Bürger sein, wo das Herz daheim ist

RORSCHACH. Im kantonalen Einbürgerungsjahr 2015 haben Schweizer die Möglichkeit, den Wohnort als zusätzlichen Bürgerort zu wählen. In Rorschach wollen dies weit über 100 Personen tun. Vier von ihnen über ihre Beweggründe.

Res Lerch
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Debora Angehrn (v. l.), Ueli Schrepfer, Gieri Battaglia und Matthias Thür wollen das Rorschacher Ortsbürgerrecht erwerben und haben die nötigen Unterlagen bei Hermann Fuhrimann, Präsident der Ortsbürgergemeinde, eingereicht. (Bild: Res Lerch)

Debora Angehrn (v. l.), Ueli Schrepfer, Gieri Battaglia und Matthias Thür wollen das Rorschacher Ortsbürgerrecht erwerben und haben die nötigen Unterlagen bei Hermann Fuhrimann, Präsident der Ortsbürgergemeinde, eingereicht. (Bild: Res Lerch)

Der klassische Bürgerort hat keine grosse Bedeutung mehr. Massgebend ist heute für alle in der Schweiz lebenden Personen grundsätzlich der Wohnort. Im Kanton St. Gallen besteht dieses Jahr für Schweizerinnen und Schweizer die Möglichkeit, von einem besonderen Einbürgerungsangebot zu profitieren. Die Ortsbürgergemeinde Rorschach hat diese Idee aufgenommen und dieses Angebot aktiv beworben. Mit grossem Erfolg, wie Hermann Fuhrimann, Präsident der Ortsbürger Rorschach, festhält. «Bei uns sind weit über 100 Anträge eingegangen», sagt er stolz.

Eine Herzensangelegenheit

«Ich bin durch und durch Rorschacherin», sagt Debora Angehrn, «und deshalb war für mich sofort klar, dass ich von diesem Angebot Gebrauch mache, denn zu meinem aktuellen Bürgerort Muolen habe ich keine grosse emotionale Bindung.» Für sie ist das Ganze auch eine Herzensangelegenheit, da sie in der vierten Generation in Rorschach wohnt und arbeitet, und vor allem auch deshalb, weil ihre Kinder hier gross werden und auch sehr stark mit Rorschach verbunden sind. «Ich bin schon ein bisschen auf der Welt herum gekommen, aber Rorschach ist meine Heimat und das ist für mich eine gute Gelegenheit, dieses Gefühl noch zu vertiefen», freut sie sich.

Auch Gieri Battaglia hat sich für die Einbürgerung entschieden. «Meine Frau ist hier aufgewachsen, und wir lebten bis zu meiner Pensionierung in St. Margrethen. Nach Rorschach sind wir gezogen, weil wir hier Verwandte und Bekannte haben. Zudem bietet die Stadt alles, was wir brauchen: zahlreiche Geschäfte, hervorragende Anbindungen an den öffentlichen Verkehr, den See und viele sympathische Leute. Wir fühlen uns hier wohl und werden in dieser Stadt wohnhaft bleiben. Deshalb haben wir uns für die Einbürgerung beworben. Dabei war die Höhe des Steuerfusses nie ein Thema», erklärt er.

Nach Fusion fehlt Identifikation

Der frühere Bürgerort von Ueli Schrepfer war Obstalden im Kanton Glarus. Im Rahmen der Glarner Gemeindereform wurde aus Obstalden zusammen mit Bilten, Filzbach, Mollis, Mühlehorn, Näfels, Nieder- und Oberurnen die neue Gemeinde Glarus Nord. «Da fehlt dann einfach die Identifikation mit diesem Gebilde», sagt er und freut sich über diese Geste der Ortsbürgergemeinde. «So eine Gelegenheit bietet sich nicht alle Tage. Ich wohne seit 21 Jahren in Rorschach und für mich ist meine Heimat da, wo mein Lebensfaden festgemacht ist. Und das ist Rorschach», so Ueli Schrepfer.

Matthias Thür ist hier geboren und hat alle Schulen in Rorschach besucht. Auch seinen Hobbies und gesellschaftlichen Aktivitäten frönt er in Vereinen und Gruppierungen, die einen engen Zusammenhang zur Stadt Rorschach haben. «Ich habe schon längere Zeit mit diesem Gedanken gespielt, zumal meine Frau bereits Rorschacher Ortsbürgerin ist», sagt er. Zu seinem aktuellen Bürgerort Altstätten habe er wenig Bezug.

Standaktion auf dem Marktplatz

Die Ortsbürgergemeinde Rorschach wird am 5. und 6. Juni auf dem Marktplatz eine Standaktion durchführen und Interessierte auf diese besondere Einbürgerungsmöglichkeit ansprechen. «Wir sind in Rorschach offen und aktiv und wollen möglichst viele mit diesem Einbürgerungsangebot erreichen. Und eben nicht wie üblich warten, bis so ein Entscheid zur Einbürgerung aus eigenem Antrieb gereift ist», sagt Hermann Fuhrimann als Präsident der Ortsbürgergemeinde Rorschach. Aktuell wohnen in der Stadt rund 600 Ortsbürger, weltweit sind es so um die 3500 Leute, die Rorschach als Bürgerort haben. «Es ist toll, auch von dort Bürger zu sein, wo das Herz daheim ist.»

www.buerger-rorschach.ch