Chance für Erfolg im ersten Wahlgang bleibt intakt

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Absolutes Mehr Wenn sich zwei Kandidatinnen und drei Kandidaten für einen freien Stadtratssitz bewerben, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass keiner im ersten Wahlgang das absolute Mehr (50 Prozent der abgegebenen Stimmen plus eine) erreicht. Am 24. September ist ein Sieg schon im ersten Wahlgang eigentlich nur Boris Tschirky (CVP) zuzutrauen. Dieses Kunststück ist angesichts der zu erwartenden Aufsplitterung der Stimmen auf fünf Kandidierenden allerdings schwierig zu erreichen. Wie schwierig zeigt etwa der Umstand, dass im Herbst 2004 im ersten Anlauf der damals völlig unbestrittene Fredy Brunner in ähnlicher personeller Konstellation wie bei der aktuellen Ersatzwahl das absolute Mehr um gerade einmal drei Dutzend Stimmen verpasste und in den zweiten Wahlgang musste (in dem er problemlos gewählt wurde).

Stimmen für Brunner und Lüthi von der FDP-Wählerschaft?

Die Chancen von CVP-Kandidat Boris Tschirky, die Sache jetzt am 24. September doch im ersten Wahlgang klarmachen zu können, bleibt allerdings intakt, nachdem sich die FDP am Dienstagabend geschlossen hinter ihn gestellt hat. Angesichts der Diskussion, die die Stadtpartei vor Verabschiedung der Wahlempfehlung geführt hat, liegt der Schluss nahe, dass Tschirky bei der FDP auf breite Unterstützung hoffen kann. Jürg Brunner (SVP) und Sonja Lüthi (Grünliberale) müssten, um punkten zu können, aber auch Stimmen beim Freisinn holen. Solche «Abweichler» könnten etwa aus Gewerbekreisen kommen, die lieber den SVP-Vertreter hätten, weil ihnen der CVP-Kandidat zu kompromissbereit oder zu wenig pointiert ist. Oder das könnten FDP-Frauen sein, die eine zweite Stadträtin möchten und für die die Grünliberale angesichts ihrer Positionen in der Wirtschafts- und in der Sozialpolitik wählbar ist.

War die ausserordentliche Parteiversammlung der FDP vom Dienstagabend auch nur einigermassen repräsentativ für die Stimmung innerhalb der Stadtpartei, dürften es Brunner und Lüthi bei der freisinnigen Stammwählerschaft schwer haben. Das Argument der Parteileitung, es brauche angesichts der für bürgerliche Anliegen schwierigen Situation in der Stadtregierung jetzt darin einen «sicheren Wert», einen starken Bürgerlichen mit Exekutiverfahrung, und das sei eben Boris Tschirky und nicht Jürg Brunner, könnte bei der FDP-Basis verfangen. Und auch der Hinweis aus der Parteileitung, die Grünliberalen politisierten im St. Galler Stadtparlament – anders als im National- und Kantonsrat – regelmässig links der Mitte, dürfte das Wahlverhalten vieler Freisinnigen beeinflussen. (vre)