BUECHEN: Nach 96 Jahren vom Blei befreit

Der Scheibenstand der im Jahre 2000 ausser Betrieb genommenen Schiessanlage Buechen bei Staad wird saniert und renaturiert. Die Schwermetalle im Felsen und im umliegenden Hügel werden dazu entfernt und entsorgt.

Henrik Jochum
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Über Jahre hinweg wurden Löcher in den Fels geschossen. Diese müssen jetzt geleert werden. (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

Über Jahre hinweg wurden Löcher in den Fels geschossen. Diese müssen jetzt geleert werden. (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

BUECHEN. Wehrpflichtige aus der Region, die vor 2000 im Dienst waren, werden die ein oder andere Kugel in der Schiessanlage Buechen nahe Staad verloren haben. Die Nutzung dieser wurde zur Jahrtausendwende eingestellt. Aufgrund der Schwermetalle in den Kugeln zählen Scheibenstände ausser Betrieb als Altlasten-Standorte.

Die Gemeinde Thal hat daher vergangenes Jahr entschieden, den Kugelfang zu sanieren und ihn als Waldgebiet der Natur wieder zurückzugeben. Die Schwermetall-Reste müssen dazu entfernt und die Umgebung auf Querschläger und verirrte Kugeln von schlechten Schützen untersucht werden. Um die Richtwerte des Bundesamts für Umwelt (Bafu) einzuhalten, hat Thal die Andres Geotechnik AG aus St. Gallen engagiert. Für die finale Entsorgung der belasteten Materialien wurden Spezialisten der Toggenburger AG rekrutiert.

Günstiger als erwartet

«Ich nehme Bodenproben und koordiniere die Arbeiten», sagt Geologe Tobias Sonderer vor den Löchern, die nach den 96 Jahren Betrieb eine beachtliche Grösse erreicht haben. Bei der Sanierung von Scheibenständen gibt es verschieden hohe Blei-Richtwerte. Die Gemeinde Thal hat sich für den Höchstmöglichen entschieden. Pro Kubikmeter Erde dürfen nach der Sanierung nur noch 1000 mg Blei in der Erde vorhanden sein. Das verbleibende Land kann daraufhin nur als Waldfläche genutzt werden. Um es landwirtschaftlich nutzen zu können, müsste man den Wert auf 300 mg pro Kubikmeter verringern. Dies wäre natürlich mit mehr Kosten und mehr Arbeitsaufwand verbunden.

Die komplette Sanierung der Kugelfänge wird voraussichtlich rund 300 000 Franken kosten, wovon 80 000 Franken vom Bund übernommen werden. Damit bleibt Thal weit unter der ursprünglich geschätzten halben Million.

Die komplette Sanierung der Schiessanlage soll bis Ende August vollendet sein, obwohl dies sehr witterungsabhängig ist. Bei nassem Wetter können die Bauarbeiter im Hang nicht mehr mit schwerem Gerät hantieren. «Wir sind abhängig vom guten Wetter, deshalb versuchen wir, während der Sommermonate fertig zu werden», sagt Sonderer.

Besondere Situation in Buechen

Speziell an der Schiessanlage Buechen ist, dass auf Fels geschossen wurde. So drangen die Kugeln nicht tief in den Hügel ein, sondern hinterliessen lediglich pro Bahn ein Loch im Fels. Diese müssen gründlich geleert werden, da die Kontamination dort am höchsten ist. Möglich ist dies nur in Handarbeit. In der direkten Umgebung muss die Erde nur 15 bis 20 Zentimeter abgetragen werden, um die gewünschten Werte zu erreichen. Der Bunker, der unterhalb der Kugelfänge für die Zeiger angelegt ist, wird abgerissen und auf Kontamination untersucht. Je nach Grad der Kontamination werden dann die Materialien entweder zu der Deponie Tüfentobel in Engelburg gebracht oder, bei hoher Verseuchung, von Toggenburger selbst entsorgt. Der Schiessstand wurde an Felix Tobler veräussert; ihm gehören auch die umliegenden Felder. Er benutze das Gebäude für seinen landwirtschaftlichen Betrieb, sagt der Thaler Gemeinderatsschreiber Christoph Giger.

Nach dem Abriss des Bunkers und der Reinigung der Schusslöcher wird der Hang wieder in die Natur integriert und als Waldfläche genutzt. (Bilder: Henrik Jochum)

Nach dem Abriss des Bunkers und der Reinigung der Schusslöcher wird der Hang wieder in die Natur integriert und als Waldfläche genutzt. (Bilder: Henrik Jochum)