Busse für junge Ladendiebin

Eine junge Mutter musste sich wegen Diebstahl vor dem Kreisgericht verantworten. An der Verhandlung ging es turbulent zu und her. Die Frau war mit Baby, Kind und Lebenspartner erschienen.

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Die 26jährige Beschuldigte hat laut Strafbefehl bei einem Grossverteiler Waren im Wert von rund 230 Franken gestohlen. Gegen diesen Vorwurf wehrte sie sich mit einer Einsprache, weshalb der Fall jetzt am Kreisgericht St. Gallen verhandelt wurde. Sie habe nichts gestohlen, erklärte sie dem Einzelrichter in italienischer Sprache. Es sei lediglich ein dummes Missverständnis gewesen, dass sie nicht alle Sachen bei der Kasse vorgelegt habe.

Aus dem Saal gewiesen

Teilweise ging es während der Verhandlung turbulent zu und her. Die Frau war mit ihrem Lebenspartner, einem Baby und einem grösseren Kind erschienen. Falls das Baby anfange zu weinen, müsse es den Saal verlassen, kündigte der Einzelrichter an. Die Gerichtsverhandlung müsse nämlich in Ruhe und geordnet durchgeführt werden können. Schliesslich mussten der Mann und die Kinder den Raum tatsächlich verlassen. Grund war nicht Babygeschrei, sondern die Zwischenrufe des Lebenspartners. Er könne viel besser als seine Frau erklären, was wirklich passiert sei, betonte er. Die Übersetzerin gebe zudem ihre Aussagen nur ungenau wieder.

Da er weder als Zeuge noch als Auskunftsperson vorgeladen sei, habe er sich wie jeder Zuschauer ruhig zu verhalten, beschied ihm daraufhin der Richter. Weil ihm dies nicht gelang, verliess er mit den Kindern den Saal. Er habe die Akten eingehend studiert, erklärte er später. Die Aussagen der Ladendetektivin seien widersprüchlich.

Hochschwanger eingekauft

Sie sei hochschwanger und in Begleitung des grösseren Kindes in den Laden gegangen, erklärte die Beschuldigte das Geschehene. Sie habe beabsichtigt, nur zwei oder drei Sachen einzukaufen, weshalb sie auf einen Einkaufswagen oder Korb verzichtet habe. Schliesslich seien aber doch mehrere Artikel zusammengekommen. So habe sie einen Teil auf dem Arm getragen und einen Teil in einen Plastiksack und ihre Handtasche gesteckt. Dies immer mit der Absicht, alle Waren an der Kasse vorzuweisen. Sie habe schon oft beobachtet, dass andere Kundinnen und Kunden die Waren nicht in einem Einkaufskorb, sondern in einem mitgebrachten Rucksack oder einer Handtasche zur Kasse transportierten. Deshalb sei es ihr nicht in den Sinn gekommen, dass sie etwas falsch mache.

Durcheinander gewesen

Weil sie etwas durcheinander gewesen sei, habe sie vergessen zwei oder drei Sachen an der Kasse anzugeben. Dies sei aber lediglich ein dummer Fehler gewesen. Sie habe niemals beabsichtigt, Dinge zu stehlen. Das habe sie nicht nötig, da ihr Mann genug verdiene, um für die Familie zu sorgen.

Schlimm sei, dass man sie bezichtige, beim gleichen Grossverteiler Kosmetikartikel gestohlen zu haben, hielt die Beschuldigte fest. Diese habe sie wenige Tage zuvor in einem anderen Laden eingekauft und noch in ihrer Handtasche gehabt. Dies könne sie mit Kassenzetteln belegen.

Sie habe sofort die ausstehenden Artikel bezahlen wollen, doch habe die Ladendetektivin nicht mit sich reden lassen und die Polizei geholt. Vor den Augen des Kindes habe man ihr dann Handschellen angelegt.

Zu einer Busse verurteilt

Der Einzelrichter glaubte den Unschuldsbeteuerungen der Frau nicht. Er verurteilte sie wegen eines geringfügigen Vermögensdelikts zu einer Busse von 300 Franken. Zudem muss die Frau die Verfahrenskosten von 1080 Franken bezahlen. (cis)

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