BÜRGERENTSCHEID: Die Stadt will eine Kirche kaufen

Die Bürgerversammlung der Stadt entscheidet über den Kauf des Gebäudes der evangelisch- methodistischen Kirche. Es soll neu Jugendeinrichtungen für Rorschach und Rorschacherberg dienen.

Fritz Bichsel
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Die von Industrie eingeholte und wegen abnehmender Mitgliederzahl nicht mehr für Gottesdienste genutzte evangelisch-methodistische Kirche an der Reitbahnstrasse 57 in Rorschach. (Bild: Fritz Bichsel)

Die von Industrie eingeholte und wegen abnehmender Mitgliederzahl nicht mehr für Gottesdienste genutzte evangelisch-methodistische Kirche an der Reitbahnstrasse 57 in Rorschach. (Bild: Fritz Bichsel)

Fritz Bichsel

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Mit dem Investitionsbudget beantragt der Stadtrat den Bürgern, die Liegenschaft an der Ecke Pestalozzi-/Reitbahnstrasse mit dem viergeschossigen Gebäude auf 500 Quadratmetern Boden zu kaufen für 875000 Franken. Sie soll für Aufgaben von Gemeinden dienen, entsprechend ins Verwaltungsvermögen gehen und abgeschrieben werden. Anders als bei Liegenschaften, die wieder verkauft werden können, hat hier der Stadtrat keine Kompetenz, sondern entscheiden in jedem Fall die Bürger.

Idee für Wohnzone bei Industrie verworfen

Die Freikirche EMK hat Schwierigkeiten wie die Landeskirchen: weniger Mitglieder, weniger Gottesdienstbesucher. Sie organisierte sich deshalb regionaler, in unserer Gegend mit den Kapellen in Rheineck und Romanshorn. Die Kirche in Rorschach mit Gottesdienstraum über zwei Geschosse und Turm nutzt sie nach einem Jahrhundert seit gut zwei Jahren nicht mehr. Geblieben sind die Wohnungen in den beiden obersten Geschossen. Die EMK Schweiz – seit 2012 Eigentümerin anstelle der aufgelösten EMK Rorschach – wollte die Liegenschaft umteilen lassen in die Wohn-/Gewerbezone und ganz für Wohnungen nutzen. Das hätte der Stadtrat nach Auskunft von Stadtpräsident Thomas Müller wohl ablehnen müssen. Denn auf je zwei Seiten dieses Gebäudes stehen Industriebauten und verlaufen Strassen. Weil die Stadt Räume sucht für Zwecke, mit denen die Liegenschaft in der öffentlichen Zone bleiben kann, hat die Behörde ein Kaufangebot unterbreitet und für den Fall, dass die Bürger zustimmen, den Kaufvertrag abgeschlossen.

Auf Raumsuche ist die Aufsichtskommission der Fachstelle Jugend Familie Schule Rorschach/Rorschacherberg. Diese Stelle und der von ihr geführte Jugendtreff befinden sich im Haus Dufourstrasse 4. Dieses muss für den Ausbau des Stadtbahnhofs weichen. Ersatz gäbe es in nahen Gebäuden der Stadt – aber nur für wenige Jahre, bis auch die Umgebung des Bahnhofs umgestaltet wird. Die ehemalige EMK wäre hingegen eine langfristige Lösung. Und das für intensives Gemeindeleben auch mit Küche und Versammlungsräumen ausgestattete Gebäude zwischen Industrie und Schulareal Pestalozzi würde sich für diese Zwecke gut eignen. Ebenso für ein weiteres Ziel, das die Aufsichtskommission prüft: Die frühe Förderung von Kindern ausbauen zu einem Familienzentrum, das alle Beteiligten vereint, von Eltern bis zu Fachpersonen. Solche Zentren gibt es an einigen Orten bereits.

Nach Auskunft von Guido Etterlin – Stadtrat, Schulratspräsident und Kommissionspräsident – beurteilt die Aufsichtskommission mit je zwei Vertretern von Rorschach und Rorschacherberg die Ideen positiv, sowohl andere Räume für Fachstelle und Jugendtreff wieder unter dem gleichen Dach als auch die Prüfung eines Familienzentrums und die EMK als Standort für alle drei Einrichtungen. Wenn die Bürger dem Kauf zustimmen, wird die Kommission an die Planung gehen, und die Stadt den Mietern Zeit lassen für einen allfälligen Auszug. Rorschacherberg würde an den Kosten beteiligt über einen Mietpreis.

Hinweis

Bürgerversammlung der Stimmberechtigten von Rorschach: nächsten Dienstag, 28. März, ab 20 Uhr im Stadthofsaal