Calatrava-Idee findet Zuspruch

ST.GALLEN. Stadträtin Patrizia Adam findet die Anregung des Architekten Santiago Calatrava gut, für die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt ganz bei null zu beginnen. Mit dieser Haltung ist die Baudirektorin nicht alleine.

Daniel Wirth
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Die Wartehalle auf dem Bohl: Eines der Bauwerke von Santiago Calatrava in der Stadt St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Die Wartehalle auf dem Bohl: Eines der Bauwerke von Santiago Calatrava in der Stadt St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Nach dem zweiten Nein nach 2011 zu einer Vorlage für die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt sagten Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Baudirektorin Patrizia Adam am 8. März dieses Jahrs, es brauche jetzt einen Marschhalt in dieser Angelegenheit. Dieser Meinung ist auch Santiago Calatrava, wie er in einem Gespräch mit dem Tagblatt sagte (Ausgabe von gestern.) Der heute weltweit tätige spanische Architekt und Bauingenieur hatte in den 1990er-Jahren in St. Gallen für den Kanton und die Stadt Bauwerke realisiert, die das Stadtbild prägen. Er regt für die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt die Durchführung eines Studienwettbewerbs oder die Vergabe eines Studienauftrags an. Calatrava, der heute in New York und in Rio de Janeiro architektonische Glanzpunkte setzt, würde gerne für die Stadt St. Gallen eine solche Studie durchführen mit seinem Büro. Baudirektorin Patrizia Adam sagte gestern dazu: «Ich bin der gleichen Meinung wie Santiago Calatrava: Wir sollten bei null beginnen.» Patrizia Adam sagt aber auch, das sei ihre persönliche Meinung; sie könne nicht für den Stadtrat sprechen.

Stadtrat geht in Klausur

Der Stadtrat gehe Ende Mai in Klausur, um das weitere Vorgehen zu besprechen, sagt Adam. Nach dieser Klausur werde der Stadtrat zu einem runden Tisch einladen, sagte Andreas Dudli, Präsident der städtischen FDP und Stadtparlamentarier, der sich in den vordersten Reihen des Komitees «Nein zu einem Marktplatz ohne Markt» engagierte, gestern. Dudli, der für das Nein-Komitee beim Stadtrat eine solche Aussprache eingefordert hatte, glaubt, dass es im Moment keine Studie braucht: Andreas Dudli nennt zwei Gründe: «Wir finden auch ohne Studienwettbewerb einen gemeinsamen Nenner, und ein Wettbewerb verunmöglichte den Beginn der Neugestaltung 2019.»

Moderater klingt es bei Karin Winter, der Präsidentin der SVP-Fraktion im Stadtparlament: «Es braucht zuerst eine Aussprache.» Wenn ein runder Tisch keinen Konsens bringe, sei der Beizug externer Fachleute sinnvoll, sagt Karin Winter. Die SVP hatte sich auch gegen die Vorlage ausgesprochen. Doris Königer, Präsidentin der Baukommission des Stadtparlaments, sagt auf Anfrage: «Brauchen wir wirklich ein Gesamtprojekt von einem renommierten Architekten?» Jetzt müsse der Marktplatz so schnell wie möglich autofrei gemacht werden, fordert die SP-Politikerin und Architektin. In bezug auf ein neues Verkehrsregime auf dem Marktplatz erhält Königer Unterstützung von Daniel Kehl, dem Präsidenten der SP/Juso/PFG-Fraktion im Parlament.

CVP-Präsident: «Spannend»

Michael Hugentobler, Präsident der CVP der Stadt St. Gallen, Stadtparlamentarier und Co-Präsident des Komitees «Marktplatz: Ja!», ist mit Santiago Calatrava eins. «Es braucht einen Marschhalt und es braucht einen Neuanfang», sagt Hugentobler. Er sei überzeugt, dass jede Minute, die in die Suche nach einem Konsens investiert werde, eine zu viel sei. «Die Situation ist zu verkorkst, als dass auf Grundlage des vorliegenden Projekts eine Lösung gefunden werden kann». Eine Studie von Santiago Calatrava? Hugentobler winkt nicht ab: «Ein spannender Ansatz.» Hugentobler sagt aber auch, der Zeitpunkt sei ungeeignet. Es sei alles noch zu frisch.

Stefan Grob, CVP-Stadtparlamentarier und Kampagnenleiter des Komitees «Marktplatz: Ja!», findet, der Stadtrat täte gut daran, eine Meinung Santiago Calatravas zur Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt einzuholen. Ein partizipatives Verfahren reiche nicht aus., sagt Stefan Grob. Es brauche nach einem Marschhalt eine innovative Idee. Grob ist der Meinung, Calatrava habe in St. Gallen viel Gutes gemacht. Der Kontakt zu ihm sollte gepflegt werden.

Patrizia Adam Stadträtin, Vorsteherin Direktion Bau und Planung (Bild: Tobias Siebrecht)

Patrizia Adam Stadträtin, Vorsteherin Direktion Bau und Planung (Bild: Tobias Siebrecht)