BÜRGERVERSAMMLUNG: Ja, Ja und nochmals Ja

In sechs Gemeinden bestimmten am Montag die Bürger. Die Muoler erschienen am zahlreichsten, die Gaiserwalder waren dafür am ausdauerndsten.

Corinne Allenspach
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An der Bürgerversammlung, traditionell in der Pfarrkirche, stimmten die Mörschwiler einer erneuten Steuersenkung zu. (Bild: Benjamin Manser)

An der Bürgerversammlung, traditionell in der Pfarrkirche, stimmten die Mörschwiler einer erneuten Steuersenkung zu. (Bild: Benjamin Manser)

Corinne Allenspach

corinne.allenspach

@tagblatt.ch

Sie sind der Inbegriff gelebter Demokratie – die Bürgerversammlungen. Und wie jedes Jahr konzentrieren sie sich in der Region auf den ominösen letzten Montag im März. Diesmal luden gleich sechs Gemeinden ein: Andwil, Berg SG, Eggersriet, Gaiserwald, Mörschwil und Muolen. Wie schon in der Vergangenheit zeigte sich: Je kleiner eine Gemeinde, desto besser besucht ist in der ­Regel die Bürgerversammlung. Am zahlreichsten erschienen die Muolerinnen und Muoler. Über 24 Prozent der Stimmberechtigten liessen sich im Adlersaal aus erster Hand über die Entwicklung des 1200-Einwohner-Dorfes informieren. Auch in Berg SG (850 Einwohner) waren es fast 24 Prozent. In Eggersriet interessierten sich gut 12 Prozent der Stimmberechtigten, in Andwil gut 11 Prozent, in Mörschwil knapp 9, und in der grössten dieser Gemeinden, in Gaiserwald mit seinen 8350 Einwohnern, gerade einmal 3,7 Prozent.

Steuern senken und den Behörden vertrauen

So unterschiedlich der Aufmarsch, so einheitlich das Abstimmungsverhalten. Rechnung 2016, Budget 2017 und Steuerfuss wurden einstimmig und diskussionslos genehmigt. Wenige Enthaltungen oder einzelne Gegenstimmen gab es einzig in Berg und Eggersriet. Die klare Zustimmung hat sicherlich damit zu tun, dass es sämtlichen Gemeinden finanziell gut geht – alle schlossen die Rechnung mit einem Plus ab (Tagblatt vom 23. März). Andererseits ist es auch Ausdruck des Vertrauens in die Arbeit der Behörden.

In drei der sechs Gemeinden können sich die Bürger zudem über eine Steuersenkung freuen. Eggersriet senkte um 2 auf 140 Prozentpunkte, Andwil um 5 auf 128 und Mörschwil um 3 auf 79. Damit ist Mörschwil nach einigen Jahren Unterbruch wieder die steuergünstigste Gemeinde im Kanton. Vor Balgach und Rapperswil-Jona, beide mit 80 Prozentpunkten. Obwohl die Bürgerversammlung jeweils die Gelegenheit ist, sich zu Wort zu melden, taten das nur wenige. In den meisten Gemeinden wurde die allgemeine Umfrage gar nicht genutzt, am meisten Wortmeldungen gab es in Andwil mit drei Voten. Auch die (wenigen) An­träge der Gemeinderäte wurden praktisch nicht diskutiert.

Trotzdem waren die Bürgerversammlungen der Politischen und der Schulgemeinden abendfüllend. Am längsten dauerte es in Gaiserwald. Inklusive musikalischer Einstimmung mit dem Gospelchor genau zwei Stunden. Andernorts war nach rund eineinhalb Stunden Schluss (ohne Kirchbürgerversammlung). Am schnellsten fertig waren wie ­üblich die Mörschwiler: Schon nach 45 Minuten konnten sie zum Apéro wechseln.