BRÜCKENSCHLAG: Weg zum «Taminabogen» gesucht

BAD RAGAZ. Ein eleganter Brückenschlag soll die Talseiten von Pfäfers einander näher bringen. Weniger geradlinig verläuft die Suche nach der besten Zufahrt. Die Grand Resorts fürchten um Gäste.

Reinhold Meier
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Zufahrt ins Taminatal: Am Rande des Kurparks könnte sie einmal durchführen, ober- oder unterirdisch – oder ganz woanders? (Bild: Reinhold Meier)

Zufahrt ins Taminatal: Am Rande des Kurparks könnte sie einmal durchführen, ober- oder unterirdisch – oder ganz woanders? (Bild: Reinhold Meier)

Im Taminatal herrscht Freude. Denn der St.Galler Regierungsrat befürwortet eine Brücke, die in 200 Metern Höhe die Schlucht zwischen den Ortsteilen überwinden soll. Das 56-Millionen-Projekt «Taminabogen» würde die durch ein Rutschgebiet führende Zufahrt auf der linken Talseite ersetzen. Deren Unterhaltskosten schlügen über die nächsten Jahrzehnte mit 60 Millionen Franken zu Buche.

Deshalb gilt das Projekt als unbestritten, zumal Synergien zwischen den einander näher rückenden Kliniken Valens und Pfäfers erwartet werden sowie eine Aufwertung des Wohnorts durch die kürzere und wintersichere Verbindung. Schon in der Wintersession könnte der Kantonsrat den entsprechenden Beschluss fassen.

«Juwel weiträumig umfahren»

Doch nun regt sich Widerstand in Bad Ragaz. Nicht gegen die Brücke, wohl aber gegen die Zufahrt.

Denn die Route nach Pfäfers verläuft bisher mitten durch den historischen Dorfkern und soll rund hundert Meter nach Westen auf das rechte Taminaufer verlegt werden. Damit würde zwar das attraktive Dorfzentrum umkurvt, der Verkehr aber näher an Kurpark und Grand Hotels rücken.

Für Peter Tschirky, Geschäftsführer der Grand Hotels, ein Unding: «Mir ist unerklärlich, dass so etwas möglich ist.» Das Vorhaben sei keine Umfahrung, sondern eine Verlegung, ärgert er sich.

Er befürchte Eingriffe in das «Juwel» Kurpark, Mehrverkehr und langjährigen Baulärm. Im Sinn der Gäste plädiert er für weiträumige Lösungen: «Sarelli und Rosenbergli wären Alternativen.» Damit verweist er auf Strecken, die über den südlich von Bad Ragaz liegenden Autobahnanschluss zu erschliessen wären. Tschirky kritisiert ferner, dass man bisher in die Diskussion nicht eingebunden worden sei: «Es gab keine Einladung.»

«Kämpfen für Tunnel»

Das sieht man im Rathaus anders. Gemeindepräsident Guido Germann betont, dass es zahlreiche Kontakte und Gespräche gegeben habe. Er zeigt Verständnis für die Sorgen, macht aber zugleich deutlich, dass die weiträumigen Umfahrungen wenig Chancen hätten. In den 70er- und 80er-Jahren seien sie an der Urne zweimal verworfen worden.

Heute kämen sie nur schon aus Gründen neu beurteilter Naturgefahren nicht mehr in Betracht und eine Tunnellösung im Schlossrank sei schlicht unbezahlbar.

«Schon 1991 war diese mit 45 Millionen veranschlagt», erinnert er sich. Das sei für gerade mal 2500 Autos täglich unrealistisch. Darum stünden wohl nur Varianten jenseits des Dorfkerns zur Debatte, entweder mit offener Linienführung wie vom Kanton momentan wohl eher bevorzugt oder mit einem Tunnel.

Für diesen würde man jedoch seitens der Gemeinde kämpfen, wenn die Grand Resorts mitzögen, erklärt Germann. Ideal wäre ein gemeinsames Votum, wirbt er: «Ich will kein Öl ins Feuer giessen.»

Dreiergipfel vor Ort

Das trifft bei Kantonsingenieur Urs Kost auf offene Ohren: «Wir warten auf eine gemeinsame Meinung aus Bad Ragaz», erklärt er.

Das Strassenbauprogramm beurteile die 2,2 Millionen Franken teure, offene Variante als günstiger, während eine Tunnellösung mit 14 Millionen schlechter wegkomme, aber noch nicht aus dem Rennen sei.

Erst die bis 2013 zu erstellende Zweckmässigkeitsprüfung werde das Kosten-Nutzen-Verhältnis stichhaltig aufzeigen. Klar sei jedoch, dass nur Varianten im Dorf in Frage kämen. Grossräumige Umfahrungen seien «unmöglich».

Weil das Thema brisant sei, folge er einer Einladung der CVP nach Bad Ragaz, kündigt er an. So kommt es am 2. September zu einem spannenden Anlass, an dem auch Germann und Tschirky teilnehmen. Schon heute aber will Kost Befürchtungen entgegentreten, die Diskussionen im Tal könnten den langersehnten Brückenschlag am Berg in Frage stellen: «Die stellen die Brücke von Pfäfers nicht zur Debatte.»

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