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Bürgerliche im Tief

Jubel und Enttäuschung im Pfalzkeller: Während SVP, CVP und FDP als die grossen Verlierer dastehen, konnten SP, Grünliberale und BDP Sitzgewinne verzeichnen.
Karl Güntzel: «Trotz Sitzverlusten die Linie beibehalten.» (Bilder: Hanspeter Schiess)

Karl Güntzel: «Trotz Sitzverlusten die Linie beibehalten.» (Bilder: Hanspeter Schiess)

Als kurz vor 17 Uhr die Resultate des Wahlkreises St. Gallen über die Bildschirme liefen, brach beim Grüppchen um Etrit Hasler Jubel aus: Der Stadtparlamentarier zieht überraschend in den Kantonsrat ein. «Ich habe nicht mehr damit gerechnet, als ich die dürftigen Stimmenzahlen aus den ländlichen Gemeinden gesehen habe», sagte Hasler, der mit einem breiten Grinsen durch den Pfalzkeller lief und von links und rechts Gratulationen erhielt. Ebenfalls neu gewählt wurde Bettina Surber, Stadtparlamentarierin und Präsidentin der städtischen SP. «Offensichtlich dauert der Linkstrend an, den man in der Stadt bei den nationalen Wahlen beobachten konnte», sagte sie. Im Wahlkreis gewinnt die SP einen Sitz dazu; neu kommt sie auf sieben.

Hasler kündigte an, im Herbst nochmals fürs Stadtparlament zu kandidieren. Er könne sich gut vorstellen, in beiden Räten zu politisieren. Surber sagte, bei ihr sei das noch offen.

Schlappe für die SVP

Enttäuschung machte sich dafür bei der SVP breit: Die Partei verliert zwei Sitze und kommt neu auf deren sechs. Der Engelburger Bruno Stump wurde abgewählt; zudem konnte der Sitz des zurückgetretenen Gossauer Nico Egger nicht verteidigt werden.

«Das Resultat tut natürlich weh. Tatsächlich scheint sich der politische Trend in der Stadt gegen uns gewendet zu haben», bekannte Karl Güntzel, Präsident der Kreispartei. Zudem habe die nationale SVP in letzter Zeit auf dem politischen Parkett nicht immer souverän agiert, was wohl «zum Teil auch auf uns abgefärbt hat». Trotzdem wolle die SVP ihrer Linie treu bleiben, sagte Güntzel. «Es bringt nichts, sich wegen solcher Ergebnisse neu zu erfinden.»

Grünliberale legen zu

Einen Aufwärtstrend konnten gestern die Grünliberalen verzeichnen: Der Andwiler Martin Wicki holte einen zusätzlichen Sitz für die Partei. Mit neu zwei Sitzen wurde das erklärte Ziel von drei Sitzen zwar verfehlt, «aber damit können wir leben», sagte Parteipräsident Res Schneider. Da die GLP eine junge Partei sei, gelte es, in den nächsten vier Jahren Aufbauarbeit zu leisten und zu wachsen. Schneider wertete den Sitzgewinn auch als Erfolg, weil die GLP nur über ein «bescheidenes Wahlkampfbudget» verfügt habe.

Als «einfach nur genial» bezeichnete BDP-Kreisparteipräsident Daniel Koster den Sitzgewinn seiner erst vor kurzem in diesem Wahlkreis gegründeten Partei. Und dass die BDP kantonal gesehen künftig gar mit zwei Mitgliedern vertreten sei, mache das Ganze noch genialer. Worauf führt er diesen Erfolg zurück? «Unsere Partei ist in den vergangenen Wochen und Monaten bekannter geworden», sagte Koster. «Wir sind entscheidungsfreudig und sagen, was wir denken.» Er glaubt, dass das beim Volk gut angekommen sei. Ausserdem hätten sie auch vom nationalen Aufschwung der neuen Mitteparteien profitiert. Im Kantonsrat vertreten wird die BDP St. Gallen-Gossau aber nicht von ihrem ersten oder zweiten Kandidaten auf der Liste. Geschafft hat es der dritte, der 53jährige Abtwiler Richard Ammann, Vater der Ex-Miss Schweiz Amanda Ammann. Eine Art von Promibonus, der Ammann sicherlich zugute gekommen sei, sagte Koster augenzwinkernd.

Frust bei CVP und FDP

Wenig Grund zur Freude gab es für die CVP. Einen Sitz hat sie verloren. Kreisparteipräsident Markus Peter konnte es nicht fassen, seinen Blick vom Bildschirm, auf dem die Ergebnisse präsentiert wurden, kaum abwenden. Immer wieder schüttelte er den Kopf. «Die Enttäuschung ist riesengross», sagte er. Klar sei das Ziel, die sieben Sitze nicht nur halten, sondern gar einen achten ergattern zu wollen, ehrgeizig gewesen. Dass es nun zu einem Sitzverlust gekommen sei, hätte er nicht gedacht. «Von verschiedensten Seiten ist uns eine sehr gute Liste und ein aktiver Wahlkampf attestiert worden», sagte er. «Aber offensichtlich konnten wir nicht genug Wähler mobilisieren.» Es brauche nun etwas Zeit, das Ganze zu verarbeiten. «Wir werden die Resultate in den nächsten Tagen analysieren.» Erst dann könne er sagen, woran genau es gelegen habe.

Gross war die Enttäuschung auch bei der FDP, hatte sie doch insgeheim ebenfalls auf einen Sitzgewinn gehofft. Nun sind es statt der bisherigen sechs Sitze nur noch deren fünf. Vor allem der Verlust eines vierten städtischen Vertreters im Kantonsrat schmerze, sagte Marco Huwiler, Präsident der FDP-Regionalpartei. Den Kopf in den Sand zu stecken komme für die Partei aber nicht in Frage. «Wir müssen uns stärker positionieren», sagte Huwiler mit Blick auf die Wahlen im Herbst, «und künftig wieder näher am Volk politisieren.»

Die nächsten Wahlen kommen

Glücklich hingegen ist die EVP. «Mit dem Erhalt des Sitzes im Wahlkreis St. Gallen haben wir unser Ziel erreicht», sagte der bisherige Kantonsrat Jascha Müller und Präsident der Kreispartei EVP. Man habe nicht erwarten können, dass man das Mandat erneut machen würde. Vor allem weil man mit weniger Kandidaten angetreten sei. Auch die Grünen sind mit dem Wahlausgang «mehr als zufrieden», so der Regionalparteipräsident Christian Eggenberger. Ein Zufall sei der Sitzgewinn sicherlich nicht. «Wir haben einen intensiven Wahlkampf betrieben.» Und mit der Arbeit im Kantonsrat hätten sie sich Gehör verschaffen können. Die Partei werde sich aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Bereits am Abend des Wahlsonntags fiel der Startschuss für den nächsten Höhepunkt, die kommunalen Wahlen im Herbst. Denn wie heisst es doch so schön: Nach den Wahlen ist vor den Wahlen. (lom/nar/upz)

Markus Peter: Verliert das Lachen nicht, trotz Sitzverlust der CVP. (Bild: HANSPETER SCHIESS SCHIESSFOTOGRA)

Markus Peter: Verliert das Lachen nicht, trotz Sitzverlust der CVP. (Bild: HANSPETER SCHIESS SCHIESSFOTOGRA)

Marco Huwiler: Die Enttäuschung bei der FDP ist gross. (Bild: HANSPETER SCHIESS SCHIESSFOTOGRA)

Marco Huwiler: Die Enttäuschung bei der FDP ist gross. (Bild: HANSPETER SCHIESS SCHIESSFOTOGRA)

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