CARHALTESTELLE: Wohin mit den Fernbussen am St.Galler Bahnhof?

Die Haltestelle für Cars und internationale Linienbusse an der Nordseite des Hauptbahnhofs stösst bereits jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen. Kanton und Stadt suchen deshalb einen neuen Standort.

David Gadze
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Die beiden Fernbus-Haltestellen an der Lagerstrasse stossen oft an ihre Kapazitätsgrenzen. (Bild: Ralph Ribi)

Die beiden Fernbus-Haltestellen an der Lagerstrasse stossen oft an ihre Kapazitätsgrenzen. (Bild: Ralph Ribi)

Taxis, Autos, Fussgänger, Velofahrer, Cars: Auf engstem Raum sind an der Lagerstrasse verschiedene verkehrliche Nutzungen vereint. Seit der Sperrung des Bahnhofplatzes für den Autoverkehr im Oktober 2012 und der Eröffnung der Bahnhofvorfahrt und einiger Taxistandplätze auf der Nordseite des Hauptbahnhofs hat sich aber immer noch kein funktionierendes Regime eingespielt. Zumal damals auch die rund um das Bahnhofpärkli angeordneten Haltestellen für Reisecars und internationale Linienbusse an die Lagerstrasse verlegt wurden. Regelmässig behindern sich nun vor allem Cars, Taxis und Autos gegenseitig. Das soll sich ändern: Stadt und Kanton suchen derzeit einen neuen Standort für die Fernbus-Haltestelle.

Eine «offizielle» Einschätzung der Situation findet sich im Bericht zur Bestandesaufnahme für das Areal Bahnhof Nord vom März 2016. Der Bericht war im Zuge der Testplanung für das Gebiet durch ein externes Verkehrsplanungsbüro erarbeitet worden. Im Januar 2016 habe eine Verkehrserhebung gezeigt, dass die zwei Car-Haltestellen bereits heute an ihre Kapazitätsgrenzen stossen, heisst es da. Teilweise würden die markierten Taxiabstellplätze als Halteplatz für Busse genutzt. Zum Zeitpunkt des Erscheinens des Berichts wurden freitags und sonntags mit 55 bis 60 Fahrten über die Lagerstrasse die meisten Busse gezählt, der maximale Wert lag damals bei acht Fahrten pro Stunde. Und es sei absehbar, dass der Fernbusverkehr weiter zunehmen werde. Je nach Entwicklung könnte bereits in zwei bis drei Jahren ein Bedarf von sechs bis acht Fernbus-Haltestellen mit entsprechender Infrastruktur entstehen.
 

An öffentlichen Verkehr und Autobahn angebunden

Allerdings soll im Gebiet Bahnhof Nord kein Fernbushof entstehen, heisst es im Bericht. Florian Kessler, Leiter des Stadtplanungsamts, bestätigt diese Aussage. Aufgrund der Testplanung Bahnhof Nord werde ein neuer  Standort für die Fernbus-Haltestellen gesucht. Die Testplanung habe gezeigt, dass die Lagerstrasse aufgrund der Zunahme der Verbindungen als Halteort für Fernbusse mittel- bis langfristig ungeeignet sei. Und für eine Verlegung der Haltestellen auf den heutigen SBB-Parkplatz sei das Gebiet zu wertvoll. «Das äusserst zentrale Areal soll für eine bauliche Entwicklung genutzt werden können. Ein Wachsen der Fernbushaltestellen würde dem Ziel, das Gebiet aufzuwerten und zu beleben, widersprechen.»

Wo ein neuer Fernbushof möglich wäre, müsse die Evaluation erst noch zeigen, sagt Kessler. Klar sei aber, dass ein solcher Ort zum einen mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen sein und sich zum anderen in der Nähe eines Autobahnanschlusses befinden sollte. «Der zusätzliche Verkehr durch Fernbusse darf nicht Wohnquartiere belasten.» Diese Kriterien treffen etwa auf das Areal Bahnhof St. Fiden zu, das in den kommenden Jahren ebenfalls weiterentwickelt werden soll. Oder auch auf den Bahnhof Winkeln, der dereinst zu einem neuen ÖV-Knotenpunkt im Westen der Stadt ausgebaut werden könnte. Noch seien zu viele Fragen offen, um zu beurteilen, ob dies mögliche Standorte seien oder nicht, sagt Kessler.

Patrick Ruggli, Leiter des kantonalen Amts für öffentlichen Verkehr, spricht von einer  «Notwendigkeit, einen geordneten Fernbusbetrieb zu organisieren». Das bedinge auch aus seiner Sicht eine gute Erschliessung. Ausserdem brauche es eine entsprechende Infrastruktur mit Unterständen, Toiletten oder einem Kiosk. «Ein Kiesplatz irgendwo am Stadtrand kommt eher nicht in Frage.» Die Kosten dafür sollten jedoch nicht von der öffentlichen Hand getragen werden, sondern durch die Betreiber der Fernbuslinien. Sie könnten etwa in Form von Haltegebühren verrechnet werden. 
 

Kanton steht inländischen Carlinien kritisch gegenüber

Grundsätzlich stünden die Kantone dem derzeit diskutierten Vorhaben, auch innerhalb der Schweiz Carverbindungen von ausländischen und einheimischen Unternehmen zuzulassen, kritisch gegenüber. «Eine Konkurrenzierung des mit Milliarden subventionierten öffentlichen Verkehrs ist zu vermeiden», sagt Ruggli. Fernbus-Angebote könnten jedoch auf Strecken, die das klassische ÖV-Angebot nicht abdecken, eine Lücke schliessen.

Sollten Fernbuslinien im Binnenverkehr bewilligt werden, fordert der Kanton St. Gallen laut Ruggli, dass die Fernbusanbieter das Behindertengesetz umsetzen. Ausserdem müssten ausländische Unternehmen gleichwertige Anstellungsbedingungen für die Mitarbeiter einhalten wie die inländischen Anbieter. Auch Fragen zur Tarifstruktur seien vorgängig zu beantworten.