Bunte Zwerge und Farbschlachten

Fünf Kilometer durch farbige Wolken aus Reismehl: Am ersten Color Run in Gossau starten am Sonntag bis zu 500 Läufer. Organisiert hat das der Münchwiler Bruno Selebam. Weil den Menschen Kreativität und Fröhlichkeit gut tue.

Nina Rudnicki
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Wie dieses Jahr schon in Emmen werden sich dieses Wochenende auch in Gossau Color-Run-Teilnehmer gegenseitig mit Farbpulver bewerfen. (Bild: pd/colorrun.ch)

Wie dieses Jahr schon in Emmen werden sich dieses Wochenende auch in Gossau Color-Run-Teilnehmer gegenseitig mit Farbpulver bewerfen. (Bild: pd/colorrun.ch)

Herr Selebam, am Sonntag werden sich die Menschen in Gossau am Color Run dank Ihnen mit Farben bewerfen. Wie passen Sport und eine Farbschlacht zusammen?

Bruno Selebam: Das passt sehr gut zusammen. Was gibt es Besseres, als Sport und Spass miteinander zu kombinieren. Es ist ein völlig anderer Ansatz, bei dem Fröhlichkeit im Vordergrund steht.

Wie muss man sich so einen Color Run überhaupt vorstellen?

Selebam: Um 11 Uhr beginnt der Lauf mit einem Massenstart. Gleich zu Beginn bewerfen sich die Teilnehmenden dabei mit Farbpulver. Dann müssen sie die fünf Kilometer lange Strecke ablaufen. Ob rennen, gehen oder spazieren, ist dabei nicht so wichtig. Nach jedem Kilometer kommen die Läufer an einem Posten mit neuer Farbe vorbei. Dort sind auch sogenannte Regenhimmel montiert. Denn erst mit Wasser leuchten die Farben und bleiben besser haften.

Bruno Selebam Organisator des Schweizer Color Run (Bild: pd)

Bruno Selebam Organisator des Schweizer Color Run (Bild: pd)

Und das gefällt den Leuten?

Selebam: Ja, natürlich. Im vergangenen Jahr haben wir den Color Run erstmals in Eschlikon durchgeführt. Dabei haben wir so viele lachende Gesichter gesehen. Zudem ist es unglaublich, wie kreativ die Teilnehmer sind.

Die Menschen sehen auf den Fotos aus dem vergangenen Jahr wirklich wie Kunstobjekte aus.

Selebam: Das stimmt. Die meisten starten mit weissen T-Shirts. Es gibt aber auch Teilnehmer, die als weisse Zwerge verkleidet am Start erscheinen. Am Ende ist jeder ein Unikat. Ich warte nur noch darauf, dass die erste Person im Brautkleid erscheint.

Sind die Kleider nach der Farbschlacht eigentlich kaputt?

Selebam: Das Brautkleid würde schon leiden. Allerdings benutzen wir abwaschbare Lebensmittelfarbe. Damit haben wir im Vorfeld Reismehl, ein Abfallprodukt von Risotto, eingefärbt. Wir wollen keine Lebensmittel verschwenden.

Wie viele verschiedene Farben gibt es überhaupt?

Selebam: Die Hauptfarben sind Rot, Gelb, Blau und Grün. Hinzu kommen ein knalliges Violett, Pink und Orange. Pro Person rechnen wir mit einem Kilo Farbe. Insgesamt ergibt das rund 500 Kilo, da wir die Startplätze auf 500 Personen begrenzt haben.

Der Anlass erinnert an das Holi-Fest, das Fest der Farben, in Indien. Hat der Color Run denn auch einen spirituellen oder religiösen Aspekt?

Selebam: Der Color Run ist tatsächlich vom Holi-Fest inspiriert. Allerdings wollen wir uns klar von allem Religiösen distanzieren. Bei uns steht anderes im Vordergrund.

Reiner Spass?

Selebam: Nein, nicht nur. Der Color Run hat einen vereinenden Charakter. Ausserdem werden Berührungsängste abgebaut. So machen Kinder, Eltern, Grosseltern, Sportler und Menschen mit einer Behinderung mit. Wir hatten Rollstuhlfahrer und eine Gruppe Taubstumme dabei. Alle sind an diesem Anlass eins.

Trotzdem werden nicht alle Freude an Ihrem Event haben. Wie werden Sie verhindern, dass die Teilnehmenden auf ihrem Heimweg Stadt und öffentlichen Verkehr einfärben?

Selebam: Da haben wir vorgesorgt. Im Ziel werden alle Teilnehmer abgeblasen. Ausserdem gibt es Freiluftduschen, wenn auch nur mit kaltem Wasser.

Sie selbst waren Triathlet und sind Mitveranstalter von Sportevents wie dem Ironman Switzerland. Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, einen solchen Spassanlass zu organisieren?

Selebam: Ich bin im Internet darauf gestossen. In den USA und in Australien ist der Color Run schon seit einigen Jahren total angesagt. Da habe ich gedacht, das kann auch bei uns funktionieren. Auch wenn meine Idee bei Frauen viel besser ankommt als bei Männern. 80 Prozent der Teilnehmer sind weiblich.

Also nicht der schlechteste Anlass für einen Single-Mann.

Selebam: Ja, und das Gute ist, es gibt noch einige freie Plätze. Ich hoffe einfach, dass am Sonntag viele Menschen kommen, um gemeinsam Spass zu haben.