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BUDGET: Stadt St.Gallen spürt restriktive Kulturpolitik des Kantonsrates: Hartes Pflaster für auswärtige Künstler

Der Kanton hat seine Kulturausgaben bis 2021 gedeckelt. In der Stadt St.Gallen spüren das sowohl etablierte Institutionen, als auch die alternative Szene: Die Kantonsarchäologie steht weiter auf wackligen Beinen, und Gastspiele sind zunehmend bedroht.
Roger Berhalter
Die Ausstellung der Kantonsarchäologie im Historischen Museum wird vorerst nicht über den ordentlichen Haushalt abgerechnet. (Bild: Urs Bucher)

Die Ausstellung der Kantonsarchäologie im Historischen Museum wird vorerst nicht über den ordentlichen Haushalt abgerechnet. (Bild: Urs Bucher)

Roger Berhalter

roger.berhalt

er@tagblatt.ch

Vorerst bleibt alles beim Alten – doch genau das ist für einige ein Problem. Schon seit mehreren Jahren gibt es für die Kulturausgaben des Kantons St. Gallen einen Kostendeckel. In seiner jüngsten Session hat der Kantonsrat nun beschlossen, diesen Deckel weiterhin auf dem Kulturtopf zu lassen. Der Kanton zahlt damit weiterhin 6,2 Millionen Franken pro Jahr an Kulturbeiträgen (Konzert und Theater St.Gallen ausgenommen). Dies soll mindestens bis 2021 so bleiben. So weit, so unverändert.

Dennoch zeigt die strikte kantonale Kulturpolitik der vergangenen Jahre schon Wirkung. Gerade in der Stadt St. Gallen, wo der mit Abstand grösste Teil der Beiträge hinfliesst.

Die Auswahl wird strenger

Rund 80 Institutionen unterstützt der Kanton derzeit regelmässig über den Lotteriefonds, sie erhalten insgesamt gut 5 Millionen Franken. 25 dieser 80 Institutionen befinden sich in der Stadt. So zahlt der Kanton beispielsweise 170000 Franken an den Betrieb der Kunsthalle, 70000 Franken an die Kellerbühne, 10000 Franken an den Poetry-Slam-Verein Solarplexus. An diesen Beträgen wird sich in den kommenden Jahren nichts ändern, ebenso wenig an den damit verbundenen Leistungsaufträgen. Es werden also keine Gelder gestrichen, doch führt die Deckelung der Kulturausgaben dazu, «dass die kantonale Kulturförderung Weiterentwicklungen oder Veränderungen der Angebote finanziell nicht mittragen kann». So formuliert es Katrin Meier, die Leitern des kantonalen Amtes für Kultur. Bleibt alles beim Alten, ist keine Weiterentwicklung möglich.

Neben diesen Institutionen unterstützt der Kanton einzelne Projekte und Anlässe in St. Gallen. Konkret geht es zum Beispiel um ein Konzert in der Grabenhalle, ein Theater-Gastspiel in der Lokremise oder eine Studioaufnahme einer lokalen Band. Wer wie viel Geld bekommt, diese Frage stellt sich die kantonale Kulturförderung seit neuestem noch genauer. «Sie selektioniert noch stärker», sagt Katrin Meier. Oder es würden kleinere Beiträge ausgezahlt. Mit der steigenden Anzahl kultureller Anlässe und Projekte könnten die kantonalen Kulturbeiträge nicht Schritt halten, sagt Meier. Um die Kuchen-Metapher zu verwenden: Wenn der Kuchen gemäss Kantonsrat nicht grösser werden darf, dann werden die einzelnen Stücke entweder kleiner geschnitten oder gar nicht mehr verteilt.

Ein aktuelles Beispiel: Das St. Galler Mundart-Electro-Duo Dachs tauft morgen Freitag im Palace sein Debütalbum «Immer schö lächlä». Der Kanton hat für die Produktion 4000 Franken beigesteuert. Vor ein paar Jahren wären es ein paar tausend Franken mehr gewesen.

Der Kanton schaut noch stärker auf die Geografie

Andere gehen leer aus. So wie das Winterthurer Stepptanz-Musik-Ensemble 9-Point-Inc, das am 20. Januar in der Lokremise ein Konzert gab. Oder das Tanztheater Baden, das am 25. März in der Grabenhalle sein aktuelles Tanzstück aufführt. Diese beiden Anlässe erhalten kein Geld vom Kanton. Nicht wegen der Qualität, sondern wegen der Geografie: «Insbesondere Projekte von auswärtigen Kulturschaffenden, die in St. Gallen gastieren wollen, werden nicht mehr oder weniger stark gefördert», erklärt Katrin Meier die neue Praxis. Sie sieht das als Problem, vor allem langfristig. «Dies reduziert die kulturelle Vielfalt in der Stadt.» Unterstützt werde immer stärker das st. gallische Schaffen und bedroht seien «die kulturellen Impulse von aussen, die zu einem reichhaltigen und vielfältigen kulturellen Angebot gehören».

Auch die Kantonsarchäologen sind mit dem Kostendeckel nicht glücklich. Ab 2016 hätte der Kanton die neue Dauerausstellung «Faszination Archäologie» im Historischen und Völkerkundemuseum mit 250000 Franken pro Jahr unterstützen sollen, über den ordentlichen Finanzhaushalt. Wegen des Kostendeckels ist das bis auf weiteres aber nicht möglich, vielmehr müssen sich die Verantwortlichen jedes Jahr von neuem um einen Beitrag beim Lotteriefonds bewerben.

Der Lotteriefonds wird zur Lohntüte

Das stört FDP-Kantonsrat Arno Noger. Er hat im Kantonsrat vergeblich eine Erhöhung der kantonalen Kulturbeiträge beantragt, um zumindest die Dauerausstellung der Kantonsarchäologie zu sichern. «Es heisst Kantonsarchäologie, nicht Stadt-Archäologie oder Hobby-Archäologie», brachte er es in der Debatte auf den Punkt. Archäologie sei eine Staatsaufgabe und soll auch entsprechend finanziert werden.

Mit den 250000 Franken jährlich kann die Kantonsarchäologie weiterhin rechnen. Doch ist laut Noger die Planungssicherheit nicht gegeben, wenn der Beitrag jedes Jahr neu gesprochen wird. Er gibt auch zu bedenken, dass es nicht nur um Sachkosten gehe. Auch der Lohn der Archäologie-Kuratorin werde aus dem Lotteriefonds bezahlt: «Das ist nicht sachgerecht.»

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