Caritas spannt mit Sozialfirma zusammen

Der Caritas St. Gallen/Appenzell geht es finanziell wieder besser. Sie entlässt im Zuge einer Strategieänderung aber vier Mitarbeitende. Und sie wird künftig mit der Sozialfirma Dock AG zusammenarbeiten.

Sina Bühler
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ST. GALLEN. Vor genau einem Jahr war die Lage noch besorgniserregend: Die Caritas St. Gallen/Appenzell schrieb jährlich 400 000 Franken Verlust, insgesamt fehlten Ende 2013 1,2 Millionen Franken in der Kasse. Verantwortlich seien unter anderem die Sparprogramme bei Gemeinden und Kantonen, sagt Präsident Josef Fässler: «Sie haben vielerorts die Arbeitsintegrationsprogramme zusammengestrichen – und den Caritas-Programmen fehlten damit die Kunden.»

Das Loch in der Kasse ist inzwischen gestopft, der Katholische Konfessionsteil des Kantons St. Gallen hat das Defizit ein letztes Mal übernommen. Seit diesem Jahr sind die St. Galler Katholiken nämlich nur noch Auftraggeber der Caritas im Bereich Soziales und Diakonie. Darunter fallen die beiden Caritas-Märkte in Wil und St. Gallen, die Beratungsangebote und die Integrationsprogramme für junge Erwachsene und anerkannte Flüchtlinge.

Hauptträgerin Caritas Schweiz

Neue Verbundpartnerin und damit Hauptträgerin der Caritas St. Gallen/Appenzell ist seit Anfang Jahr die Caritas Schweiz. «Damit konnten wir auch viel praktisches Wissen übernehmen», sagt Fässler. Die Caritas Schweiz wird künftig auch in strategischen Fragen stärker mitentscheiden.

Die Sanierung zog allerdings laut dem interimistischem Geschäftsleiter Thomas Studer auch vier Entlassungen bei der Caritas St. Gallen/Appenzell mit sich. Weiteren Mitarbeitenden wurden die Stellenprozente gekürzt. Eine Strategieänderung betrifft auch die Integrationsprogramme für Langzeitarbeitslose im Rebau-Markt, dem Rebau-Service und im Liegenschaftenservice.

In diesem gewerblichen Bereich arbeitet die Caritas St. Gallen/Appenzell neu mit der Dock AG zusammen. Die Sozialfirma beschäftigt an zehn Standorten 1400 Langzeitarbeitslose. «Auch bei uns ist der politische und finanzpolitische Druck grösser geworden», sagt Dock-Geschäftsführerin Daniela Merz, eine Zusammenarbeit sei die logische Folge. Sie betreffe allerdings nur den gewerblichen Teil. Die Dock-Sozialfirmen mit Kunden in der Industrie bleiben unabhängig. Als Folge der Kooperation wird die Dock AG den Betrieb in Gossau schliessen und nach St. Gallen umziehen. Die eigene Gewerbeabteilung, die bisher im Sittertal ist, wird dafür zur Caritas an die Zürcherstrasse umziehen.

Modell der Sozialfirmen

Das Programm wird also neu nach dem Modell der Sozialfirmen geführt. Das heisst, sie bietet Menschen, die lange keine Arbeit mehr hatten oder bereits ausgesteuert wurden, eine Stelle im sogenannten zweiten Arbeitsmarkt. Dafür erhalten sie statt Sozialhilfe einen Lohn. Dieser wird zwar ebenfalls vom Sozialamt bezahlt, mit dem Dock-Modell entfallen hingegen die Kosten des Integrationsprogramms, die normalerweise dazukommen. «Das Ziel ist aber dasselbe: dass die Leute wieder eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt finden», sagt Daniela Merz.

Mit der Sanierung ist auch Thomas Studers Arbeit bei der Caritas St. Gallen/Appenzell abgeschlossen. Neuer Geschäftsführer wird Philipp Holderegger. Der 44jährige Elektroingenieur arbeitete bisher in einem völlig anderen Bereich, als Leiter der Service- und Reparaturabteilung beim Lifthersteller Schindler. «Wie so viele habe ich in der Mitte meiner Karriere gemerkt, dass ich viel direkter mit Menschen zu tun haben will. Am liebsten im sozialen Kontext, wie hier bei der Caritas. Ich freue mich sehr darauf», sagt Holderegger.

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