Busbillette werden teurer

Mit dem Fahrplanwechsel werden die Preise im Tarifverbund Ostwind erhöht. Das bedeutet, dass auch die Billette der VBSG aufschlagen. Ostwind und die VBSG informierten kaum darüber.

David Gadze
Drucken
Teilen
Die Billette werden in der Stadt St. Gallen ab Sonntag teurer. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Die Billette werden in der Stadt St. Gallen ab Sonntag teurer. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Morgen findet der jährliche Fahrplanwechsel statt. Das hat auch Auswirkungen auf die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen (VBSG). In einem Flyer, der in den vergangenen Tagen den städtischen Haushalten zugestellt wurde, schreiben die VBSG, der Stadtbus werde noch besser. Was sie allerdings verschweigen: Er wird auch teurer. Die Einzelfahrten (mit und ohne Halbtax) schlagen um jeweils 10 Rappen auf. Und auch Tageskarten, Monats- und Jahresabos werden teurer.

Die Tarife bestimmt «Ostwind»

Bereits bei der Einführung des integralen Verbundes Mitte 2009 wurden einzelne Preise im ganzen Tarifverbund Ostwind nach oben angepasst. Warum schlagen die Preise für die Busbillette in der Stadt St. Gallen – wie in weiten Teilen der Schweiz – jetzt also erneut auf? «Die Preisgestaltung ist Sache des Tarifverbundes», sagt VBSG-Unternehmensleiter Ralf Eigenmann. Und warum wurden die Kunden im Flyer nicht auf die Preiserhöhung aufmerksam gemacht? Für die Kommunikation im Tarifbereich sei ebenfalls Ostwind zuständig, betont Eigenmann.

Kostenabwälzung auf Kunden

«Die Preiserhöhungen betreffen den ganzen Tarifverbund und haben mit den höheren Trasseepreisen, die der Bund für die Benutzung und den Unterhalt der Bahninfrastruktur beschlossen hat, zu tun», sagt Ostwind-Geschäftsführer Werner Thurnheer. Im Tarifverbundrat, dem Vertreter der beteiligten Transportunternehmen und der Kantone angehören, habe man beschlossen, bei Preiserhöhungen im nationalen Verkehr mitzugehen. «Würden wir die Preise nicht anpassen, würden die Abgeltungen an den öV für den Besteller – also für die Kantone – und somit für die Steuerzahler höher. So findet eine Umwälzung auf die ÖV-Benützer statt.» Da ein Billett auf allen Transportunternehmen einer Zone gültig sei, müsse es auch für alle angepasst werden, im konkreten Fall also auch für die Busse der VBSG.

In verschiedenen Prospekten sind die Preise zwar aufgeführt, die effektive Erhöhung wird jedoch nirgends als solche deklariert, ja sie wird geradezu verschwiegen. Auch in den vergangenen Wochen war nirgends etwas davon zu lesen. Einzig in einer Medienmitteilung von Ostwind von Ende Mai ist von einer durchschnittlichen Erhöhung der Preise um vier bis sieben Prozent die Rede. Thurnheer bestreitet, dass man die besagte Umwälzung zu wenig klar kommuniziert habe. «Wir sind der Meinung, ausreichend informiert zu haben. Es war nicht unsere Absicht, die Preiserhöhung zu verstecken.»

Was kommt nächstes Jahr?

Zu den Gerüchten, wonach die Stadt – also die bisherige Zone 10, die ab morgen Zone 210 heisst – in zwei Zonen aufgeteilt und die Kurzstreckenbillette wieder abgeschafft werden könnten, will sich Thurnheer nicht äussern. Zurzeit würden verschiedene Anpassungen geprüft, noch sei jedoch nichts entschieden. Auch ob mit der Einführung der S-Bahn St. Gallen in einem Jahr und dem damit verbunden Angebotsausbau eine weitere Preiserhöhung bevorstehe, könne er nicht sagen.

Stadt gesondert betrachten

Die Stadt ist solchen Plänen gegenüber kritisch eingestellt. «Wir haben damals für die Einheitszone und die Kurzstrecke gekämpft, und wir werden auch in Zukunft dafür kämpften», sagt der städtische Medienverantwortliche Urs Weishaupt. Man dürfe die Stadt nicht mit Randregionen gleichstellen.

«Dass ein Tarifverbund eine einheitliche Tarif- und Zonenregelung hat, ist an sich richtig. Der Verbund muss jedoch so strukturiert sein, dass er Zentren hat, die anders funktionieren können. Gerade Ballungsräume wie St. Gallen, die dem Tarifverbund die Masse an Passagieren bringen, müssen separat angeschaut werden», sagt Weishaupt. Es sei klar, dass die Stadt den Tarifverbund mittragen müsse. Sie biete aber auch eine weitaus grössere Angebotsdichte.

Die Stadt wünscht sich von Ostwind, die Bevölkerung aktiver und kundenorientierter zu informieren. «Der Tarifverbund hat die Aufgabe, die Kundschaft über Veränderungen wie Preiserhöhungen so zu orientieren, dass die Informationen auch ankommen.»

Aktuelle Nachrichten