzt, jetzt stehen sie bereit für den Kehrichtwagen. (Bild: Christoph Renn)

REGION. Sie sind während kurzer Zeit der Mittelpunkt in den Stuben der Schweiz. Die Tannen wärmen, mit Kerzen und Kugeln behangen, die Herzen der Kinder. Nun ist es aber bereits wieder an der Zeit für den letzten Weg der Christbäume. Morgen werden sie von den Kehrichtwagen abgeholt und zur Kompostieranlage geliefert.

Heute abend, oder für die Frühaufsteher bis spätestens um 6.30 Uhr morgens, müssen die ausgedienten Tannen an die Strasse gestellt werden. Wer zu spät kommt, ist dann selbst für die gerechte, mit Kosten verbundene Entsorgung zuständig – entweder mit der nächsten Grünabfuhr im März oder samt einer Gebührenmarke versehen mit der ordentlichen Kehrichtabfuhr. Die morgige Sonderabfuhr in den Gemeinden Rorschach, Goldach, Rorschacherberg, Tübach und Untereggen ist unentgeltlich. In Steinach fahren die Kehrichtwagen am Montag, 12. Januar.

60 Tonnen Holzschnitzel

Es werden aber nicht alle Christbäume eingesammelt. Eines ist sehr wichtig zu beachten: «Die Tannen müssen zuvor von jeglichem Schmuck befreit werden», sagt Martin Zürcher, Geschäftsinhaber der Ruedi Zürcher AG – dem Unternehmen, das die Christbäume einsammelt. Bisher habe das immer gut geklappt, denn «die meisten wollen ihren Christbaumschmuck am kommenden Weihnachtsfest ja wieder gebrauchen». Hänge noch ein wenig Engelshaar zwischen den vertrockneten Nadeln, seien sie aber nicht zimperlich und würden es selbst noch entfernen.

Einmal von der Strasse genommen, geht die Reise für die ausgedienten Tannen in den Kehrichtwagen zusammengepfercht in die Kompostieranlage Rietmühle nach Steinach. Dort führt sie Karl Hutter durch den Häcksler. Knapp 60 Tonnen Holzschnitzel kommen laut Hutter aus den Gemeinden der Region Bodensee zusammen. Doch nicht alle Christbäume werden zu Kleinholz verarbeitet. «Solche mit faulen Ästen kommen mit der anderen Grünabfuhr auf dem Komposthaufen.» Rund 90 Prozent der Tannen werden zu Heizmaterial verarbeitet. «Das sind keine riesigen Berge an Material, welche mit den Christbäumen zusammenkommen», sagt Karl Hutter.

Sie gehen in Flammen auf

Die noch vor kurzem in individueller Pracht leuchtenden Bäume werden als Einheitsbrei in zwei Lastwagenfahrten zur Horn Energie AG geliefert. Und dort blüht ihnen die letzte Stunde. Die zu Holzschnitzeln verarbeiteten Christbäume werden verbrannt, zu Fernwärme gewandelt. So erwärmen die kleinen Tannen nicht mehr die Herzen der Kinder, sondern die Wohnzimmer der Region.