Bürger können auswählen

Drei St. Galler Gemeinden wählen am Wochenende einen neuen Präsidenten, in zweien ist das Schulpräsidium neu zu besetzen. Der Entscheid fällt überall in einer Kampfwahl.

Silvan Lüchinger
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Alois Ebneter (rechts) und Rolf Züllig vor dem neuen Wappen der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. (Bild: tt)

Alois Ebneter (rechts) und Rolf Züllig vor dem neuen Wappen der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. (Bild: tt)

Was Alois Ebneter (CVP) begonnen hat, würde er gern zu Ende führen. Ab 1. Januar nicht mehr als Gemeindepräsident von Alt St. Johann, sondern als Oberhaupt der neuen, fusionierten Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Ebneter war einer der Vordenker der Gemeindefusion, die in Wildhaus wie in Alt St. Johann deutlich angenommen wurde. Dennoch musste er sich im Vorfeld der Wahl einer überparteilichen Findungskommission stellen.

Alter Hase gegen Quereinsteiger

Kampflos fällt dem gelernten Eisenbetonzeichner und späteren Lehrer das Präsidium nicht zu: Ebneters Gegenkandidat Rolf Züllig ist politisch zwar ein unbeschriebenes Blatt. Dem parteilosen Rheintaler und Bereichsleiter in einem Rheintaler Unternehmen könnte aber zugute kommen, dass jene Wildhauser, die gegen den Zusammenschluss waren, den Neustart wenn schon, denn schon mit einem Auswärtigen an der Spitze vorziehen.

Nach 16 Jahren im Rathaus von Alt St. Johann weiss Ebneter um die strukturellen Schwächen des obersten Toggenburgs, wo Tourismus und Gewerbe wirtschaftlich die krisenanfällige Hauptrolle spielen und grosse industrielle Steuerzahler auch in Zukunft fehlen werden. Sein erklärtes Ziel ist es denn auch, den in Aussicht gestellten Steuerfuss von 148 Prozent mindestens fünf Jahre halten zu können. Zumindest erleichtern werden dies namhafte Fusionsbeiträge des Kantons.

Rolf Züllig, der Wildhaus als Organisator der dort durchgeführten Bogenschützen-WM und Alt St. Johann nach eigenen Angaben gar nicht kennt, will im Falle einer Wahl vor allem im Bereich Schule sparen.

Dreikampf im Rheintal

In Rebstein, wo der bisherige Gemeindepräsident Max Reich in Pension geht, rechnet man mit einem zweiten Wahlgang.

Zur Wahl stellen sich nämlich gleich drei Bewerber: Otto Mattle für die SP, Andreas Eggenberger für die FDP und der parteilose, von der SVP unterstützte Jürg Hengartner.

Der Ingenieur und ehemalige Kantonsrat Otto Mattle ist zwar in den Dorfvereinen abgestützt. Sollte ihm als «Linker» derselbe Coup gelingen wie einst seinem Parteikollegen Arnold Ruppanner im benachbarten Balgach, wäre das aber doch eine saftige Überraschung.

Klar auf der bürgerlichen Linie und als Leiter der Raiffeisen-Geschäftsstelle im Dorf ebenfalls bestens bekannt ist Jürg Hengartner. «Farblich» lässt er sich schwer einordnen: Als Kantonsratskandidat trat er einst für die Autopartei an, für die Wahl in den Gemeinderat portierte ihn die CVP und jetzt steht die SVP hinter Hengartner.

Andreas Eggenberger schliesslich hofft auf den Bonus des unverbrauchten Auswärtigen.

Der FDP-Kantonsrat ist amtierender Gemeindepräsident von Eichberg und sieht jetzt die Zeit gekommen, aus der Kleingemeinde mit 1400 in ein grösseres Dorf mit immerhin 4200 Bewohnern zu wechseln.

Erster SVP-Gemeindepräsident

Den Abschluss eines Dreikampfes erlebt am Sonntag auch Flums, wo es die Nachfolge von Gemeindepräsident John Vincenz zu regeln gilt. Vincenz wurde 2001 gewählt – als erster SVP-Gemeindepräsident im Kanton St. Gallen. Kontrahenten sind Marco Gadient (SVP), Markus Hobi (parteilos) und Martin Marthy (FDP).

Auch hier wäre alles andere als ein zweiter Wahlgang eine Überraschung.