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BÜHNE: Die Lust am bissigen Wortwitz

Beim Saisonabschluss von «Kultur i de Aula» nimmt Simon Chen wortgewandt verschiedene Arten von Rednern auf die Schippe. Der Kabarettist lässt sie dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste treten.
Jan Hoefliger

Jan Hoefliger

redaktionot@tagblatt.ch

«Ich bin am Ende der Tournee, passenderweise auch am Ende der Schweiz», stichelte Chen in der Goldacher Aula gleich zu Anfang in seiner Einleitung. Dass es dabei nicht bei der einzigen humorvollen, spitzig-bissigen Pointe blieb, sollte der weitere Verlauf des Programms zeigen. Chen changierte dabei mit Mimik und Gestik gekonnt zwischen den Rollen, die von Politikern bis zu Predigern reichten.

Den Start machte eine seiner wohl bekanntesten Nummern, in der er einen hemdsärmeligen Politiker aus dem rechten Parteienspektrum verkörpert. Gemäss dem Motto «Nach der Wahl ist vor der Wahl» gibt dieser seine politischen Kernpunkte zum Besten und verhaspelt sich dabei in Sätzen wie «Die Schweiz ist weder ein Ein- noch ein Auswanderungsland, sondern primär ein Wanderland» oder «im Hinblick auf die Trittbrett- pardon Drittweltländer»: «Wer selber nichts zu essen hat, sollte den Mund nicht zu voll nehmen.» Diese Verknüpfung von Sprachspiel und politischem Statement ist dabei nicht nur witzig, sondern entlarvt zugleich auch den Redner. Dabei blieb es bei aller Ironie nicht beim einzigen Mal, dass auch eine satirisch gefärbte, gesellschaftskritische Haltung bei Chen durchschimmerte.

Die direkte Demokratie ist ein riesiges Privileg

Die erste Programmhälfte endete schliesslich mit einer gehörigen Portion an schwarzem Humor. Mit den Sätzen «Die direkte Demokratie ist ein riesiges Privileg. Die meisten Menschen haben nur einmal in ihrem Leben Zugang zur Urne», leitete Chen ein in die bitterböse Grabrede auf den verstorbenen «Chrätu», «der nicht nur tot, sondern auch ausgebrannt sei. Er macht auch vor dem Reizthema Religion nicht Halt. Einen Freikirchenprediger liess er verkünden: «Bei uns sind alle willkommen, Verliebte, Verlobte, Verheirate, Getrennte, Geschiedene, Schwule ... weniger.» Spitzen verteilte er auch gegen den Churer Bischof Vitus Huonder. Dass Chen auch die Grenze zum Provokativen bewusst. Er wolle gefallen, aber nicht gefällig sein, drückte er es einmal in einem Interview aus.

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