Brückenbauerin tritt ab

Madeleine Herzog wirkte massgeblich beim Bibliotheksprovisorium und dem Museumsprojekt «Drei Museen – Drei Häuser» mit. Nun verlässt die Leiterin der Fachstelle Kultur die Stadt.

Michael Zwicker
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Madeleine Herzog auf dem Dach des Rathauses. Nach neun Jahren als Leiterin der Fachstelle Kultur verlässt sie die Stadt und geht nach Zürich. (Bild: Mareycke Frehner)

Madeleine Herzog auf dem Dach des Rathauses. Nach neun Jahren als Leiterin der Fachstelle Kultur verlässt sie die Stadt und geht nach Zürich. (Bild: Mareycke Frehner)

Aus St. Gallen und der hiesigen Kulturszene wegzuziehen, falle ihr schwer, sagt Madeleine Herzog. «Die Kulturinstitutionen der Stadt sind in gewisser Weise meine geworden.» Im Herbst wird Madeleine Herzog 20 Jahre Kulturarbeit St. Gallen geleistet haben, die letzten neun davon als Leiterin der städtischen Fachstelle Kultur. Jetzt habe sie aber Lust auf eine neue Herausforderung. Per 1. Oktober übernimmt die promovierte Germanistin und ehemalige Schauspiel- und Chefdramaturgin des Theaters St. Gallen die Leitung der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich.

Mehr Mittel, neue Kulturszene

Klar, grundsätzlich sei es die gleiche Arbeit, die sie in Zürich verrichten werde, einfach in viel grösseren Dimensionen und mit anderen finanziellen Möglichkeiten. In St. Gallen besteht ihr Team aus ihr selbst und einer Assistentin. In Zürich wird sie acht Personen führen. Als Vertreterin des Kantons wird sie ausserdem – wie schon in St. Gallen, nur in grösserer Zahl – in verschiedenen Kulturinstitutionen Einsitz nehmen. Besonders freue sie sich aufgrund ihrer Vorgeschichte als Dramaturgin auf die Mitwirkung im Vorstand des Opernhauses.

Einsatz fürs Palace

«Als ich 2005 die Stelle als Leiterin der Fachstelle Kultur übernahm, befand sich die St. Galler Kulturszene in einem kulturellen Aufbruch», sagt Madeleine Herzog. «Vieles war in Bewegung.» Im Mai 2005 etwa wies das Stadtparlament den Umbaukredit fürs Palace zurück. Über die kulturelle Nutzung der Liegenschaft habe sie mit den Betreibern intensive Gespräche geführt. Wenige Wochen später stimmte der Stadtrat einem provisorischen Betrieb zu. «Das war ein Erfolg.» Heute ist das Palace ein über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekanntes Konzertlokal. «Ich wollte diesen kulturellen Aufbruch als Leiterin der Fachstelle unterstützen, damit die Stadtkultur blühen kann», sagt Madeleine Herzog. Das sei gelungen. Für die Grösse der Stadt sei die Kultur in St. Gallen sehr lebendig und vielseitig. Und zwar nicht nur in bezug auf von Stadt und Kanton unterstützte Projekte. Sie nennt da etwa das «Kaffeehaus».

Nicht selber Kultur machen

«Die Leiterin der Fachstelle Kultur ist in gewissem Sinne eine Brückenbauerin.» Vor allem gehe es darum, die Rahmenbedingungen für Kulturschaffende zu verbessern. Beispielsweise, indem Kulturtips auf den Bildschirmen in den Stadtbussen angezeigt werden. Es gehe aber nicht darum, selber Kultur zu machen. Klar, Verwaltungsaufgaben würden ebenfalls zu ihrer täglichen Arbeit gehören – etwa die Bearbeitung von Gesuchen für Kulturbeiträge. Als Mitglied verschiedener Gremien betreibt Madeleine Herzog als Vertreterin der Stadt aber auch Kulturpolitik. Grundlage hierfür ist das «Kulturkonzept 2009», an dessen Erarbeitung sie federführend beteiligt war.

Erfolgreiche Grossprojekte

Teil dieses Konzepts ist auch das Bibliotheksprovisorium in der Hauptpost. In Zusammenarbeit mit dem Kanton wirkte sie daran massgeblich mit. «Der gemeinsame Betrieb in der Hauptpost ist aufgegleist.» Es sei daher kein schlechter Moment, um aufzuhören, sagt Madeleine Herzog. Das Grossprojekt «Drei Museen – Drei Häuser» ist jedoch noch nicht so weit. Nach einigen Erfolgen wie der neuen Struktur der Trägerschaft oder der gewonnenen Abstimmung für den Bau des Naturmuseums stehe jetzt noch der Kredit für den Umbau des Kunstmuseums aus. Bis zur endgültigen Entscheidung darüber werde sie aber bereits in Zürich an neuen Projekten arbeiten.

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