BÜRGERVERSAMMLUNG: Häggenschwiler wollen Shoppinglust begrenzen

Steuersenkung, klare Voten, ein Antrag, News aus der Schule: Häggenschwil erlebte einen spannenden Abend.

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Wenn Häggenschwils Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring zur Bürgerversammlung lädt, ist das stets mehr als eine Anhäufung trockener Zahlen. So auch am Freitag. Diesmal hiess sein Motto: «Häggenschwil blüht». Womit er nicht nur die spriessende Natur meinte, sondern auch die Einwohnerzahlen, die «ziemlich stark steigen», wie er erfreut sagte. Gemeint war auch die finanzielle Situation des Dorfes. So konnte der Steuerfuss seit 2008 um 30 von 162 auf 132 Prozentpunkte gesenkt werden. Die rund 130 Anwesenden, etwa 15 Prozent der Stimmberechtigten, sagten einstimmig Ja zur Steuersenkung um 6 Prozentpunkte. Ebenso zur Rechnung 2016, die bei einem Aufwand von 8,1 Millionen Franken mit einem Plus von knapp 750000 schliesst.

Mit dem aktuellen Steuerfuss gehöre Häggenschwil jetzt «zur vorderen Hälfte der Gemeinden im Kanton». Wobei, wichtig sei nicht der Steuerfuss, sondern, dass es einem gefalle im Dorf.

Weniger Gefallen fanden einige Bürger an der Shoppinglust des Gemeinderats. Unter anderem hatte er jüngst die «Krone», die Ruine Ramschwag und den «Ochsen» gekauft. Jürg Widmer und 16 Mitunterzeichnende stellten den Antrag, der Rat müsse bis in einem Jahr eine Gemeindeordnung vorlegen mit reduzierten Kreditkompetenzen für Kauf und Verkauf im Finanzvermögen. Aktuell kann der Gemeinderat Käufe bis zu einer Million Franken selber entscheiden, maximal zwei Millionen pro Jahr.

Bürger sollen Zukunft der Gemeinde gestalten

Die Antragssteller fordern, auf 500000 Franken pro Fall und eine Million pro Jahr zu reduzieren. «Die Bürger sollen die Zukunft der Gemeinde gestalten, nicht der Gemeinderat allein», sagte Widmer. Jeder Grundstückskauf berge auch ein finanzielles Risiko, das am Schluss die Bürger tragen. Die «Krone», so sagte Widmer, habe der Gemeinderat übereilt und ohne Nutzungskonzept gekauft.

Gemeinderat Raffael Gemperle betonte, die Gemeinde kaufe nicht einfach zum Spass: «Die positive Entwicklung des Dorfes ist in erster Linie unternehmerischem Handeln mit Kauf und Verkauf von Bauland und Liegenschaften zu verdanken.» Verringere man die Kreditkompetenzen, werde auch der Spielraum eingeschränkt. Der Rat empfahl darum, den Antrag abzulehnen. Die Anwesenden sahen das anders: 67 stimmten zu, 48 sagten Nein, einige enthielten sich.

Überraschendes erzählte Schulpräsident Alan Germann: die Schülerzahlen steigen. «Erfreulich, aber auch eine Herausforderung.» Schon bald werden die Klassen zu gross für altersdurchmischtes Lernen mit drei Jahrgängen. So sucht Häggensch­wil erneut einen massgeschneiderten Weg für die Schule.

Corinne Allenspach

corinne.allenspach

@tagblatt.ch